IfM Bonn
Migranten­­geführte Familien­unter­nehmen zeigen sich inno­vations­stark

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Das Institut für Mittel­stands­forschung (IfM) Bonn hat eine aus­führ­liche Unter­suchung über migranten­geführte Unter­nehmen in Deutsch­land vorgelegt. Die Er­geb­nisse zeigen, dass das Klischee vom Döner-Entre­peneur nur ein Klischee ist. Vielmehr sind diese Firmen häufig in Finanz­dienst­leistungen, Ver­sicherungen, ITK und anderen wissens­intensiven Wirt­schafts­bereichen tätig – und dabei enorm innovativ.

Migrantengeführte Familienunternehmen haben in den letzten drei Jahren mit einem Anteil von knapp zwei Dritteln häufiger Innovationen eingeführt als nicht-migrantengeführte Familienunternehmen. Zwar beschäftigen sie häufiger Mitarbeiter mit Zuwanderungsgeschichte (und erfüllen damit eine wichtige Integrationsfunktion), aber die Mehrheit hat ihre Unternehmensstrategie nicht auf die ethnische Zugehörigkeit aufgebaut. Laut IfM-Befragung sieht lediglich gut ein Fünftel aller migrantengeführten Familienunternehmen die Herkunftsregion der Unternehmerfamilie(n) als bedeutsam für die eigene Geschäftstätigkeit an. Und wenn, dann dient sie eher als Absatzmarkt, denn als Herkunftsland der eigenen Produkte und Dienstleistungen. Dass sie lediglich „in ökonomisch randständigen Bereichen mit niedrigen Markteintrittshürden, niedrigem Qualifikationsniveau und hohem Konkurrenzdruck“ aktiv seien, ist der Studie zufolge jedenfalls ein reines Vorurteil:

„Im Gegenteil: Migrantengeführte Familienunternehmen weisen nicht nur eine ähnliche Branchenstruktur wie andere Familienunternehmen auf, sie sind auch mindestens genauso aktiv in den wissensintensiven Bereichen wie z.B. Finanzdienstleistungen und Versicherungen oder IuK-Technologie.“

Als weitere stark besetzte Tätigkeitsfelder nennt die Studie Freie Berufe mit spezifischem Fachwissen sowie das Handwerk. An Politik und Wirtschaftsverbände richten die Autoren die Empfehlung, sich „von einem zeitgemäßen und durchaus positiven Bild migrantischen Unternehmertums leiten [zu] lassen“. Die Studie „Familienunternehmen von Migranten“ von Teita Bijedić, Rosemarie Kay, Susanne Schlepphorst und Olga Suprinovič ist als Nr. 261 in der Reihe IfM-Materialien erschienen. Beim IfM Bonn gibt es sie kostenfrei als PDF zum Herunterladen.