Lehrstellen-Apps

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Der richtige Touch findet Auszubildende

Von Oliver Schonschek

Thema verpasst?

Jedes dritte Unternehmen (35 %) berichtet von einer mangelnden Nachfrage nach seinen Ausbildungsangeboten; die Mehrheit der Betriebe (58 %) geht außerdem davon aus, dass sich die Schwierigkeiten auf dem Ausbildungsstellenmarkt bei der Suche nach geeigneten Jugendlichen in den nächsten Jahren weiter verschärfen werden.

Diese Ergebnisse einer repräsentativen Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Arbeitsmarkt- und Ausbildungsmarktsituation in Deutschland (BIBB-Qualifizierungspanel) zeigen deutlich: Die bisherigen Versuche, geeignete Auszubildende zu finden, reichen vielfach nicht.

Lehrstellen-Apps sind mobile Ausbildungsbörsen

Der Trend, dass Unternehmen zunehmend auf mobile Werbung setzen, um neue Kunden zu finden, spiegelt sich auch in der Suche nach Arbeitskräften wider (Stichwort: Mobile Recruiting). Laut der Studie „Mobile Recruiting 2011“, die eco (Verband der deutschen Internetwirtschaft) und DJM Consulting durchgeführt haben, messen 79 % der Befragten mobilen Online-Jobbörsen eine hohe oder eher hohe Bedeutung bei.

Gerade für die Suche nach Auszubildenden könnte sich eine mobile Suche lohnen: 51 % der unter 30-Jährigen besitzen bereits ein Smartphone. Zudem installieren die 14- bis 29-Jährigen im Schnitt 22 Smartphone-Anwendungen (Apps) auf ihrem intelligenten Handy. Darunter könnte auch eine Lehrstellen-App sein.

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E-Book am Online-Kiosk

Was Apps fürs Business leisten können, erklärt Oliver Schonschek kompakt und genau im E-Book „Geschäfte mit mobilen Apps“, das Sie on­line im Zeit­schriften­kiosk des Mittel­standsWiki bekommen.

Im mobilen Internet gibt es bereits mehrere Apps zur Präsentation freier Lehrstellen und damit für die Suche nach Auszubildenden. Auf den entsprechenden Märkten (App-Stores) findet man z.B. den Lehrstellen-Radar, den Ausbildungsfinder und AppZubi. Wie lohnend die Teilnahme an solch einer mobilen Ausbildungsbörse ist, hängt insbesondere von der Verbreitung der App und der Anzahl der damit präsentierten Lehrstellen ab.

Lehrstellen-Radar im Handwerksverbund

Handwerksbetriebe aus verschiedenen Handwerkskammern können den Lehrstellen-Radar für ihre Lehrlingssuche nutzen. Mit 5000 Installationen, 500 Lehrstellensuchen täglich und über 10.000 Lehrstellen werben die teilnehmenden Handwerkskammern. Rund 200 freie Lehrstellenangebote für 2012 seien derzeit im Kammerbezirk zu finden, so die Handwerkskammer für Ostfriesland. Die Kollegen der Region Stuttgart melden rund 1000 Lehrstellen von hundert Betrieben, die bei interessierten Android-Smartphone- und iPhone-Nutzern angezeigt werden. Betriebe können ihre freien Lehrstellen kostenlos in die Lehrstellenbörse eintragen, so die Handwerkskammer für Unterfranken. Das Angebot erscheint dann nicht nur online, sondern wird auch in den Lehrstellen-Radar aufgenommen.

Funktional kann die App Lehrstellen-Radar mit praktischen Suchfunktionen punkten (Freitext, Berufsbezeichnung, Bundesland, Umkreissuche). Interessante Angebote kann man sich als Favoriten vormerken. Und wer sein Suchprofil hinterlegt, wird automatisch informiert, wenn es passende Stellen im Angebot gibt.

Möglich ist es sogar, mit der Smartphone-Kamera auf Lehrstellensuche zu gehen: Zum jeweiligen Kamerabild zeigt die Software passende Lehrstellen in der bildlich erfassten Umgebung an. Das macht aber natürlich nur Sinn, wenn es eine hohe räumliche Dichte von Angeboten gibt. Das aber ist nicht immer der Fall.

Deshalb ist auch nicht jeder Nutzer auf Anhieb begeistert. Die Kommentare in den App-Stores reichen von „Echt super“ bis „Sehr beschränkte Auswahl“ oder gar „Schrott“. Dabei sind es nicht technische Probleme mit der App, die zu negativer Kritik führen, sondern die Erfahrung, dass in der eigenen Umgebung mitunter keine Ausbildungsbetriebe zu finden sind – ein Zustand, der sich mit der Teilnahme weiterer Handwerkskammern bessern dürfte.

Allerdings gehen leider nicht alle Handwerkskammern einen gemeinsamen Weg bei der mobilen Lehrlingssuche.

AppZubi als regionale Alternative

Die Hochschule München und die Handwerkskammer für München und Oberbayern bieten mit AppZubi eine eigene Lehrstellen-App an und werben dafür mit einem Online-Video. Diese Lehrstellen-App ist bislang nicht nur regional, sondern auch bei den unterstützten Smartphones begrenzt. So gibt es sie momentan nur für iPhone-Nutzer. Interessant ist aber z.B. der integrierte Neigungstest.

Nach Auskunft der Handwerkskammer sind derzeit 6243 Ausbildungsbetriebe (Stand: April 2012) im oberbayerischen Handwerk geführt. Die Teilnahmemöglichkeit besteht für Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer für München und Oberbayern, die ausbildungsberechtigt sind und auch ausbilden möchten. Für solche Betriebe ist dies kostenlos.

Ausbildungsfinder auch für andere Branchen

Zusätzlich zu den Lehrstellen-Apps der verschiedenen Handwerkskammern gibt es z.B. den Ausbildungsfinder von meinestadt.de; diese App gibt es für Android-Smartphones und fürs iPhone. Auch sie bietet verschiedene Such- und Filterfunktionen. Wesentlich ist der Unterschied, dass diese Variante auch für Unternehmen bereit steht, die nicht einer Handwerkskammer angehören, also z.B. Bürodienstleister oder die Gastronomie. Nach Angaben von meinestadt.de schwankt die Angebotszahl monatlich zwischen 40.000 und 45.000 Lehrstellen.

Alle Lehrstellenanzeigen, die Unternehmen bei meinestadt.de im Lehrstellenmarkt veröffentlichen, zeigt auch die App an. Unternehmen können zwischen zwei unterschiedlichen Anzeigentypen wählen: Es gibt kostenlose und bezahlte, so genannte Premium-Lehrstellenanzeigen:

  • Die kostenlosen Anzeigen können Unternehmen selbst über ein Online-Formular melden. Sie haben allerdings die Textvariante „Fließtext“ (ohne Absätze, ohne Sonderzeichen) und werden unterhalb des Premium-Bereichs angezeigt. Die Laufzeit beträgt 90 Tage; anschließend wird die Anzeige automatisch deaktiviert. Auf Wunsch können Unternehmen die Anzeige schon vor Ablauf der Laufzeit deaktivieren lassen.
  • Die Premium-Lehrstellenanzeigen können Unternehmen selbst über den Stellenmarkt-Online-Shop buchen. Sie haben eine Laufzeit ab 90 Tagen und können zu einem Festpreis ab 195 Euro (lokal plus Umgebung) geschaltet werden. Unternehmen können ihr individuelles Layout wählen oder eines der zur Auswahl stehenden Standardlayouts. Die Anzeigen erscheinen an hervorgehobener Stelle in der Ergebnisliste, zuoberst in den Ergebnissen und z.B. mit Logo des Unternehmens.

Laut Anbieter liegt die Verbreitung dieser App bei über 60.500 Installationen, also deutlich höher als bei den beiden anderen. Über die tatsächliche Nutzung kann die Installationszahl jedoch keine verlässliche Aussage machen.

Fazit: Apps für die eigenen Leute

Es ist schade, dass diese flexible und altersgemäße Kommunikationsform offenbar auf dem besten Weg ist, sich zu verzetteln. Immerhin kann die Welt der mobilen Apps auch dann hilfreich sein, wenn bereits Auszubildende gefunden sind. So können Apps den Auszubildenden bei der Prüfungsvorbereitung helfen, z.B. die AuGaLa-Pflanzen-App (für Android-Smartphones und für iPhones) mit prüfungsrelevanten Inhalten zur Pflanzenkunde für Auszubildende in Garten- und Landschaftsbau. Schließlich möchte man nicht einfach nur Auszubildende, sondern man will gute Auszubildende, die das eigene Unternehmen mit Fachwissen und Engagement voranbringen.

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