Chinas Exporterfolge sind ebenso überwältigend, wie für den Exportmeister Deutschland besorgniserregend. Immerhin kann China weder mit überragender Technologie noch mit besonders hoher Qualität punkten. Viele Ökonomen und Unternehmer glauben deshalb schon lange, dass hinter Chinas bemerkenswerter Exportleistung massive Fördermaßnahmen der chinesischen Regierung stecken. Nun findet dieser Verdacht eine Bestätigung durch die Wissenschaft: Sie entdeckte einen eindeutigen statistischen Zusammenhang zwischen den beträchtlichen Produktions- und Innovationssubventionen an die chinesische Industrie und deren Exporterfolgen.
Globalisierungsexperte Holger Görg vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel zeigt in einer Gemeinschaftsarbeit mit seinen Kollegen Sourafel Girma, Yundan Gong und Zhihong Yu von der University of Nottingham, dass die gewährten Produktionsbeihilfen eine ganz wesentliche Triebkraft hinter Chinas Exporterfolgen und dem darauf bauenden Wirtschaftsboom sind. Nach den Ergebnissen der jetzt vorgestellten Forschungsarbeit Can production subsidies explain China’s export performance?, die vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift Scandinavian Journal of Economics erschienen ist, hat die Gewährung umfangreicher Staatsbeihilfen zum Schließen der technologischen Lücke zwischen West und Ost offenbar die Exportleistung der chinesischen Industrie nachweislich erhöht.
Sowohl die chinesische Zentralregierung als auch die Provinzregierungen haben es sich seit Ende der siebziger Jahre zum Ziel gesetzt, der heimischen Industrie Anreize zu setzen, sich höherwertigen Aktivitäten innerhalb von Wertschöpfungsketten zuzuwenden. Sie gewähren daher Industrieunternehmen Finanzhilfen zur Umgestaltung der Produktionsabläufe und versuchen so, aktiv auf die Palette der angebotenen Güter der Firmen Einfluss zu nehmen. Die Berechnungen der Forscher bestätigen nun, dass es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den Fördermaßnahmen und der Exportleistung besonders innovativer und im Export aktiver chinesischer Firmen gibt.
Damit – so die Autoren – seien sicherlich zahlreiche chinesische Arbeitnehmer der Armutsfalle entronnen. Aber die Ergebnisse würden auch die Schattenseite der Entwicklung zeigen: „Es stellt sich die Frage, ob China die Produktionssubventionen viel stärker kürzen muss, um nicht gegen die eingegangenen Verpflichtungen im Zuge seines WTO-Beitritts zu verstoßen“, so Görg.
Die vollständige (englischsprachige) Studie steht als kostenloser Download im Internet zur Verfügung.
(IfW/ml)







Die Forschungsergebnisse erstaunen Kenner des Landes überhaupt nicht. Sie beweisen nur erneut, dass China keine Marktwirtschaft westlichen Musters hat und auch nicht haben will.
Der chinesische Weg (eine faszinierende Mischung aus Raubtierkapitalismus, sozialisitischer Plan- und Cliquenwirtschaft sowie urchinesischen Traditionen und Verhaltensweisen, basierend unter anderem auf Konfuzius und Laotse) ist sicher für die Sonntagsredner der Sozialen Marktwirtschaft ein Gräuel, aber der – zumindest kurzfristige – Erfolg bei der Bewältigung der globalen Wirtschaftskrise spricht sicher nicht gegen Chinas Weg.
Und offene wie auch verdeckte Subventionen gibt es auch in Deutschland in Hülle und Fülle. In allen Branchen und auf allen Ebenen. Nur vielleicht nicht so öffentlich wie in China. Aber dort ist es für die Politiker aller Ebenen (vom Dorf bis nach Peking) auch völlig natürlich und selbstverständlich, sich offen und bedingungslos für die Interessen ihrer ansässigen Unternehmen einzusetzen.
China ist eben anders. Völlig anders!
Wolfgang Junius
- Ihr Chinanavigator -