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(Gründer lieben Großstadtluft: Kiosk-Box ITK-Unternehmen-1-2019)
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== Gründer lieben Großstadtluft ==
 
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In Berlin werden im Schnitt fünfmal so viele Lowtech-Industrieunternehmen gegründet wie außerhalb von Metropolen. Als Begründung vermutet Studienautor Martin Gornig, „dass wir bei bestimmten Produkten die Zeit der Massenproduktion hinter uns lassen zugunsten von kleinserieller Fertigung. Und bei dieser ist es von Vorteil, sich in räumlicher Nähe der Kundschaft, am besten der zahlungskräftigen Kundschaft, anzusiedeln – also in der Stadt“.
 
In Berlin werden im Schnitt fünfmal so viele Lowtech-Industrieunternehmen gegründet wie außerhalb von Metropolen. Als Begründung vermutet Studienautor Martin Gornig, „dass wir bei bestimmten Produkten die Zeit der Massenproduktion hinter uns lassen zugunsten von kleinserieller Fertigung. Und bei dieser ist es von Vorteil, sich in räumlicher Nähe der Kundschaft, am besten der zahlungskräftigen Kundschaft, anzusiedeln – also in der Stadt“.
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Doch auch im Hightech-Bereich führen Städte bei der Anzahl der Start-ups. Hier sind es grob viermal so viele Neugründungen wie auf dem Land. Insgesamt werden von durchschnittlich 4435 Neugründungen im verarbeitenden Gewerbe rund 3550 in deutschen Großstädten gegründet. Denn auch für Hightech-Industrien wie den Maschinenbau ist die Stadt attraktiv. Für sie spielt besonders die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine große Rolle. Besonders Berlin und München sind für industrielle Gründerinnen und Gründer attraktive Städte. Dabei weist München einen von Haus aus hohen Industrieanteil auf. In Berlin ist dieser eher unterdurchschnittlich. Die Nähe zu bestehender Industrie ist also nicht entscheidend, auch wenn Konzerne wie [https://new.siemens.com/global/en/company/stories/research-technologies/open-innovation/innovations-partnering-with-startups.html Siemens] oder [https://www.miele.de/de/m/miele-beteiligt-sich-mit-venture-capital-an-jungen-technologiefirmen-4022.htm Miele] Start-ups gezielt fördern, weil sie sich von ihnen Innovationsimpulse für neue, eigene Produkte erhoffen. Entsprechend viele öffentlich und von der Privatwirtschaft geförderte Gründerwettbewerbe existieren in Deutschland. 84 % der [https://www.fuer-gruender.de/fileadmin/mediapool/Publikation/Top_50_Start-ups_und_Gruenderwettbewerbe_2019.pdf Top 50 Start-ups] agieren im B2B-Umfeld, ermittelt das Portal [https://www.fuer-gruender.de/ Für Gründer].
 
Doch auch im Hightech-Bereich führen Städte bei der Anzahl der Start-ups. Hier sind es grob viermal so viele Neugründungen wie auf dem Land. Insgesamt werden von durchschnittlich 4435 Neugründungen im verarbeitenden Gewerbe rund 3550 in deutschen Großstädten gegründet. Denn auch für Hightech-Industrien wie den Maschinenbau ist die Stadt attraktiv. Für sie spielt besonders die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine große Rolle. Besonders Berlin und München sind für industrielle Gründerinnen und Gründer attraktive Städte. Dabei weist München einen von Haus aus hohen Industrieanteil auf. In Berlin ist dieser eher unterdurchschnittlich. Die Nähe zu bestehender Industrie ist also nicht entscheidend, auch wenn Konzerne wie [https://new.siemens.com/global/en/company/stories/research-technologies/open-innovation/innovations-partnering-with-startups.html Siemens] oder [https://www.miele.de/de/m/miele-beteiligt-sich-mit-venture-capital-an-jungen-technologiefirmen-4022.htm Miele] Start-ups gezielt fördern, weil sie sich von ihnen Innovationsimpulse für neue, eigene Produkte erhoffen. Entsprechend viele öffentlich und von der Privatwirtschaft geförderte Gründerwettbewerbe existieren in Deutschland. 84 % der [https://www.fuer-gruender.de/fileadmin/mediapool/Publikation/Top_50_Start-ups_und_Gruenderwettbewerbe_2019.pdf Top 50 Start-ups] agieren im B2B-Umfeld, ermittelt das Portal [https://www.fuer-gruender.de/ Für Gründer].

Version vom 13. Juli 2019, 06:08 Uhr

Digitalisierung mit grünem Daumen

© Future Living Dialog GmbH

Von Isabelle Reiff

Mithilfe von IoT und Big Data wird die Stadt der Zukunft ein selbstlernender Organismus, der sich aus eigener Kraft ständig verbessert: Volle Abfallkörbe rufen autonom nach der Müllabfuhr. Autos und Parkplätze melden freie Kapazitäten. Straßenlaternen schalten sich nur an, wenn jemand Licht braucht. Fotovoltaik in allen Oberflächen versorgt Menschen, Wohnungen und Tools mit der nötigen Energie.

Die Zukunft ist heute

Wie realistisch sind solche Visionen – in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren? Ein Vorbild gibt es bereits: Fujisawa Sustainable Smart Town südlich von Tokio. Die komplett vernetzte Energiesparstadt ist auf dem Reißbrett entstanden, auf einem ehemaligen Firmengelände von Panasonic. Und es sind auch Panasonic-Geräte, die das ambitionierte Ziel verwirklichen helfen: Die Stadt soll für die nächsten hundert Jahre nachhaltig sein. Berlin baut das seit 2017 nach: In Adlershof entsteht das generationsübergreifende Wohnquartier Future Living Berlin. Smart-Home-Lösungen aus den Bereichen Living, Health, Mobility und Energy sollen hier prototypisch zum Einsatz kommen und mit 69 Wohneinheiten ein Modellprojekt abbilden. Bauherr ist die GSW Sigmaringen, Technologiepartner Panasonic.

MW-084 FY2016 FLB Panasonic Energiekreislauf.jpg Future Living Berlin: Im Kreislauf aus Strom und Wärme sind beide Energieformen ineinander übersetzbar, inklusive Wärmepumpen und Abwärmenutzung, Carsharing-Kfz als Speicher und PV-Anlagen auf dem gesamten Campus. (Bild: Panasonic)

Dabei sind auch deutsche Technologiekonzerne emsig dabei, das Wohnen und Leben in Städten schlauer zu machen. Für die Smart-Home-Lösung Qivicon haben sich führende Hersteller auf einen Standard geeinigt, darunter Miele, Siemens, Bosch, D-Link, Osram, Grohe oder der Jalousienbauer Schellenberg. Siemens hat schon längst eine Softwareplattform am Start, die seit 2016 in Singapur erprobt wird. Denn eine Smart City von Grund auf neu zu errichten, ist das eine. Bestehende Städte und all ihre disparaten Daten zu sammeln, zu integrieren und zu interpretieren – das ist eine Mammutaufgabe, die nur in kleinen Schritten vorankommen kann. Allein Wien scheint damit in Europa weit zu sein. Zum zehnten Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt, punktet Österreichs Metropole unter anderem beim selbst erzeugten Solarstrom (mittels Blockchain geteilt), bei der Energiegewinnung aus U-Bahn-Bremskraft, industrieller Abwärmenutzung, mit der Begrünung von Flachdächern und Fassaden, der Lebensmittelrettung, bei umweltschonenden Verkehrsmitteln, der Wärmedämmung, mit smarten Ampeln, Leihläden, digitalen Behörden und und und.

Forscher locken Industrie an

Doch auch in Deutschland tut sich einiges. So wie bei der Neuen Effizienz, einem Zusammenschluss von Hochschule, Energieversorgern, Kommunen und Unternehmen im Bergischen Städtedreieck, wo derzeit der deutschlandweit erste dynamische Stromtarif etabliert wird. Oder im Ruhrvalley, einem Unternehmens-, Forschungs- und Hochschulverband mit dem Dortmunder Institut für die Digitalisierung von Arbeits- und Lebenswelten (IDiAL). Hier entsteht unter anderem ein Kleinkraftwerk für die Verstromung von Abwärme. Netzwerke dieser Art gibt es in jeder deutschen Hochschulstadt – auch weil es dafür viele Fördermittel gibt. Was sich jetzt zeigt: Genau solche Netzwerke sorgen für ein Florieren stadtansässiger Industrie. Das ergab eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin): Die Studie belegt, dass in der Stadt angesiedelte Industrieunternehmen produktiver sind als solche in peripheren oder ländlichen Regionen. „Am deutlichsten profitieren FuE-starke Unternehmen von den Vorteilen der Agglomerationsräume, zum Beispiel vom Wissenstransfer“, so Studienautorin Heike Belitz. „Und dieser geschieht am erfolgreichsten dort, wo auch private und öffentliche Forschung stark ist“.

MW-DIW-FuE-nach-Geografie.jpg Arbeitsproduktivität und FuE-Intensität im verarbeitenden Gewerbe (2015): In städtischen Regionen sind Unternehmen im Durchschnitt forschungsintensiver und produktiver als in verstädterten und ländlichen Regionen. (Bild: DIW-Wochenbericht 47/2018)

Großstädte gewinnen als Industriestandorte ohnehin an Bedeutung. Das geht aus einer anderen Studie hervor, die das DIW Berlin mit der TU Berlin durchführte. Der Anstieg ist vor allem auf Neugründungen zurückzuführen. Tatsächlich ist die industrielle Gründungsintensität in den Metropolregionen um 40 % höher als in kleineren Städten oder auf dem Land. Das zeigt sich vor allem bei Neugründungen im Lowtech-Bereich, also in Betrieben mit niedriger Technologieintensität, in denen Konsumgüter wie Bekleidung oder Nahrungsmittel produziert werden.

Gründer lieben Großstadtluft

In Berlin werden im Schnitt fünfmal so viele Lowtech-Industrieunternehmen gegründet wie außerhalb von Metropolen. Als Begründung vermutet Studienautor Martin Gornig, „dass wir bei bestimmten Produkten die Zeit der Massenproduktion hinter uns lassen zugunsten von kleinserieller Fertigung. Und bei dieser ist es von Vorteil, sich in räumlicher Nähe der Kundschaft, am besten der zahlungskräftigen Kundschaft, anzusiedeln – also in der Stadt“.

ITK-Unternehmen 2019-01.jpg
Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Heise-Beilage „IT- und Technologie­unternehmen stellen sich vor“. Einen Über­blick mit freien Downl­oad-Links zu sämt­lichen Einzel­heften be­kommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Doch auch im Hightech-Bereich führen Städte bei der Anzahl der Start-ups. Hier sind es grob viermal so viele Neugründungen wie auf dem Land. Insgesamt werden von durchschnittlich 4435 Neugründungen im verarbeitenden Gewerbe rund 3550 in deutschen Großstädten gegründet. Denn auch für Hightech-Industrien wie den Maschinenbau ist die Stadt attraktiv. Für sie spielt besonders die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine große Rolle. Besonders Berlin und München sind für industrielle Gründerinnen und Gründer attraktive Städte. Dabei weist München einen von Haus aus hohen Industrieanteil auf. In Berlin ist dieser eher unterdurchschnittlich. Die Nähe zu bestehender Industrie ist also nicht entscheidend, auch wenn Konzerne wie Siemens oder Miele Start-ups gezielt fördern, weil sie sich von ihnen Innovationsimpulse für neue, eigene Produkte erhoffen. Entsprechend viele öffentlich und von der Privatwirtschaft geförderte Gründerwettbewerbe existieren in Deutschland. 84 % der Top 50 Start-ups agieren im B2B-Umfeld, ermittelt das Portal Für Gründer.

Green-IT hebt Potenziale

Genug Gründer starten mit einer „grünen Idee“. So zum Beispiel Landpack, das weltweit erste Unternehmen, das Stroh zu umweltfreundlichen Dämmstoffen verarbeiten kann. Oder prosumergy: Das Kasseler Start-up hilft Mietern, Solarstrom auf dem eigenen Dach zu erzeugen. Um Energiegewinnung aus Abwärme hingegen geht es otego: Die Karlsruher entwickeln für drahtlose Sensoren und Aktoren thermoelektrische Generatoren – als ultradünne, überall anwendbare Energy-Harvesting-Lösung.

Die Großindustrie hat auf solchen Gebieten Nachholbedarf, und so ist es kein Wunder, dass beispielsweise prosumergy vom Stromriesen E.ON unterstützt wird. Wie E.ON hat auch Miele ein Tochterunternehmen gegründet, um junge Unternehmen mit aussichtsreichen Ideen finanzkräftig zu unterstützen, z. B. das Kölner Start-up WaschMal – eine Art Lieferando für die Reinigungsbranche. Siemens setzt sogar speziell ausgebildete Technologie-Scouts ein, um Entrepreneure zu finden, die etwa an 3D-Druck oder Robotik arbeiten. Auch im Hochschulbereich tut sich viel. So ist otego eine junge Ausgründung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Bei all diesen Neuentwicklungen ist IT im Spiel, sorgt für Vernetzung, Digitalisierung und Transparenz: Im Idealfall steht bei der Internet-Suche nach Dämmstoffen ganz oben die umweltfreundlichste Lösung, und man kann, auch ohne Hausbesitzer zu sein, in jeder Mietwohnung Solarstrom vom Hausdach beziehen. Tatsächlich schaffen digitale Technologien in Summe hohe Potenziale für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Entwicklung. Aber nicht zwingend.

Smart muss nachhaltig sein

Ohne eine klare Richtungssetzung kann Digitalisierung auch alles andere als nachhaltig wirken. Man kennt es von Beratungsgesprächen, in denen standardisierte CRM-Software bestimmt, was zu tun ist – mit der Folge, dass immer wieder das falsche Personal zum Kunden fährt. Oder Smartphones, die im Müll landen, weil der defekte Akku nicht austauschbar ist. SEO-Berater sacken jede Menge Kohle für Predictive Targeting ein und befeuern damit noch den Hopp-und-weg-Konsum.

Es gibt öffentlich geförderte Untersuchungen zu diesem Thema, zum Beispiel das Forschungsprojekt Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation. Auf der Konferenz Bits & Bäume trafen sich Ende 2018 aber auch Vertreter der Hacker-Community und der Umweltbewegung. „Digitalisierung wird erst durch Nachhaltigkeit smart!“ Mit diesem Fokus kamen am 21. Mai 2019 im Berliner Harnack-Haus Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen: Das Borderstep Impact Forum 2019 zielt darauf ab, die staatliche Umsetzungsstrategie Digitalisierung auch mit der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung zu verknüpfen. Bislang werden diese beiden Aspekte nur selten integrativ betrachtet.

Unternehmen als Vorreiter

Umso wichtiger, weil Städte nicht nur immer bevölkerungsreicher werden, sondern auch das verarbeitende Gewerbe hier an Zahl zulegt. Feinstaub und andere Gesundheitsrisiken sind heute schon ein Riesenproblem. Wie wird es in zehn Jahren aussehen, wenn der SUV-Absatz weiter ansteigt und immer mehr Grünflächen mit Wohnraum versiegelt werden? Heute schon werden in Städten drei Viertel aller Energie verbraucht. Smart-City-Konzepte müssen die Herausforderungen der Urbanisierung bewältigen: mehr Menschen, mehr Verbrauch, mehr Schadstoffe, mehr Verkehr.

Industrieunternehmen wie Schneider Electric oder die Schaltbau GmbH gehen hier mit tollen Beispielen voran. Dazu zählen enorm reduzierter Ressourcenverbrauch, soziale Verantwortung und das Ziel, umweltschonende Lösungen auch an Kunden zu vermitteln. Nuventura, ein Start-up mit Sitz in Berlin, hat es sich zum Ziel gesetzt, SF6 – das stärkste bekannte Treibhausgas – aus dem Stromnetz zu eliminieren. Dazu haben die Gründer eine Schaltanlage entwickelt, die ohne Leistungseinbußen einfache Luft verwendet. Diese Technologie wäre in der Lage, Emissionen in der Größenordnung von 100 Millionen Autos zu vermeiden.

Siemens zeigt am Beispiel seiner Konzernzentrale in München, was möglich ist: Für den Bau wurden vorrangig Produkte mit hohem Recyclinganteil verwendet und außerdem viele regionale Baustoffe verarbeitet. Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt so viel Strom, dass damit fast ein Drittel des Bedarfs gedeckt werden kann. Heizkraft wird mit Erdwärme erzeugt. Die Toiletten spülen mit Regenwasser. Als erster großer Industriekonzern strebt Siemens weltweit bis zum Jahr 2030 eine neutrale CO₂-Bilanz an.

Sektorenkopplung im Kopf

Je mehr Datenverarbeitung unsere Lebens- und Arbeitsbereiche durchdringt, erst recht mit dem Datenaufkommen durch die Industrie 4.0, desto größer wird auch die Bedeutung von Green IT. Effizientes Energiemanagement in der IT betrifft nämlich lange nicht nur Kühlung und den Stromverbrauch und ist viel mehr als nur Hosting mit Ökostrom. Zu wirklich grüner IT gehören viele Maßnahmen drumherum – genau wie bei einer Smart City.

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