Digital Ecosystems

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Colocation 4.0 schlägt Funken

© maincubes one GmbH

Von Oliver Menzel, maincubes

Digitale Ökosysteme ähneln auf verblüffende Weise ihren natürlichen Vorbildern: Wie Lebensräume verbinden auch sie autonome Einheiten untereinander und ermöglichen durch den permanenten Austausch von Informationen und Leistungen die optimale Nutzung von Ressourcen und damit die besten Chancen sowie den größten Nutzen für ihre Teilnehmer. In ihren Gesamtleistungen übertreffen solche vernetzten Systeme die Summe der Einzelleistungen ihrer Mitglieder. Diese Emergenz ist ein entscheidender Entwicklungs- und Wettbewerbsvorteil. Mit den durch Kooperation und Interaktion der Anbieter und Nutzer entstehenden immer neuen Lösungen wandelt sich die digitalisierte Welt in rasantem Tempo.

Austausch auf Plattformen

Die bekannteste Ausprägung digitaler Ecosystems sind derzeit kommerzielle Internet-Plattformen wie Google oder Amazon. In vielen Bereichen operieren sie weitaus erfolgreicher als isolierte Gruppen von Anbietern. Denn dort werden nicht nur Waren und Dienstleistungen gehandelt, sondern auch Informationen ausgetauscht, wodurch neue Vernetzungen und Synergien entstehen. Solche plattformbasierten Geschäftsmodelle verstärken und skalieren sich oft wie von selbst. Angetrieben wird das Wachstum dieser Märkte durch die sich wechselseitig bedingende Attraktivität für Anbieter und Nutzer. Der Dialog mit den Usern und die Integration ihrer Erfahrungen ermöglichen es den Plattformen zudem, das Angebot ständig zu optimieren sowie die Reichweite weiter zu erhöhen. Erfolgreiche Plattformbetreiber schöpfen längst nicht nur vorhandene Märkte aus, sondern schaffen sich neue Märkte und bestimmen zunehmend deren Bedingungen.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe „Rechen­zentren und Infra­struktur“. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Technisch gesehen stellen Plattformen offene, datenbasierte und algorithmisch gesteuerte IT-Systeme dar. Dies bildet zugleich die Grundlage für die Fortentwicklung zum komplexen digitalen Ecosystem für integrierte Systemlösungen in der realen Welt und somit für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Digitale, cloudbasierte Ecosysteme werden zu Marktplätzen einer Smart Economy. Denn durch die Integration bestehender Dienste und die Nutzung von Daten der Plattformteilnehmer entstehen „smarte“ Produkte und Services. So ergeben sich neue, teilweise ungeplante Geschäftsmöglichkeiten mit disruptivem Potenzial: Schließlich ermöglichen digitale Ecosysteme eine weitaus stärkere horizontale Vernetzung als die etablierten, vertikal strukturierten Wertschöpfungsketten.

Im B2C-Bereich sind derartige Plattformlösungen bereits weit ausgeprägt. Man denke beispielsweise an Uber oder FlixBus. Mobilitätsbedarf wird punktgenau genutzt, was auch günstiger und ressourcenschonender ist – und das, ohne dass die Plattformen selbst über ein einziges Fahrzeug verfügen. Auch traditionelle Autobauer wie Mercedes und BMW haben die Entwicklung erkannt, und betreiben mittlerweile eigene Mobilitätsplattformen mit Carsharing-Diensten (car2go und DriveNow, seit Kurzem gemeinsam Share Now). So werden zum Beispiel intelligent vernetzte Mobilitätsangebote in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung möglicherweise bald der Produktion von Fahrzeugen entsprechen. Vielleicht werden sie diese irgendwann sogar übertreffen, sobald neue Fahrzeuge nicht mehr oder zumindest nur noch in deutlich geringeren Einheiten nötig sind.

Serie: Mobilität 4.0
Der Einführungsbeitrag beginnt in Berlin – die Bundeshauptstadt ist experimentierfreudiger Vorreiter neuer Mobilitätskonzepte. Gute Beispiele meldet der Report auch aus Hamburg und Dresden. Teil 2 begibt sich dann in den Westen nach Nordrhein-Westfalen; dort hat das Zukunftsnetz Mobilität NRW viele Projektfäden in der Hand. Eine wichtige Rolle spielt hier der öffentliche Personennahverkehr. Weitere regionale Berichte sind in Vorbereitung.

Doch auch das B2B-Geschäft muss auf diese Entwicklung aufspringen. Noch hinkt es in weiten Teilen hinterher. Die Kombination von Marktplatz und Ecosystem revolutioniert als Game Changer ganze Branchen und zugleich die Welt, in der wir leben. Nicht nur Geschäftsmodelle werden neu gedacht, sondern zugleich auch die Art, wie wir produzieren, konsumieren, forschen, lehren, uns fortbewegen und wohnen. Alle diese Veränderungen wirken wiederum auf die Plattformen zurück und beschleunigen deren Ausbreitung. Gleichzeitig müssen im Zusammenhang mit der Erhebung der dabei entstehenden Datenmengen auch die Eigentums- und Zugriffsbedingungen geklärt werden. Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bietet dafür einen ersten umfangreichen Rahmen.

Colocation-Datacenter als Enabler

Wohin auch immer die Entwicklung der Digitalisierung gehen wird – an einer gemeinsamen Nutzung von Ressourcen im Netzwerk werden vor allem mittelständische Unternehmen nicht vorbeikommen. Denn die kommenden Herausforderungen kann ein einzelnes Unternehmen kaum mehr allein bewältigen. Eine davon besteht in der mit der fortschreitenden Digitalisierung prognostizierten Datenflut. Das Internet of Things, eine entstehende Industrie 4.0, Secure Mobility, Smart Cities und andere komplexe Projekte rund um Smart X benötigen und produzieren in ihrer Implementierung [Gastbeitrag:Big Data für den Mittelstand|gewaltige Datenmengen und -ströme]. In Cloud-Rechenzentren müssen diese Daten in Echtzeit analysiert und die zu ihrer Verarbeitung benötigte Soft- und Middleware sowie As-a-Service-Produkte sicher, zuverlässig, kostengünstig und energieeffizient gemanagt werden. Die Herausforderungen des IoT erfordern demnach neue IT-Infrastrukturdenkansätze und -konzepte: Der Rechenzentrumsmarkt unterliegt zunehmend denselben disruptiven Einflüssen wie die Geschäftsmodelle ihrer Kunden. Für das Datacenter erwächst daraus die Anforderung, nicht länger nur als hochsicherer IT-Infrastrukturkomplex zu operieren, der mit Raum und Racks als Aufbewahrungsort für Hardware fungiert, sondern eine aktiv gestaltende Rolle im technologischen Wandel zu übernehmen.

Gelingen kann dies, wenn sich Rechenzentren untereinander und ihre Plattformteilnehmer aus allen Teilen der Welt und aus allen Branchen multidimensional miteinander vernetzen und Silos – unter Wahrung vereinbarter und gesetzlich geforderter Beschränkungen – einreißen oder besser gar nicht erst entstehen lassen. Wo früher überwiegend proprietäre Daten und Software in gemieteten Servern und Racks gehostet und verarbeitet wurden, entwickeln sich nun intelligente Enabler für neue, horizontal offene und stetig wachsende Ecosysteme, aus denen sich die Smart Economy formiert. So wird das Rechenzentrum der Zukunft zum Marktplatz der Digitalisierung.

Ecosystem aus Smart Services

Ein Beispiel für die praktische Umsetzung des neuen Paradigmas ist die Plattform secureexchange des Frankfurter Rechenzentrumsbetreibers maincubes. Dort werden nicht nur Infrastrukturkapazitäten für das Auslagern bzw. Unterbringen von Servern bereitgestellt: Abgesichert durch umfassende und intelligent gesteuerte Security-Maßnahmen ermöglichen die zwei Carrier-neutralen Datacenter in Offenbach bei Frankfurt am Main und Schiphol (Amsterdam) die direkte Vernetzung von Marktpartnern. Über secureexchange können sich die Plattformteilnehmer weltweit miteinander verbinden, um Cybersecurity-, IoT-, Connectivity- und Cloud-Services zur Erweiterung ihrer Geschäftsmöglichkeiten zu nutzen. Auf diesem digitalen Marktplatz bieten Teilnehmer nicht nur eigene Services an, sondern tauschen auch Informationen untereinander aus und integrieren neue Features in ihre Angebote. Das offene, dynamische Konzept macht die Teilnehmer füreinander sichtbar und bietet damit die Möglichkeit, den Anforderungen der IoT-Zukunft erfolgreich zu begegnen.

Im Datacenter entstehen auf diese Weise neue Services aus multidimensionalen Verbindungen von Security Services, IoT und Cloud, bei denen auch die traditionellen Grenzen von Kunde und Provider verschwinden. Für mittelständische Unternehmen bietet sich innerhalb eines sicheren Ecosystems ein flexibler und einfacher Einstieg in neue, zukunftsträchtige Felder wie Digital Factory, Secure Mobility, Smart City usw.

Serie: Smart City
Teil 1 gibt eine erste Einführung und stellt als Beispiele die Konzepte in Hamburg, Berlin und Göttingen vor. Teil 2 geht nach Bayern und berichtet, was sich in den Münchner Modellvierteln tut. Teil 3 wechselt über die Grenze nach Österreich – dort hat man nämlich bereits eine nationale Smart-City-Strategie und ist führend im Passivhausbau. Teil 4 stürzt sich dann mitten in die Metropolregion Ruhrgebiet und berichtet unter anderem von der digitalsten Stadt Deutschlands. Den deutschen Südwesten nimmt sich zuletzt Teil 5 dieser Serie vor. Ein Extrabeitrag hat außerdem Beispiele dafür zusammengetragen, was Green IT zur Smart City beitragen kann.

Doch damit es als digitaler Marktplatz funktionieren kann, muss das Datacenter der nächsten Generation noch zuverlässiger und effizienter betrieben werden als seine Vorgänger. Alle Colocation-Daten verbleiben bei maincubes deshalb innerhalb der EU und damit im Regelungsbereich der DSGVO. Eine Zertifizierung nach ISO 27001 und die Anwendung des aktuellen Industriestandards Zero Outage untermauern den hohen Qualitätsanspruch. Die Gesamtkapazität der maincubes-Rechenzentren beträgt derzeit etwa 11 MW auf einer IT-Fläche von rund 9000 m². Insgesamt 19 Carrier ermöglichen den Zugang zu den wichtigen Internet Exchanges und Cloud Connects. Ein PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von unter 1,3 lässt auf umweltschonenden und kosteneffizienten Betrieb schließen.

Mit digitaler Immunabwehr

Um schädlichen Einwirkungen und Angriffen von außen zu begegnen, haben natürliche Ökosysteme Abwehrmechanismen wie autonome, lernfähige Immunsysteme evolutionär entwickelt. Dieses Konzept scheint auch am besten geeignet, komplexe digitale Ecosysteme zu schützen. Denn im Universum der vernetzten Devices der digitalisierten Welt ist davon auszugehen, dass auch Unsicherheiten sowie potenzielle Sicherheitslücken in bislang nicht bekannter Dimension entstehen. Verteilte Architekturen und Deep Learning sind erfolgversprechende Ansätze, um derart hochkomplexe Netzwerke sicherer zu machen. Künftige IoT-Netze sollen lernen, Bedrohungen eigenständig aufzuspüren und Lücken zu schließen.

Auch hier bietet secureexchange bereits eine Lösung: eine standardisierte Security- und Verbindungsschicht, die sehr dicht über der physischen Datenübertragungsebene der digitalen Zukunft (zum Beispiel von 5G-Netzen) angelegt sein wird und in der KI-gesteuerte Services, wie digitale Helferzellen, Schädliches in Schach halten. Damit ist ein weiterer großer Schritt zur Realisierung der smarten IoT-Welt getan, in der auch der Mittelstand umfangreich partizipieren kann und so ein Teil der neu entstehenden Ecosysteme wird. Das Rechenzentrum der Zukunft kann genau das ermöglichen.

Oliver-Menzel.jpg

Oliver Menzel ist CEO bei maincubes. Der Rechenzentrumsbetreiber stellt seinen Kunden mit einem Rechenzentrum in Frankfurt, wo auch der Firmensitz ist, und einem in Amsterdam ein Netzwerk hochverfügbarer Datacenter zur Verfügung, das Colocation in Verbindung mit sicheren digitalen Ökosystemen ermöglicht. Über die digitale Plattform secureexchange können Kunden und Partner von maincubes weltweit IT-Dienstleistungen wie IoT-, (Cyber-)Security- sowie Connectivity- und Cloud-Services nutzen.


maincubes one GmbH, Bockenheimer Anlage 15, 60322 Frankfurt am Main, Tel.: 069-6976810-0, info-de@maincubes.com, www.maincubes.com

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