Glasfaser contra LTE

Aus MittelstandsWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lichtleiter im Boden, Funk in der Luft

Von Dr. Harald B. Karcher

Thema verpasst?

Seit Sommer 2011 hat Langerringen im Landkreis Augsburg ein flottes FTTC-Glasfasernetz. Dass das gut funktioniert, haben eigene Messungen gezeigt, die unter guten Bedingungen tatsächlich 51,17 MBit/s im Down­load aus dem Internet holten. Mittlerweile gibt es aber auch noch LTE. Wäre eine gemeindeweite Internet-Versorgung mit dem neuen Funk anno 2012 nicht schon eine echte Alternative zum teuren FTTC-Glasfaser-Kupferkabel-Ausbau? Immerhin verspricht Long Term Evolution doch ebenfalls zackige Datenraten bis 100 MBit/s im Download und 50 MBit/s im Upload.

Tatsächlich konnten wir im Sitzungssaal des Rathauses zu Langerringen im September 2012 bei spontanen Messungen schöne Nettodatenraten via LTE bis 45 MBit/s im Download und bis 15 MBit/s im Upload bei Ping-Zeiten von 35 ms auf einem schnellen LTE-Laptop der Marke Sony Vaio S13A messen. Allerdings strahlte die Antenne der Telekom aus optimaler Entfernung von ca. 400 m quasi direkt auf den Laptop im Rathaus. Im Notebook steckte zudem eine SIM-Karte mit dem teuersten LTE-Tarif von ca. 70 Euro pro Monat. Und: Die Geschwindigkeit wird nach 30 GByte Verbrauchsvolumen pro Monat stark heruntergedrosselt, und zwar auf ISDN-Niveau.

Viele teilen sich die Zelle

Die mobile Funklösung der Telekom eignet sich zwar für mobile Mitarbeiter in den bereits versorgten Gebieten, wäre aber für viele stationäre Einsätze bei Firmen und Familien schlichtweg zu teuer und vom monatlichen Verbrauchsvolumen her zu stark begrenzt. Außerdem müssen sich bei LTE alle User einer Funkzelle die insgesamt verfügbare Bandbreite teilen.

Dr. Karcher hat den Internet-Durch­satz im Rat­haus zu Langer­ringen sowohl aus der hybriden Glasfaser-Kupfer-Infra­struktur als auch aus der Mobil­funk­luft stich­proben­haft nach­ge­messen. Extrem stabile 51 MBit/s aus dem VDSL-Kabel und flotte 45 MBit/s aus der LTE-Luft hätten wir auf dem Lande nicht un­be­dingt erwartet. (Foto: Roswitha Model)

In Stoßzeiten kann es im LTE-Netz daher zu Engpässen kommen, was wir an verkaufsstarken Samstagen auch schon selber mit dem neuen Apple LTE-Smartphone namens iPhone 5 mehrmals erleben konnten, zumindest in der überfüllten Münchener Innenstadt. So schnell und so stabil wie aus der Glasfaser kommt das Internet eben aus keinem anderen Trägermedium, schon gar nicht aus einem Funkmedium. Deshalb sind ja die meisten LTE-Basisstationen auch ihrerseits selber an ein sehr schnelles Glasfasernetz angeschlossen.

LTE von Vodafone konnten wir im Rathaus zu Langerringen per September 2012 dagegen noch überhaupt nicht registrieren. Es gibt jedoch Gerüchte, dass Vodafone im Nachbarort Hiltenfingen eine Basisstation für LTE in Planung hat, die dann vermutlich bald auch größere Teilflächen von Langerringen versorgen dürfte. Allerdings ist auch bei Vodafone der bundesweit mobile 50-MBit/s-Tarif für LTE erheblich teurer als etwa der stationäre 50-MBit/s-Tarif von M-net in Langerringen.

Das Beste beider Welten

Insofern ist LTE schon aus Kostengründen keine Rundumlösung für wirklich alle interessierten Firmen und Familien vor Ort. Außerdem sprechen die schieren Leistungsreserven der Glasfaser zugunsten einer festnetzbasierten Grundversorgung. Die Gemeinde muss bei solchen Infrastrukturmaßnahmen ja an alle Bürger denken – und nicht nur an die Bestgestellten. Wer sich aber zwei Internet-Anschlüsse gleichzeitig leisten will, sprich: mobiles LTE aus der Luft und stationäres Internet aus der hybriden Glasfaser-Kupfer-Infrastruktur, der kann rund um Langerringen nun aus beiden Welten das Beste genießen.

Serie: Glasfasernetze

  • Teil 1 ernennt einen Breitbandpaten für Langerringen und arbeitet sich durch das Markterkundungs- und Auswahlverfahren.
  • Teil 2 begutachtet die fertige FTTC-Installation und misst vor Ort, welche Werte das Glasfasernetz real erreicht.
  • Für einen Extrabeitrag kam Harald B. Karcher noch einmal nach Langerringen, um zu prüfen, ob der mittlerweile verfügbare LTE-Funk eine tragfähige Alternative wäre.

Tatsächlich wurde LTE schon am 31. März 2010 beim Beschluss des Gemeinderates zum Breitbandausbau als denkbare Internet-Versorgungsalternative in der Beratung zwar diskutiert, letztendlich aber nicht in das Konzept einbezogen, da noch keine Erfahrungswerte vorlagen. Das war im März 2010 auch gar nicht möglich, denn im Frühling 2010 wurden in Deutschland ja erst einmal die LTE-Frequenzen versteigert. Damals konnte noch niemand sagen, ob und wann genau welcher LTE-Provider in welcher Ortschaft welche LTE-Geschwindigkeit mit welcher Qualität und Zuverlässigkeit zu welchem Preis einmal anbieten würde. Erst 2011 hat der LTE-Rollout von den ländlichen Gebieten her in nennenswertem Umfang begonnen. Und erst seit 2012 werden auch die ersten großen Städte nennenswert mit LTE versorgt.

Thema: Breitbandausbau
Dr. Jürgen Kaack hat eine Reihe von Projekten als Berater begleitet. Etliche aus der interessanten Region Nordrhein-Westfalen stellt er ausführlicher als Best-Practice-Beispiele vor: Arnsberg, Ennepetal, Erftstadt, Erkelenz und Wegberg sowie die Lage im gesamten Kreis Heinsberg, ferner Geilenkirchen, Haltern am See, Kaarst, Nettetal und Rheurdt. Außerdem berichtet er von der T-City Friedrichshafen, erläutert die möglichen Geschäftsmodelle im kommunalen Breitbandausbau sowie die Optionen der kommenden NGA-Rahmenregelung und setzt auseinander, wo Vectoring seine Haken hat. Nicht zuletzt skizziert er die Prinzipien einer Breitbandstrategie NRW und macht handfeste Vorschläge für eine umfassende Breitbandstrategie 2014.

Je näher am Knoten, desto schneller

Eines hat der LTE-Funk gemeinsam mit den hybriden FTTC-Glasfaser-Kupfer-Netzen: Je weiter der Internet-Verbraucher vom Verteilerknoten entfernt ist, also von der LTE-Basisstationsantenne oder vom grauen FTTC-Glasfaser-Kupfer-Umsetzerkasten, desto weniger Nettospeed kommt in der Regel auf dem Endgerät an.

Im Serverraum des Rathauses zu Langerringen hatten wir optimale Messbedingungen, im Bürogebäude der RLB Rohrleitungsbau Bischof GmbH ebenso: Diese beiden Standorte waren nämlich nur wenige hundert Meter von einem grauen KVz-Kasten entfernt: Dort kamen bei etlichen Messungen 51 MBit/s extrem stabil auf dem Mess-Laptop an.

Im Wohnzimmer von RLB-Chef Stefan Bischof zog unser Laptop Sony S13A gut 25 MBit/s im Download und 2,5 MBit/s im Upload bei 15 ms aus dem VDSL-LAN-WLAN-Router der Marke AVM Fritz!Box Fon WLAN 7570 VDSL. Der Laptop hängt über das blaue Ethernet-Kabel (rechts hinten eingesteckt) direkt an der grauen Rückseite der AVM 7570 unten im Bild. Die AVM-Box wiederum hängt über Kupfer an einem der vier grauen FTTC-KVz-Schaltkästen der Lechwerke-Tochter LEW TelNet in Langerringen. Von der geht es per Glasfaser und Laserstrahl weiter ins Internet. (Foto: © Harald Karcher)

Etwas weiter entfernt vom Verteiler liegt das private Heim des RLB-Geschäftsführers Stefan Bischof. In dessen Wohnzimmer zog unser Mess-Laptop Sony S13A gut 25 MBit/s im Download und 2,5 MBit/s im Upload bei 15 ms aus dem VDSL-LAN-WLAN-Router der Marke AVM Fritz!Box Fon WLAN 7570 VDSL. Das ist entsprechend auch kein 50-, sondern ein 25-MBit/s-FTTC-Anschluss von M-net aus München.

Der Laptop hing bei dieser Messung über ein kurzes Ethernet-Kabel direkt an der grauen Rückseite der AVM 7570. Die Fritz!Box wiederum hing über Kupfer an einem der vier grauen FTTC-KVz-Schaltkästen in Langerringen. Von dort geht es per Glasfaser und Laserstrahl weiter ins Internet.

Fazit: Am Ende steht die Hausinstallation

Die rot-graue AVM Fritz!Box Fon WLAN 7570 VDSL war der erste VDSL-fähige LAN-WLAN-Router der Berliner Firma AVM, also der Vorgänger der AVM 7390. Die 7570 hat auch eine WLAN- und eine DECT-Basis-Station samt funktionsreicher Telefonanlage eingebaut. Mit Qualität und Reichweite von DECT und WLAN sind die Bischofs allerdings nicht ganz zufrieden. Das liegt natürlich auch ein bisschen an der komfortablen Größe der Immobilie, an den dicken Wänden und an den vielen Metallelementen in der Hauskonstruktion. Eine zentralere Aufstellung der 7570 mittig im Haus könnte die hausinterne Funkabdeckung verbessern. Dann müsste man aber das Ethernet-Kabel zwischen Fritz!Box und der grauen Internet-Buchse gut in der Wand verstecken, um die Ästhetik des Hauses nicht zu beeinträchtigen.

Nützliche Links

Anzeige
Open Up Camp 2014
Dieses E-Book können Sie kostenlos haben, wenn Sie einen unserer Newsletter abonnieren ;-)

1 Kommentar:

  1. Tanja schrieb am 09.11.2012, 16:14 Uhr:

    Ich hab zu Hause über die Telekom mein Internet und ich bin auch am Überlegen, ob ich mir zusätzlich noch über Kabel BW nen Anschluss hole. Über Handy klappt es zwar auch, aber da ist es, wie im Text schon geschrieben, einfach zu teuer. Vor allem bei mir als Internet-Unternehmerin kommt es auf die Geschwindigkeit und den Preis an.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert. *

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>