Coaching im Mittelstand

Stand: 19. November 2009

Die Chemie muss stimmen

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Coaching ist kein überflüssiger Luxus, den sich nur Konzerne leisten können. Auch dient eine solche Unterstützung keineswegs nur dem entscheidungsschwachen Manager. Mit qualifiziertem Unternehmercoaching lassen sich auch im Mittelstand Entscheidungen fundiert absichern und in Situationen, die nicht dem täglichen Geschäftsablauf entsprechen, die richtigen Wege finden. In etlichen Situationen wird Coaching sogar öffentlich gefördert.

Auf einen Blick

Anstehende Aufgaben meistern

Im Gegensatz zur klassischen Beratung wird Unternehmer- oder Strategiecoaching normalerweise nicht mit dem Ziel einer inhaltlichen Konzepterarbeitung oder der Umsetzung einzelner Maßnahmen verbunden. Vielmehr dient Coaching der Optimierung der internen Abläufe im Unternehmen. Es hilft dem Unternehmer bei der Vorbereitung und Absicherung von solchen Entscheidungen, die entweder selten oder sogar nur einmal in der Entwicklung eines Unternehmens anfallen. Sinnvoll ist es auch in solchen Fragen, bei denen der Unternehmer im eigenen Unternehmen oder in seinem Umfeld keinen Ansprechpartner findet.

Wirkliche geheime Räte
In seiner Beratungsfunktion steht der Coach häufig neben dem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer und dem Rechtsanwalt. Jede dieser Vertrauenspersonen nimmt ihre spezielle Rolle ein. Fallweise kann es auch zu einer engen Zusammenarbeit der externen Berater kommen.

Unternehmercoaching ist daher meist längerfristig angelegt und setzt eine gewisse Vertrauensbasis voraus, damit der Unternehmer über seine Entscheidungsoptionen offen diskutieren kann. Der Coach übernimmt die Rolle des kompetenten und kritischen Ansprechpartners, der scheinbar Offensichtliches hinterfragt und neue Anregungen gibt. Bei schwierigen Entscheidungen kann es von großem Vorteil sein, wenn der Coach sonst nicht mit dem Unternehmen verbunden ist – unter Umständen muss er noch nicht mal Insider in der Branche sein. So werden Betriebsblindheit und Voreingenommenheit („Das haben wir schon immer so gemacht“) vermieden.

E-Book am Online-Kiosk
Eine ausführliche Darstellung zu Führungsinstrumenten für den Mittelstand gibt Dr. Jürgen Kaack im Ratgeber „Coaching und Teambuilding – moderne Führungsinstrumente für den Mittelstand“, den Sie online im Zeitschriftenkiosk des MittelstandsWiki bekommen. Das regelmäßige PDF-Magazin können Sie kostenlos abonnieren.

Einsatzfelder

Grundsätzlich lassen sich zwei große Einsatzfelder unterscheiden: Ein Bereich sind Ereignisse und Entscheidungen, vor denen ein Unternehmer im Leben meist nur ein einziges Mal steht; der andere betrifft die laufende Entscheidungsfindung.

Einzelereignisse und Zäsuren

Zu den Ausnahmesituationen und singulären Ereignissen in der Entwicklungsgeschichte eines Unternehmens gehören z.B.

Diese Vorhaben liegen normalerweise nicht im Kerngeschäft und sie erfolgen – wenn überhaupt – nur in großen zeitlichen Abständen. Dergleichen sollte meist auch nicht zu früh innerhalb des Unternehmens oder bei Geschäftspartnern bekannt werden. Daher sind der Coach und die anderen externen Partner über eine ganze Zeit hinweg unter Umständen die einzigen Ansprechpartner für den Unternehmer. Vielleicht ist das Projekt aus dem einen oder anderen Grund am Ende gar nicht umsetzbar – dann entsteht dem Unternehmen kein Schaden, weil ja nichts voreilig publik wird.

Insbesondere die Unternehmernachfolge stellt einen erheblichen Einschnitt dar. Gerade emotionale Einflussfaktoren stellen einen häufigen Anlass für eine Coaching-Unterstützung dar.

Alle diese Vorgänge zeichnen sich dadurch aus, dass die Vorbereitung und Umsetzung langfristig zu betrachten ist. Hierbei sind Zeiträume von neun Monaten bis zu über einem Jahr zu veranschlagen. Allerdings ist die „Intensität“ der Beratungsleistung im Durchschnitt eher mit unter einem Tag pro Woche anzusetzen.

Laufende Entscheidungsfindung

Ansonsten macht ein Unternehmercoaching auch im laufenden Geschäft durchaus Sinn. Dabei ist zu beachten, dass es nicht in die laufende Entscheidungsfindung im Tagesgeschäft eingreifen sollte. Hierfür müsste der Coach selber Branchenexperte und intimer Kenner des Unternehmens sein. Das heißt einerseits, dass der Coach nicht der „Ersatz“ für den Unternehmer sein kann. Auf der anderen Seite fehlt diesem häufig jemand, der Rat geben könnte, ohne selber betroffen zu sein. Hier ist der Unternehmercoach natürlich im Vorteil.

Zu den Themen, die hier besonders in Betracht kommen, gehören z.B.

Typischerweise wird der Coach nicht selber Inhalte erarbeiten, Konzepte erstellen und umsetzen. Sollte dies erforderlich sein, müsste ein Beratungsprojekt initiiert werden. Da der Coach nicht gleichzeitig inhaltlich tätig und kritischer Unterstützer bei der Entscheidungsfindung sein kann, sollten beide Bereiche sauber voneinander getrennt bleiben. In den meisten Fällen empfiehlt sich sogar die Einschaltung eines anderen Beraters mit einem genau definierten Beratungsauftrag. Hierbei bleibt die Rolle des Coaches eindeutig auf Seiten des Unternehmers.

Ablauf und Ziele

Die Grundlage der Zusammenarbeit mit einem Coach ist ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis, aber keine zu enge Beziehung. Neben dem Unternehmercoaching sollte es keine weiteren Geschäftsbeziehungen geben, die zu einem Interessenkonflikt führen könnten. Auch ist eine abgeschlossene frühere Geschäftsbeziehung nicht in jedem Falle förderlich, da sich frühere Rollenverteilungen oft in die Zukunft fortsetzen, ohne dass dies den Partnern bewusst wäre. In jedem Fall sollte aber sichergestellt sein, dass der Coach seine Aufgabe neutral und unvorbelastet wahrnehmen kann. Der Fokus der Empfehlungen muss ausschließlich auf den Vorteil des Unternehmens bzw. die Ziele des Unternehmers ausgerichtet sein.

Ein Unternehmercoach sollte selber Erfahrungen als Unternehmer mitbringen. Theoretisches Wissen ist zwar oft hilfreich, ersetzt aber auf keinen Fall die Erfahrungen aus der Führung eines Unternehmens. Ob eigene Erfahrungen in der Branche helfen, ist offen und hängt stark vom jeweiligen Einzelfall ab. Oft ist eine nicht zu tief gehende Branchenkenntnis von Vorteil, da so auch eingefahrene Denkmuster infrage gestellt und Probleme aus einer neuen Perspektive angegangen werden können.

Die Zusammenarbeit mit einem Unternehmercoach ist nur dann effizient, wenn sie unmittelbar mit dem Unternehmer erfolgt. Anders als bei klassischen Beratungsprojekten, die meistens in einer engen Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Unternehmens erfolgen, ist dies beim Coaching eher die Ausnahme. Eine Sonderform ist das Online-Coaching.

Ein weiterer Unterschied zum Beratungsprojekt liegt in der Dauer der Zusammenarbeit und in der Intensität. Coaching sollte als eine längerfristige Zusammenarbeit verstanden werden. Dafür sind meist wenige Stunden pro Woche für die gemeinsamen Gespräche anzusetzen, während das typische Beratungsprojekt in einem begrenzten Zeitraum eine höhere Anzahl von Manntagen benötigt. Der konkrete Aufwand hängt aber natürlich vom Einzelfall und der jeweiligen Marktdynamik ab. Auch kann die Intensität der Betreuung im zeitlichen Ablauf schwanken.

Eines kann und darf auch durch ein qualifiziertes Coaching nicht verändert werden: Die Entscheidung muss letztlich der Unternehmer treffen! Er ist dann auch derjenige, der für die Folge seiner Entscheidungen haftet. Allerdings kann die Prüfung und Abwägung von wichtigen Entscheidungen mit einem neutralen und qualifizierten Coach als ein Teil im Risikomanagementprozess berücksichtigt werden. Durch ein dokumentiertes und nachweisbares Vorgehen für den Entscheidungsfindungsprozess kann der Geschäftsführer zumindest absichern, dass die persönliche Haftung mit seinem Privatvermögen begrenzt bleibt. Hierfür sind aber auf jeden Fall die Festschreibung im Risikomanagementprozess und die Dokumentation der eigentlichen Entscheidungsfindung und die Abwägung der Alternativen zu dokumentieren.

Fazit: Kein Coach kann zaubern

Die Zusammenarbeit mit einem Unternehmercoach macht für Geschäftsführer und Unternehmer auch im Mittelstand Sinn. Sie kann helfen, Entscheidungen aus einer neutralen Position zu überprüfen und gegebenenfalls neue Alternativen zu berücksichtigen. Natürlich ist auch die Hinzuziehung eines Coaches keine Garantie dafür, dass nicht doch Fehlentscheidungen vorkommen, und nicht alle Probleme oder Risiken lassen sich so lösen, dass sie in Chancen für das Unternehmen umgewandelt werden können.

Vieles hängt von der Auswahl des richtigen Coaches und der offenen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Geschäftsführer ab, wenn Unternehmercoaching zum Erfolg führen soll.

Nützliche Links

Eine Sonderform des Coachings stellt das Coaching per Telefon oder online dar, das in speziellen Situation ergänzend oder alternativ zum persönlichen Coaching vor Ort genutzt werden kann.

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