Cloud Computing, Teil 2

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Systeme über Webgrenzen hinweg koppeln

Von Sabine Philipp

In der Praxis gibt es bei Cloud Computing ein Problem, vor dem Kunden häufiger stehen. Viele Unternehmen möchten nämlich nur einen Teil der Programme auslagern, z.B. Word, aber die etwas sensiblere Warenwirtschaft im Haus behalten.

„Wenn Sie aus der Warenwirtschaft einen Monatsbericht erzeugen wollen, ruft sie normalerweise Word auf und füllt es mit Daten. Liegt Word aber außerhalb und gaukelt nur vor, auf dem heimischen Rechner zu sein“, erläutert Fachmann Boris Hajek, „muss man der Warenwirtschaft sagen, dass sie die Daten nicht an das Word auf dem Rechner, sondern über das Internet zu Herrn Hajek schicken soll. Der trägt es von hinten ein und zeigt es wieder rückwärts an.“ Und dabei kann einiges schief gehen.

Gemischtes Rechnen

„In dem Moment, in dem ich die Systeme zwischen extern und intern aufsplitte, muss ich sie neu zusammenschalten. Und zwar über Internet-Grenzen hinweg“, so Hajek. Und das sei weder einfach, noch wirklich ausgereift. Wer er es trotzdem probieren möchte, sollte beim Anbieter genau nachhaken, wie er vorgeht.

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Schwarz auf Weiß
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Dabei gibt es verschiedene Ansätze. „Einige Rechenzentren schlagen vor, dass man den Rechner zu ihnen bringt, um diese Systemgrenze aufzuweichen“, erzählt der Praktiker. „Andere Unternehmen behaupten, dass sie auf ihrer Plattform alle Services einfach integrieren können.“ In letzterem Fall empfiehlt Hajek, einen großen Anbieter wie visionapp zu wählen. Aber selbst bei hochprofessionellen Partnern rät Hajek zum vorhergehenden Proof of Concept: „Das ist eine Demoumgebung, auf der Sie sehen können, ob und wie es läuft.“

Auf jeden Fall sollten Sie im Vorfeld dokumentieren, welche Hardwareressourcen Sie haben, welche Software darauf läuft und was intern zusammenarbeitet. Dann kann der Anbieter leichter feststellen, welche Schnittstellen es gibt und wo er über das Internet hinweg arbeiten kann.

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Boris Hajek ist In­haber der loss­tech GmbH, die er 2001 im nord­deutschen Lutz­horn grün­dete. Der Diplom-Wirt­schafts­informa­tiker hat be­sonderes Fach­wissen in Cloud Com­puting und auf den an­grenzen­den Ge­bieten Virtualisierung, Storage und Hoch­ver­füg­bar­keit. Daneben bie­tet er Schulun­gen und Be­ratung zum Thema an und be­gleitet kon­krete Projekte.


losstech GmbH, Hauptstraße 24, 25355 Lutzhorn, Tel.: 040-950656100, kontakt@losstech.de, www.losstech.de

„Die Integration von Systemen ist besonders vertrackt, weil es keinen Leitfaden gibt, der sagt ,Gehe zu Hersteller X, hol dir für 50 Euro einen Sucherserver, den brauchst du nur zu installieren und kannst danach alles‘“, gibt Hajek zu bedenken. „Man muss wirklich bei allen einzelnen Produkten, die man über Systemgrenzen hinweg zusammenschalten will, kontrollieren, ob das läuft und wie kompliziert das wird.“ Dabei gilt: Je höher der Anteil an nicht standardisierter Software, desto schwieriger wird der Prozess. Schließlich muss jede einzelne Anwendung angefasst und geprüft werden.

Genau aus diesem Grund findet Hajek so genannte private Clouds praktisch. „Da private Clouds im eigenen Rechenzentrum gehostet werden, sind Systemgrenzen für sie kein Thema.“ Im Gegensatz dazu stehen die Public Clouds, die von externen Anbietern gehostet werden.

Fertig wie für SOA

Wenn Systeme zusammengeschaltet werden sollen, fällt häufiger der Begriff Service-oriented Architecture (SOA). Mit Cloud Computing selbst hat das aber erst einmal nichts zu tun.

SOA ist ein Begriff aus der Programmierwelt und ein gedankliches Konstrukt. „Dabei soll jede Anwendung in ihre Einzelteile gekapselt werden“, erklärt Hajek das Prinzip. „Es ist ein wenig wie beim objektorientierten Programmieren, wo man angefangen hat, ein Programm in kleine Anwendungen zu teilen, die irgendwie zusammenarbeiten. Ein Schreibprogramm wird z.B. in seine Funktionen ‚Dokument aufrufen‘ und ‚Schreibservice‘ gekapselt, die einzeln aufgerufen werden können“, so Hajek weiter. „Ich schaffe mir also kleine schnuckelige Entitäten, die nur eine Sache, diese aber gut können.“ Und die werden möglichst häufig als Knotenpunkte eingesetzt.

„Es ist aber nur ein Konstrukt, eine Art, wie Anwendungen programmiert sein sollten, um optimal miteinander zu kommunizieren“, stellt Hajek klar. „Sie können SOA nicht als Produkt fertig kaufen.“ Und die Einführung einer solchen Struktur im ganzen Unternehmen ist kompliziert und teuer. Sie zahlt sich erst aus, wenn genug Komponenten existieren, die sich leicht kombinieren lassen. Als strategische Ausrichtung ist SOA für den unteren Mittelstand nicht tragbar.

Serie: Cloud Computing
Teil 1 erklärt das Prin­zip und sagt, was Sie an Aus­stattung brau­chen, da­mit es klappt. Teil 2 widmet sich dem Kom­pa­ti­bili­täts­problem der Daten­über­gabe vom Firmen­netz in die Wol­ke. Teil 3 gibt zuletzt prakti­sche Tipps, wie Sie für Ihre Be­dürf­nisse die beste Lö­sungs­variante finden.

Dennoch können auch kleine Unternehmen von SOA profitieren. Denn es gibt Anwendungen und Services, die so programmiert sind, dass sie entsprechend gute Schnittstellen haben und mit anderen Anwendungen kommunizieren können – ganz im Sinne einer SOA. Deshalb rät Hajek auch zu einer großen Bestandsaufnahme des eigenen Servers. Denn nicht selten wird man positiv überrascht, weil die Programmierer der Firmensoftware an die entsprechenden Schnittstellen gedacht haben.

In Teil 3 dieser Serie rät Boris Hajek deshalb zur Nagelprobe und spielt durch, wann und für wen welche Variante sinnvoll ist.

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