Leichtbau

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Es muss nicht immer massiv sein

Von Sabine Philipp

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Getreu dem Motto „Aus schwer mach leicht“ traten auf der Ligna 2011 gleich mehrere Unternehmen an, die sich der Leichtbauweise verschrieben hatten. Auf der Sonderpräsentation lightweight.network der Interessengemeinschaft Leichtbau (IgeL) wurden Komponenten gezeigt, die von einer schlanken Dame im Minirock vor den Augen der Besucher zu einem Möbel zusammengebaut wurden.

„Die meisten Besucher waren ganz verwundert, dass die Entwicklung schon so weit fortgeschritten ist und dass es so viele verschiedene Leichtbaumaterialien gibt“, erklärt Jan Dreschers von der Hochschule Ostwestfalen Lippe (HS-OWL). Der Diplom-Ingenieur klärte auf dem Hochschulstand u.a. über Forschung, Ausbildung und über die Möglichkeiten der Hochschule als Transferorgan für die Industrie auf.

Hackschnitzel oder Spanplatten

Dabei ist die Leichtbauweise eigentlich nichts Neues. „Sie wird schon lange in der Produktion von Innentüren eingesetzt“, so Dreschers. Als nach dem Krieg Rohstoffmangel herrschte, erlebte die Technik einen Höhepunkt auch im Möbelbau. „Zu jener Zeit hatte man zwischen Sperrholzplatten dünne Lamellen aus verschiedenen Materialien oder Stroh geleimt“, erläutert der Wissenschaftler.

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Jan Dreschers ist wissen­schaftlicher Mit­arbeiter der Hoch­schule Ost­west­falen-Lippe. Der Diplom-Ingenieur ar­beitet auf den Ge­bieten Möbel­bau, Möbel­konstruk­tion und Möbel­entwicklung und ist für die Studien­beratung auf dem Gebiet der Holz­technik verantwortlich.

Damals wie heute war es im Grunde die Not, die die Menschen zur Leichtbauweise gedrängt hat. Allerdings ist die momentane Renaissance weniger dem Holzmangel als dem Holzpreis geschuldet. „Der Rohstoff Holz ist sehr teuer geworden – auch weil er als Energieträger entdeckt wurde“, erklärt Dreschers. „Leider eignet sich das Industrieholz – banal gesagt handelt es sich hier um Abfallholz – sowohl für die Herstellung von Pellets als auch für die Produktion von Spanplatten“. Und das treibt spätestens seit dem Siegeszug der Pellet-Heizungen die Preise in die Höhe.

Hohlräume und Waben

„Über kurz oder lang müssen sich Werkstoff- und Möbelindustrie überlegen, wie sie das Holz irgendwie ersetzen können“, fährt Dreschers fort. Dabei werde u.a. versucht, ein anderes Material wie Papierwaben zwischen zwei Decklagen zu kleben. Man spricht dann von so genannten Sandwiches. Ein weiterer Ansatz besteht darin, die Spanplatten nicht so stark zu verpressen, so dass sich, vereinfacht gesagt, Luft statt Holz zwischen den Lagen befindet.

Der Holzersatz Luft hat den praktischen Zusatznutzen, dass die Möbel leichter werden. Das ist nicht nur für den Kunden bequem, der das Möbel nach Hause transportiert, sondern auch für die Vorproduzenten – sie können die Platten mit weniger Energieaufwand, Muskelkraft und mit weniger Treibstoff von A nach B bewegen.

Für belastbare Materialwerte

Ein großes Problem ist, dass es keine speziellen Richtwerte und Normen für leichte Werkstoffe gibt. Das bedeutet Mehrarbeit in jedem einzelnen Fall. Dreschers: „Aus der großen Gruppe der Leichtbauwerkstoffe, die schon auf dem Markt sind, muss erst einmal ermittelt werden, welche technischen Eigenschaften sie für die unterschiedlichen Anwendungsfälle haben müssen.“ Aktuell arbeiten die Forscher an einer Sandwichnorm; die HS-OWL leistet dabei Grundlagenforschung. In sechs Jahren – so die Hoffnung der Wissenschaftler – soll die Norm stehen.

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Leichtgewichte nicht ganz so einfach bearbeitet werden können. „Da die Platten weniger Material als normale Spanplatten besitzen, ist es z.B. schwieriger, Schrauben zu befestigen“, gibt Dreschers zu bedenken. „Es gibt allerdings schon Spezialdübel, so genannte Inserts, die eingeklebt werden“. Ebenso gibt es verschiedene Entwicklungen in der Maschinentechnik, die das Problem lösen helfen. So haben die Werkzeughersteller u.a. spezielle Schneiden für die leichten Materialien entwickelt sowie druckregulierte Greifer, die die dünnen Decks nicht beschädigen.

Die Macher der Zukunft

„In der Industrie funktioniert die Technik bereits ganz gut“, erklärt Dreschers. Damit sind der Diplom-Ingenieur und seine Kollegen jedoch nicht zufrieden. Ihr Ziel ist es, dass auch der Tischlermeister in seiner Werkstatt mit den Leichtbauplatten umgehen kann. Deshalb forschen die Wissenschaftler weiter an Lösungen und werben für Sachverstand. Unermüdlich berichten sie auf Messen und Symposien von der Vielfältigkeit der Leichtbaumaterialien, informieren über neue Lösungen und sammeln Bezugsquellen von Materialien und Beschlägen.

Und sie gehen direkt in die Berufsschulen. Dort veranstalten die Wissenschaftler Workshops und Ausbildungstage für die Lehrer, damit diese ihre Kenntnisse im Leichtbau wiederum an die Azubis weitergeben können. Denn wenn der „Tag X“ kommt, sollen die zukünftigen Fachkräfte gut vorbereitet sein und die verschiedenen Prozesse und Verfahren kennen.

Warten auf den Durchbruch

Als „Tag X“ bezeichnet Dreschers den Zeitpunkt, an dem der Rohstoff Holz so teuer sein wird, dass Leichtbauplatten attraktiver als herkömmliche Spanholzplatten werden. Dreschers und seine Kollegen versuchen jetzt schon mit Marktanalysen herauszufinden, ob und wann diese Schwelle erreicht werden wird. In die Zukunft blicken können die Forscher indes nicht, denn es spielen zu viele Faktoren mit. Die Ergebnisse werden laut Dreschers aber auf jeden Fall im Mai 2012 im Rahmen des internationalen Möbelleichtbau-Symposiums in Lemgo und anschließend auf der IgeL-Webseite präsentiert.

Von diesem Tag X hängt auch ab, ob die Hersteller in die Bearbeitungsmaschinen investieren. Denn Technik und Wissen rund um die Leichtbauplatten steht längst parat. „Aggregate gibt es für viele Markenanlagen“, so Dreschers. Aber sie müssen eben dazugekauft werden. Und das passiert erst, wenn es sich finanziell lohnt und die Produzenten wissen, dass sie die Leichtbaumöbel im großen Stil absetzen können.“

Einen Trend in Richtung Leichtbau sieht Dreschers auf jeden Fall gegeben: „Wir forschen seit 2005 auf dem Gebiet des Leichtbaus“, sagt er, „und können schon feststellen, dass die einzelnen Zulieferer und Anlagenbauer Schritt für Schritt nachziehen.“ Denn wenn der Tag X kommt, will jeder gerüstet sein. Dann gilt es, sich schnell umzustellen.

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