Kurzumtriebsplantagen

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Holz vom Acker

Von Sabine Philipp

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Kurzumtriebsplantagen sind rasch erklärt: „Vereinfacht gesagt wird bei einer Kurzumtriebsplantage (KUP) eine Fläche nach einem festgelegten Schema mit schnell wachsenden Baumarten bepflanzt, die die Fähigkeit haben, nach dem Einschlag wieder auszutreiben“, erklärt Dr. Marie-Luise Rottmann-Meyer, Geschäftsführerin des 3N Kompetenzzentrums Niedersachsen. „Alle drei bis 20 Jahre werden sie dann vollständig beerntet.“ Zum Einsatz kommen hauptsächlich Weiden, Pappeln und Robinien sowie deren Klone. „Diese Baumarten wachsen sehr schnell und haben pro Zeit- und Flächeneinheit einen hohen Biomassezuwachs“, so Rottmann-Meyer.

Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand sind Pappeln und Weiden sehr dankbare Pflanzen, die nur geringe Ansprüche an den Standort und die Bodengüte stellen. „Allerdings sollten mindestens 300 mm Niederschlag in der Vegetationsperiode bzw. mindestens 600 mm über das Jahr verteilt fallen“, schränkt die Expertin ein. Zudem sollte der Boden Wasser gut speichern können und eine tiefe Durchwurzelung erlauben. Für die Wasserversorgung wäre ein Anschluss an das Grundwasser zwar ebenfalls geeignet, aber das Wasser sollte nicht direkt unter den Pflanzen als Staunässe stehen.

Auf die Biomasse kommt es an

Die Ausbeute an sägbarem Holz ist bei dieser Art der Bewirtschaftung natürlich nicht allzu groß. Das ist aber auch nicht beabsichtigt. Denn eines der Hauptziele beim Kurzumtrieb ist, in wenigen Jahren möglichst viel Biomasse zu produzieren. Qualitätsanforderungen sind eher zweitrangig.

Wie andere Nutzpflanzen auch werden die Plantagen in der Regel auf landwirtschaftlichen Flächen angelegt. „Durch die Verordnung (EG) 795/2004 sind Kurzumtriebsflächen seit 2005 den landwirtschaftlichen Dauerkulturen zugeordnet“, erklärt Rottmann-Meyer. Und das hat einen großen Vorteil für die Plantageneigner: „Die Verordnung (EG) 73/2009 regelt, dass ,Niederwälder im Kurzumtrieb‘ nach § 34 (2) a) eine beihilfefähige Ackerfläche sind und somit die Fläche zu Prämienzahlungen herangezogen werden kann.“

Im Gegensatz zum Wald

Aber es gibt Einschränkungen, denn aufgrund der Verordnung (EG) 1973/2004 wurde die Umtriebszeit für Kurzumtriebsplantagen auf 20 Jahre festgesetzt. „Das bedeutet“, sagt Rottmann-Meyer, „dass innerhalb dieser 20 Jahre die Plantage mindestens einmal beerntet werden muss.“ Für die Nutzungsdauer einer solchen Flächenanlage selbst gebe es keine zeitliche Beschränkung. Die Beihilfe fließe aber nur, wenn bestimmte Baumarten wie Weiden, Robinen oder Pappeln angepflanzt werden. (Eine vollständige Liste beihilfefähiger Arten finden Sie in der PDF-Broschüre „Schnellwachsende Baumarten auf landwirtschaftlichen Flächen in Niedersachsen“ von 3N.)

Wie Energiewälder heißen
Die Bewirtschaftungs­weise hat sich noch nicht auf einen Namen fest­gelegt, ob­wohl „Kurz­umtriebs­plantage“ (KUP) deutlich vor „Schnell­wuchs­plantage“ liegt. Dane­ben ist auch von „Kurz­umtriebs­holz“, „Agrar­holz“ oder „Feld­holz“ die Rede. Der in man­chen EU-Zusammen­hängen wichtige eng­lische Schlüssel­begriff heißt „short rotation“.

Auch sonst sind Schnellwuchsplantagen eher im agrarökologischen Umfeld anzusiedeln. „Der Unternehmer braucht unbedingt das Verständnis für die Landwirtschaft und ihre Belange, wenn er mit einem solchen Konzept Erfolg haben möchte“, betont die Spezialistin. Deshalb gibt es mittlerweile auch einige Dienstleister, die sich auf diese Bewirtschaftungsform spezialisiert haben; für Niedersachsen hat 3N eine entsprechende PDF-Liste mit Ansprechpartnern im Web.

Eine andere Art Landwirtschaft

Allerdings gibt es auch große Unterschiede zur regulären Landwirtschaft. So wird die Kurzumtriebsplantage einmal angelegt und anschließend in der gewählten Umtriebszeit etwa 20–25 Jahre lang beerntet. Ergo wird in all den Jahren auf dem Feld keine andere Kultur angebaut. „In der klassischen Landwirtschaft“, erläutert Rottmann-Meyer, „arbeitet man jedoch mit Fruchtfolgen und legt jedes Jahr eine andere Kultur an, die dann wieder beerntet wird.“

Unmittelbar klimafreundlich
Ein schöner Neben­effekt von Kurz­umtriebs­plantagen sind die oft posi­tiven Aus­wirkungen auf die Um­welt. Wie das Jo­hann Hein­rich von Thünen-Institut (vTI) berichtet, zeigte das euro­päische For­schungs­projekt GHG-Europe – Treib­haus­gas-Manage­ment in euro­päischen Land­nutzungs­systemen u.a., dass Pappel­plantagen 40 bis 99 % weniger klima­schädliches Lach­gas emittieren als Mais- oder Raps­felder bei ver­gleich­baren Energie­erträgen. Darüber hinaus konnte laut vTI, das das Pro­jekt ko­ordiniert, unter Weiden und Pappeln ein deut­licher Humus­aufbau über mehrere Jahre fest­gestellt werden. Diese Kohlen­stoff­festlegung (Sequestrie­rung) im Boden trage zu­sätzlich zum Klima­schutz bei.

Das nötige Umdenken ist für viele Bauern nicht für alle ganz leicht. Denn schließlich legt sich der Investor für lange Zeit auf ein Produkt fest. Dafür hat er aber eine dreifache Wertschöpfung in Aussicht.

Varianten der Wertschöpfung

Kurzumtriebsplantagen können sich auf dreierlei Art und Weise bezahlt machen:

  • durch den Verkauf von Stecklingen,
  • durch den Verkauf des Rohstoffs und
  • durch den Verkauf des veredelten Rohstoffs in Form von Wärme.

Für den Preis des Erntegutes ist nach Einschätzung von Rottmann-Meyer mittel- bis langfristig eine positive Preisentwicklung zu erwarten Allerdings müsse man jeweils genau berechnen, ob sich der Einsatz lohnt. Denn die ersten Erlöse können erst nach drei bis sieben Jahren fließen. Auch danach muss man jeweils bis zum nächsten Erntetermin warten. Ein praktisches Rechenbeispiel für je 1 ha Pappel und 1 ha Weide findet man z.B. in der bereits genannten PDF-Broschüre „Schnellwachsende Baumarten“, aber solche Kalkulationen sind nicht allgemein gültig. „Wir raten, für jeden Standort eine exakte Überprüfung unter den entsprechenden Gegebenheiten vor Ort durchzuführen“, betont Rottmann-Meyer.

Fazit: Projekthilfen für den Anbau

Auch wenn Holzfelder beim Flächenumfang im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Kulturen kaum von Bedeutung sind – die ersten Schritte sind gemacht. „Die Kultur ist auf dem Weg in die Praxis“, fasst Rottmann-Meyer zusammen.

Serie: Erneuerbare Energien

  • Teil 1 macht mit den Förder­prinzipien ver­traut. Das wich­tig­ste: Erst Mit­tel be­an­tragen, dann bauen.
  • Teil 2 widmet sich den För­der­instituten im Ein­zel­nen und lis­tet die ak­tuel­len Pro­gram­me nach Bundesland.

Und: „Unterstützung für KUP-Vorhaben werden gleich von mehreren Projekten auf Bundes- und Länderebene gewährt.“ Träger sind z.B. das Projekt ELKE („Entwicklung extensiver LandnutzungsKonzepte für die Produktion nachwachsender Rohstoffe als mögliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen“), das KUP Netzwerk, das Projekt AgroForNet, das KIT-Projekt PRO-BIOPA („Nachhaltige PROduktion von BIOmasse mit Kurzumtriebsplantagen der PAppel auf Marginalstandorten“) und CREFF („Cost Reduction and EFFiciency improvement of Short Rotation Coppice“). Kompetenzzentren wie 3N für Niedersachsen gibt es mittlerweile in allen Bundesländern. Ein guter Ansprechpartner ist auch die regionale Bioenergieberatung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe.

Nützliche Links

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