Bildrechte im Internet

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Online-Fotos erscheinen als Vexierbilder

Von Sabine Wagner

Thema verpasst?

Allein bei Facebook, heißt es, laden die Nutzer täglich rund 350 Mio. Fotos hoch. Addiert man noch Google+ und den Rest der sozialen Netzwerke dazu, dann scheint es so, als sei der Umgang mit Bildern nie so lax gewesen wie heute. Das Gegenteil ist der Fall.

Zwar geben Milliarden von Usern ihre Bildrechte auf diese Weise auf, doch auf der anderen Seite werden bestehende Bildrechte oft schärfer verfolgt als je. In manchen Fällen scheinen unklare Nutzungsbedingungen geradezu Geschäftsmodell zu sein. Zwischen diesen beiden Polen erstreckt sich eine Grauzone von Pressemappen und Newsrooms, die die (z.T. eingeschränkte) Verwendung zwar ausdrücklich gestatten, dabei aber ungewollt böse Fallen stellen: Ändert sich die Online-Seite mit den Verwendungsbedingungen oder geht die Site komplett vom Netz, hat der Bildnutzer kaum eine Möglichkeit mehr, bei Bedarf nachträglich die Erlaubnis zu belegen. Er müsste im Grunde für jedes Foto eine schriftliche Bestätigung einholen und archivieren – für Blogs etwa ist diese unsichtbare Arbeit kaum sinnvoll zu stemmen.

Damit Ihr Unternehmen urheberrechtlich auf der richtigen Seite bleibt, sind die nachstehenden Spielregeln beim Verwenden von Bildmaterial zu beachten:

Sieben sichere Grundregeln

So vermeidet Ihr Unternehmen absichtslosen Bilderklau und dessen mögliches juristisches Nachspiel:

Regel 1: Urheberrecht

Die erste Grundregel lautet: Jedes Bildmaterial ist urheberrechtlich geschützt.

Das Motiv des Bildes mag noch so langweilig sein: es besteht in jedem Fall rechtlicher Schutz für den Eigentümer dieses Werks („Urheber“). Das gilt auch für Stadtpläne, die man mal schnell herunterlädt, um auf der eigenen Unternehmenswebsite die Anfahrt zum Unternehmen zu beschreiben.

Regel 2: Copyright

Das Copyright-Zeichen © ist ein sicherer Hinweis darauf, dass der Urheber des Bildmaterials nur das Anschauen des Bildes erlauben will. Alle anderen Rechte am Bildmaterial behält er sich vor, sprich: sind in der Regel gegen Abschluss eines Lizenzvertrages gegen Lizenzgebühren zu erlangen.

Regel 3: Eigene Bilder

Es besteht kein Handlungsbedarf, wenn Sie selber der Urheber des Bildes sind und z.B. Ihr Unternehmen von der anderen Straßenseite aus fotografiert haben. Regel 4 ist zu beachten. Regel 5 kann Regel 3 außer Kraft setzen.

Regel 4: Bildnisrecht

Achtung! Sofern Sie z.B. ein Bild im Gebäude anfertigen und auf diesem Bild gut sichtbar und leicht zu identifizieren Ihre Mitarbeiter oder Freunde abgebildet sind, müssen Sie von diesen Personen eine schriftliche Zustimmung eingeholt haben, bevor Sie diese Aufnahme öffentlich verwenden können. Erst dann ist eine Veröffentlichung zulässig!

Tipp: Formulieren Sie die Zustimmung so weit wie möglich, damit Sie nicht für jede neue Nutzung des Bildes die Zustimmung erneut einzuholen haben.

Regel 5: Rahmenverträge

Falls Sie in einer Branche arbeiten, in der es üblich ist, dass Ihr Unternehmen seine Rechte an den Bildern, die es im Rahmen eines Vertrages macht (z.B. eines Vertrags über die technische Leitung eines öffentlichen Konzerts), an den Vertragspartner oder einen Dritten exklusiv zu übertragen hat, greift Regel 3 nicht mehr. Auf dieses Bildmaterial müssen Sie verzichten bzw. erst gar keins anfertigen. Verletzen Sie diese Pflicht, machen Sie sich schadensersatzpflichtig, können abgemahnt werden, müssen eine Unterlassungserklärung abgeben und haben gegebenenfalls Anwaltskosten zu tragen. Zahlungsaufforderungen liegen schnell bei ca. 1000 Euro aufwärts.

Regel 6: Lizenzverträge

Wenn Sie ein fremdes Bild veröffentlichen wollen, setzt dies grundsätzlich voraus, dass zwischen Ihrem Unternehmen und dem Urheber bzw. dessen Agentur ein Lizenzvertrag besteht, der u.a. den Nutzungsumfang und die Lizenzgebühr regelt. Im Internet gibt es diverse Plattformen, die solche lizenzpflichtigen Bilder anbieten. Ein Kostenvergleich rentiert sich in jedem Fall.

Regel 7: Online-Bildportale

Portale, die kostenfreie Bilder anbieten, können interessant sein. Dabei ist aber Folgendes vorab durch genaue Lektüre der jeweiligen Rahmenbedingungen zu klären:

  • In welchem Umfang darf das Bildmaterial genutzt werden?
  • Erlaubt das Portal auch eine gewerbliche Nutzung?
  • Ist das Bildmaterial wirklich kostenlos oder ist zumindest ein Pauschalbetrag zu zahlen? Wie hoch ist dieser? Stellen Sie sicher, dass keine wiederkehrenden Zahlungen zu entrichten sind!
  • Welche Verpflichtungen hat Ihr Unternehmen? Besteht eine Pflicht zur Benennung des Urhebers an den verwendeten Bildern? Besteht die Verpflichtung, einen Link oder Hinweis auf das Portal des Urhebers bzw. dessen Agentur zu machen?
    Solche Hinweise verlangen heutzutage in der Regel auch Fotostudios, bei denen Sie z.B. ein Geschäftsführerporträt für die Unternehmenswebsite haben machen lassen. Ihr Unternehmen hat viel Geld für diese Aufnahmen gezahlt und dafür, sie öffentlich zu nutzen. Urheber an den Bildern ist und bleibt jedoch das Fotogeschäft. In den wenigsten Fällen ist es bereit, seine Rechte auf den Auftraggeber exklusiv zu übertragen.

Fazit: Dokumentieren und sauber bleiben

Wenn Sie Ihre Bildlizenzen sauber dokumentieren und diese Spielregeln beherzigen, sorgen Sie dafür, dass Ihr Unternehmen keine Abmahnung wegen widerrechtlich verwendetem Bildmaterial zugeschickt bekommt, an der noch der ganze Rattenschwanz von Rechtsfolgen hängt: strafbewährte Unterlassungserklärung, Schadensersatz in Höhe der marktüblichen Vergütung für den erfolgten Nutzungsumfang des Bildmaterials sowie Zahlung der saftigen Rechtsanwaltskosten. Am besten ist es beim Stand der Dinge ohnehin, wenn Sie die Menge der von Ihnen verwendeten Bilder – soweit das möglich ist – überschaubar halten.

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7 Kommentare:

  1. Christian schrieb am 08.03.2013, 09:07 Uhr:

    Es gibt viele Creative-Commons-Verzeichnisse. Auch Flickr bietet das an. Da sieht man gleich, welche Lizenten vorliegen und was man mit dem Material machen darf.

  2. Sima schrieb am 05.03.2013, 09:50 Uhr:

    Deswegen stelle ich nur noch Bilder von eigenen Projekten ein. An meinen Fotografiekenntnissen muss ich aber noch etwas feilen. Meine Uni-Zeit im Studiengang Design war vor der digitalen Entwicklung.

  3. Michael J. M. Lang schrieb am 28.02.2013, 15:27 Uhr:

    Leider ist man auch bei Bildmaterial, das man von preiswerten seriösen Bildportalen wie Fotolia.de erworben hat, nach dem Buchstaben des Gesetzes nicht wirklich auf der sicheren Seite, da man von den Betreibern solcher Portale in aller Regel keinen rechtssicheren Beweis des Erwerbs eines bestimmten Bildes bekommt. Lediglich die Zahlung eines Betrags (eventuell über den Umweg von Punkten oder Credits) ist nachweisbar – nicht aber, welches Bild damit erworben wurde. Geht ein solches Portal irgendwann einmal in Konkurs, kann im Nachhinein jeder Urheber eines so erworbenen Bildes abmahnen, da der Lizenznehmer in der Nachweispflicht ist – die er aber nicht erfüllen kann. Ob die Gerichte in solchen Fällen die Summe der Rahmenbedingungen (Kunde des Portals, nachweislicher Einkauf von Bildern, Urheber als Bildlieferant gelistet) als hinreichenden Nachweis gelten lassen werden, wenn es erste Fälle geben wird, ist eher unwahrscheinlich.

  4. Göllner schrieb am 28.02.2013, 14:50 Uhr:

    Mich hat das Thema so abgeschreckt, dass ich zur Zeit gar keine Bilder verwende. Das ist langfristig natürlich auch keine Lösung. Als mögliche Lösung hatte ich über einen Fotografen nachgedacht, aber auch das scheint mit diversen Fallstricken belastet zu sein, die man berücksichtigen sollte. Deswegen: Danke für den informativen Beitrag, der mich schon ein ganzes Stück weiter gebracht hat.

  5. Also, für einige Projekte versuche ich schon, die Bilder selbst zu schießen, aber bei anderen ist dies einfach nicht möglich. Dann werden halt alle Bilder gekauft, bei Fotolia.de und iStockphoto.com. Aber wo ich mir immer nicht sicher bin, ist bei den Thumbnails, die beispielsweise auf Facebook angezeigt werden: Normalerweise müssten die Bildnachweise dann auch noch einmal auf der FB-Fanpage erscheinen oder nicht? Am "liebsten" sind mir ja die Blogger, die sich alle Bilder von Google Images holen.

  6. Eine weitere und saubere Möglichkeit sind noch Public-Domain-Bilder, die unter der Lizenz „CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) Public Domain Dedication“ laufen. Christian

  7. CPU schrieb am 26.02.2013, 07:57 Uhr:

    Auch wir haben uns schon wegen einer Anfahrtsskizze eine (berechtigte) Abmahnung eingefangen. Vielen Mitarbeitern in den Unternehmen ist das Thema Urheberrecht zu wenig bewusst. Deshalb muss man gerade bei den öffentlich zugänglichen Bereichen, z.B. der Homepage, besonders wachsam sein. Bildmaterial beziehen wir kostenpflichtig aus einem seriösen Portal, bei dem die Nutzungsbedingungen auch gleich mitgeliefert werden und so eine Dokumentation erfolgen kann.

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