Fördermittel für KMU, Teil 1

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Gefördert werden will gelernt sein

Von Oliver Schonschek

Thema verpasst?

Der Förderdschungel, der sich auftut, wenn man als mittelständischer Unternehmer nach Unterstützung sucht, ist ein Dickicht. Auch wenn die Förderdatenbank verschiedene Suchmöglichkeiten bietet, sieht man sich einem Urwald von mehr als tausend Förderprogrammen von Bund, Ländern und Europäischer Union gegenüber.

Weil Einzelheiten und Antragstellung in jedem Fall eine dornige Arbeit sind, sollten Sie sich zunächst im Überflug ein Bild von der Förderlandschaft machen. Danach richten Sie Kraft und Nerven genau auf die Programme, die wirklich passen.

Betrachtet man die Zahlen einer der wichtigsten Förderorganisationen für den Mittelstand, der KfW Mittelstandsbank, so kommt einiges zusammen: Im Rekordjahr 2010 wurden durch die KfW Mittelstandsbank Kredite von insgesamt 28,5 Mrd. Euro vergeben, 2009 waren es noch 20 % weniger (23,8 Mrd. Euro), was beweist, dass das Förderangebot in all seinen Facetten durch den Mittelstand immer stärker genutzt wird.

Ob die KfW Mittelstandsbank das Richtige für Ihr Vorhaben und Unternehmen bietet und ob der besonders stark nachgefragte Unternehmerkredit für Sie ideal ist, muss der Einzelfall zeigen. Es gibt genügend Alternativen.

Serie: Fördermittel für KMU

Situation und Bedarf klären

Bevor Sie irgendeine Website ansteuern oder eine Richtlinienbroschüre studieren, müssen Sie sich darüber klar werden, wofür genau Sie Fördermittel benötigen. Das hängt u.a. davon ab, in welcher Phase sich Ihr Unternehmen befindet. So kann Unterstützung für KMU in ganz unterschiedlichen Situationen notwendig sein, zum Beispiel, wenn

  • Betriebsmittel bezahlt werden müssen,
  • das Eigenkapital gestärkt werden muss,
  • eine Investition finanziert werden soll,
  • eine Konsolidierungsphase überwunden werden muss,
  • fehlende Sicherheiten ausgeglichen werden müssen oder wenn
  • Zuschüsse für ein Projekt notwendig sind.

Dann kommt zwar immer noch eine ganze Menge an Optionen in Betracht. Aber Sie können die Suche jetzt systematisch angehen.

Förderdatenbank probieren

Neben einem – unbedingt ratsamen – Gespräch mit der zuständigen Kammer ist die Förderdatenbank des BMWi kein schlechter Einstieg. Sie bietet verschiedene Vorgehensweisen an.

Mit der Recherche kann man über eine einfache oder detaillierte Suchmaske beginnen, die gleich zu Beginn eine Auswahl verlangt, ob man Angebote des Bundes, der Länder und/oder der Europäischen Union einbeziehen will, welcher Bereich von Programmen von Interesse ist und welcher Art die Förderung sein soll. Die restliche Suchmaske ist so detailliert, wie es eben möglich ist, hat aber einen gewaltigen Nachteil: Sie setzt bereits konkrete Vorstellungen voraus.

Auch der Einstieg über das so genannte Inhaltsverzeichnis und den Förderassistenten führt zu demselben Dilemma: Im Grunde muss man die Programme bereits kennen, bevor man danach sucht. Ohne Vorwissen über die verschiedenen Arten, die unterschiedlichen Typen der Finanzierungshilfen und die Unterschiede bei den Förderorganisationen bleibt die Suche ein undurchsichtiges Unterfangen mit wenig Aussicht auf schnellen Erfolg.

Man tut daher ernsthaft gut daran, sich vorab auf eigene Faust schlau zu machen, was es gibt und was möglich ist. Hilfreiche Programme zu übersehen, wäre doch zu dumm.

Was wird gefördert?

Alle Förderprogramme lassen sich bestimmten Unternehmenssituationen oder Vorhaben zuordnen. Geht es um eine Existenzgründung, eine Messe im Ausland, um Kooperationen und Partnerschaften oder um Beratungsbedarf?

Unsere Weiße Liste der Mittelstandsförderung

  • Existenzgründung | Sie bekommen bei Gründungs­vorhaben Unterstützung durch diverse Finanzhilfen, besonders durch zinsgünstige Darlehen mit langer Laufzeit. In der Regel kann zu Beginn eine rückzahlungsfreie Zeit vereinbart werden, unter Umständen sind auch nicht rückzahlbare Zuschüsse möglich. Beste Beispiele:
  • Unternehmenswachstum | Sie bekommen als Mittelständler finanzielle Unterstützung, insbesondere in den neuen Bundesländern: durch zinsgünstige Darlehen, steuerliche Entlastung sowie nicht rückzahlbare Zuschüsse; eine Eigenbeteiligung ist in der Regel notwendig. Beste Beispiele:
  • Beratung | Sie bekommen – ob als Gründer oder etabliertes Unternehmen – Unterstützung bei der Nutzung externer Berater und Schulungen. Die Förderung geschieht durch Zuschüsse; in der Regel ist Eigenbeteiligung notwendig. Bestes Beispiel:
  • Messen und Ausstellungen | Sie bekommen Unterstützung bei der Beteiligung an Messen und Ausstellungen im Ausland (Messebeteiligung des Bundes). Bestes Beispiel:
  • Forschung, Innovation, Technologie | Die Technologieförderung des Bundes unterteilt sich in die so genannte technologieoffene Förderung, die in erster Linie Hichtech-Gründern mit Know-how, Kontakten, Zuschüssen und Beteiligungskapital hilft, und in die technologiespezifische Förderung, die konkrete FuE-Vorhaben mit nicht-rückzahlbaren Zuschüsse anschiebt. Beste Beispiele:

Wie wird gefördert?

Nicht rückzahlbare Zuschüsse sind natürlich besonders begehrt; die meisten Förderprogramme bieten jedoch zinsgünstige und langfristige Darlehen.

Zuschüsse
Sie bekommen Geld, mit dem der Zuschussgeber (in der Regel der Bund) Ihr Vorhaben anteilig finanziert. In aller Regel müssen Sie für einen solchen Segen eine besondere Förderungswürdigkeit darlegen. Beste Beispiele sind der Gründungszuschuss, Investitionen in innovative Forschungs- und Entwicklungsvorhaben und die Förderung strukturschwacher Gebiete.
Förderdarlehen
Sie bekommen Kredite zu günstigen Konditionen: mit langen Laufzeiten, niedrigen festen Zinssätzen, z.T. auch mit tilgungsfreien Zeiten. Der Antrag läuft in der Regel über die Hausbank. Bankübliche Sicherheiten sind allerdings erforderlich. Beste Beispiele sind das KfW-StartGeld für kleinere Gründungsvorhaben, der Unternehmerkredit der KfW und das ERP-Regionalförderprogramm der KfW.
Beteiligungen
Sie bekommen Beteiligungskapital als Aufstockung des Eigenkapitals, als stille Beteiligung oder als Einlage ins Stamm-/Grundkapital. Bankübliche Sicherheiten sind nicht erforderlich. Beste Beispiele sind das ERP-Beteiligungsprogramm der KfW, der High-Tech Gründerfonds und der Europäische Investitionsfonds.
Bürgschaften
Sie bekommen zum Ausgleich fehlender Sicherheiten öffentliche Bürgschaften der Bürgschaftsbanken oder – bei höheren – Beträgen Landes- oder Bundesbürgschaften. Beste Beispiele sind die Landesbürgschaften via PricewaterhouseCoopers oder die Exportkreditgarantien.

Wer fördert den Mittelstand?

Auf EU-, Bundes- und Landesebene gibt es eine Vielzahl an Organisationen, die sich im Angebot der Förderprogramme, in den Zielgruppen und Förderarten unterscheiden.

Bürgschaftsbanken
Das sind Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft für den Mittelstand, jeweils für ein bestimmtes Bundesland zuständig. Sie bekommen dort bei fehlenden Sicherheiten Ausfallbürgschaften für kurz-, mittel- und langfristige Kredite. Anteilseigner sind Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Kammern der Freien Berufe, Wirtschaftsverbände und Innungen. Zentrale Anlaufstelle und Auskunftgeber ist der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken e.V. (VDB).
Beteiligungsgesellschaften
Hier handelt es sich um mittelständische Kapitalbeteiligungsgesellschaften oder private Venture-Capital-Gesellschaften. Sie bekommen eine befristete Beteiligung am Unternehmen, wobei der Verzicht auf bankübliche Sicherheiten möglich ist. Zielgruppe sind schnell wachsende Unternehmen. Das aktuellste Beispiel ist der High-Tech Gründerfonds.
Förderbanken
Die KfW Mittelstandsbank und die Landesförderinstitute unterstützen Investitionen deutscher Unternehmen im In- und Ausland, sie bieten außerdem Finanzierungs- und Krisenberatung an.
Behörden
Offizielle Stellen bieten insbesondere Information und Beratung, teilweise aber auch spezielle Förderprogramme. Bewährte Beispiele sind das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und die Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA).
Projektträger
Solche Stellen sind außerhalb der Behörden angesiedelt, sie handeln aber im Namen und Auftrag bestimmter Ministerien. Sie übernehmen dort Information, Beratung und die Abwicklung der Förderanträge bei bestimmten Programmen. Musterbeispiele sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. – Projektträger Neue Medien in der Wirtschaft, Multimedia, die EuroNorm GmbH, das TBI Technologie-Beratungs-Institut GmbH und das VDI-Technologiezentrum Physikalische Technologien.

Fazit: Vorbereitung zahlt sich aus

Nehmen Sie sich die Zeit, sich eingangs mit den Möglichkeiten und Einrichtungen vertraut zu machen. Es lohnt sich. Klären Sie dann zuerst Ihren genauen Bedarf und sondieren Sie ein wenig die Möglichkeiten, damit Sie auf den Antrag und das Bankgespräch gut vorbereitet sind. Nutzen Sie in dieser Phase alle Recherchemöglichkeiten (auch die Förderdatenbank) und Ratgeber (z.B. von der Kammer). Absolut wichtig ist, dass Sie vor dem Förderantrag noch keine entsprechenden finanziellen Verpflichtungen eingehen. Wenn alles glatt geht, beantragen Sie die passende Unterstützung – in der Regel geht das über die Hausbank.

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