Hannover Messe 2019

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Ein Stück Stockholm in Hannover

Von Dirk Bongardt

Wo es Elche gibt, sind Einhörner nicht weit: Start-ups, die auf mindestens 1 Milliarde US-Dollar taxiert werden. Der schwedische Filesharing-Pionier und Unternehmer Niklas Zennström zum Beispiel war einer der führenden Köpfe, als der Internet-Telefoniedienst Skype im Sommer 2003 das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Im Jahr 2005 brachten die drei Schweden Sebastian Siemiatkowski, Niklas Adalberth und Victor Jacobsson einen Zahlungsdienst namens Kreditor auf den Weg – seit 2009 unter dem Namen Klarna weltbekannt. Die beiden Schweden Daniel Ek und Martin Lorentzon gingen 2008 mit dem Musikstreaming-Angebot Spotify an den Start … Die Reihe ließe sich fast beliebig fortsetzen. Schweden bringt Start-ups am Fließband hervor, und viele davon werden zu Welterfolgen. Das hat Tradition: Auch das Dynamit, den Herzschrittmacher oder das Kugellager verdankt die Welt den Schweden.

Gute Bedingungen für starke Newcomer

Aber nicht nur diese Leistungen stehen im Fokus, wenn Schweden sich als Partnerland auf der Hannover Messe präsentiert. „Sweden Co-Lab – Innovate with us!“ ist das Motto, unter dem sich schwedische Unternehmen Anfang April präsentieren: Schweden reist mit Leistungen rund um Smart Industry, Automatisierung, Digitalisierung, Internet of Things und künstliche Intelligenz an. Dabei stehen als Schlüsselkonzepte Co-Creation und Innovation im Mittelpunkt. Schwedens Zentralstand ist folgerichtig „Sweden Co-Lab Pavilion“ betitelt (Halle 27, Stand H30). Dieser Stand steht während der Messewoche im Mittelpunkt. Dort sollen sich Medienmitarbeiter mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden treffen.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe „IT-Unternehmen aus der Region stellen sich vor“. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen bereits verfügbaren Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Die schwedische Regierung hat als ausdrückliche Ziele ihrer Wirtschaftsstrategie definiert, die Anzahl der Exportunternehmen zu erhöhen, das Ausfuhrvolumen zu vergrößern und mehr ausländische Investoren nach Schweden zu holen. Bislang ist diese Politik erfolgreich: Schweden weist das stärkste Wirtschaftswachstum aller entwickelten Industrieländer auf, wurde 2017 von Forbes zum besten Wirtschaftsstandort überhaupt gekürt, lag Stand Dezember 2018 immer noch auf Platz 2 und genießt, wenn man den Country RepTrak Index 2018 zugrunde legt, auch den weltweit besten Ruf.

Über den Sweden Co-Lab Pavilion hinaus haben viele schwedische Unternehmen natürlich auch eigene Stände. Da ist zum Beispiel Stand D28 in Halle 8, wo sich der Mobilfunkriese Ericsson präsentiert. Das Stockholmer Unternehmen ist Weltmarktführer auf dem Gebiet der Kommunikationstechnologie und -dienstleistungen und beschäftigt weltweit über 101.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. 40 % des weltweiten Mobilfunkverkehrs werden über Netztechnik von Ericsson abgewickelt.

Auf einem ganz anderen Gebiet ist PowerCell Sweden aktiv: Der Brennstoffzellenhersteller stellt sich am Gemeinschaftsstand Hydrogen + Fuel Cells Europe vor (Halle 27, Stand C48). Aufmerken ließ PowerCell im Herbst 2018 mit der Ankündigung, man wolle gemeinsam mit der Siemens AG ein Energiesystem für Schiffe entwickeln. Hierfür liefert Siemens mit Siship BlueDrive ein integriertes Energie- und Antriebssystem, in das PowerCell seine Brennstoffzellenmodule installiert.

Partnerland Schweden in Zahlen

Schweden ist das „Industriezentrum Skandinaviens“ (GTAI). Es belegt im weltweiten Ranking der innovativsten Länder 2018 Platz 2. Wichtigster Treiber des über die Jahre hinweg relativ stabilen Wachstums ist der private Konsum. Die Exporte konnten 2017 um 7,6 % zulegen, die Zahlen für 2018 bleiben allerdings unter dieser Marke. Wichtige Güter im Außenhandel sind Maschinen und Kfz sowie Chemieerzeugnisse. Größter Abnehmer ist Deutschland (10,7 %). Der Gemeinschaftsstand Schweden ist in Halle 13: Stand B20.

  • Bevölkerung: 10 Millionen
  • Bevölkerung von Stockholm: 2,2 Millionen
  • Jünger als 20 Jahre: ca. 25 %
  • Bruttoinlandsprodukt (2017): 538 Milliarden US-Dollar
  • Export (2017): 153 Milliarden US-Dollar
  • Import (2017): 154 Milliarden US-Dollar
  • Größte Unternehmen nach Umsatz:
  • Größte Industriezweige:
    • Fahrzeugbau, Flugzeuge und Raumfahrttechnik: 15 %
    • Holz- und Papierindustrie: 14 %
    • Maschinenbau: 12 %
    • Elektro- und Elektronikindustrie: 10 %
  • Sonst noch gut zu wissen:
    • 6,5 % der Wirtschaftsleistung fließen in die Bildung.
    • Für 80 % aller Zahlungen nutzen Schweden eine Kreditkarte.
    • 1612 Stunden arbeitet ein Schwede im Durchschnitt pro Jahr.
    • 28 % der Schweden sprechen oder verstehen Deutsch.

Sechs Leitmessen unter einem Dach

2019 gliedert sich die Hannover Messe in sechs Leitmessen: Integrated Automation, Motion & Drives, Digital Factory, Integrated Energy, Industrial Supply, Research & Technology sowie ComVac. 6500 Aussteller aus all diesen Bereichen erwarten mehr als 220.000 Besucher. Neben der Präsentation an den Messeständen bietet die Messe ein umfassendes Programm an Foren, Konferenzen, Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Fachkongressen. Neu zum Programm gehört etwa die bislang auf den Februar terminierte Konferenz „Infrastruktur für Elektromobilität“. Dieses Thema gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung, entsprechend groß ist der Informationsbedarf bei Kommunen, Stadtwerken und Netzbetreibern, aber auch im Handel oder in der Industrie. Dabei drehen sich die Fragen in erster Linie um die Anforderungen an die Infrastruktur sowie um deren Ausgestaltung.

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Industrial Security Forum
Thomas Jannot, Gründer und CTO des MittelstandsWiki, wird auf der Hannover Messe 2019 wieder das Industrial Security Forum (Halle 6, Stand F03) moderieren. Mit im Gepäck hat er für die Teilnehmer der Vorträge die druckfrischen Exemplare des aktuellen Security-Sonderhefts mit Schwerpunkt kommunale ITK.

Vertreter anderer Industriezweige kommen aber ebenfalls nicht zu kurz. So umfasst allein das Konferenzprogramm 41 Veranstaltungsreihen, vom Additive Manufacturing Symposium über ein Forum tech transfer bis hin zum Asa no Kai, einem Business-Frühstück, das der Deutsch-Japanische Wirtschaftskreis ausrichtet, um Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, Kontakte zu knüpfen, Ideen auszutauschen und Input zu relevanten Wirtschaftsthemen zu erhalten.

Integrated Industry – Industrial Intelligence

Alle Leitmessen und Veranstaltungen stehen in Hannover unter einem gemeinsamen Leitthema: Künstliche Intelligenz schickt sich an, das Gesicht der industriellen Fertigung und Wertschöpfung grundlegend zu verändern. Maschinen lernen, logisch und zweckgerichtet zu handeln, KI-Systeme bauen kontinuierlich Wissen auf, nutzen Daten und Algorithmen, um Betriebszustände zu optimieren und Fehler und Störungen schon zu entdecken, bevor sie entstehen. Allein zum Thema maschinelles Lernen verspricht die Hannover Messe mehr als 100 konkrete Anwendungsbeispiele. Dazu gehören beispielsweise Roboter, die beim eigenständigen Lösen von Aufgaben neue Fertigkeiten entwickeln und diese Fertigkeiten dann an andere Maschinen weitergeben.

Zur Industrial Intelligence gehört auch die intelligente Vernetzung – und die verbindet sich derzeit mit kaum etwas so sehr wie mit dem Kürzel 5G. Entsprechend breiten Raum wird auch der kommende Mobilfunkstandard in Hannover einnehmen. Gemeinsam mit dem Netzausrüster Nokia errichten die Messeausrichter dazu eine 5G-Arena, ein Testfeld, auf dem Messebesucher erste 5G-Anwendungen im praktischen Einsatz beobachten können.

Serie: Messestandorte
Teil 1 geht gleich einmal die Schwergewichte an: Berlin und Hannover, wo IFA und Hannover Messe sich um Aussteller und Besucher bewerben. Und was wird aus der Cebit? Teil 2 blickt nach Bayern, wo die Nürnberger it-sa München ein ordentliches Stück vom IT-Kuchen weggeschnappt hat. In Augsburg könnte die Experience Additive Manufacturing etwas werden. Teil 3 setzt sich ins Auto und besucht die Messezentren Frankfurt am Main und Stuttgart. Teil 4 fährt weiter zur Westfalenhalle und sortiert die Messelandschaft in NRW. Österreich wiederum hat seinen Schwerpunkt klar in Wien, aber auch Innsbruck oder Salzburg bieten interessante Fachmessen und -kongresse.

Ein auch in Zukunft unverzichtbarer Bestandteil der „Industrial Intelligence“ bleibt bis auf Weiteres auch die menschliche Intelligenz. Die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine mag neue Formen annehmen, sie bleibt aber nach wie vor unverzichtbar. Diesem Aspekt soll sich der neue Kongress „Future of Work in Industry“ widmen, zu dem sich am 3. April 2019 rund 300 Vordenker und Entscheider treffen. Gemeinsam wollen sie über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Qualifikation und Organisation der Arbeit diskutieren. Unter den Teilnehmern werden der Philosoph und Autor Richard David Precht, Siemens-Personalchefin Janina Kugel und der „Human Cyborg“ Ralf Neuhäuser sein.

Zu guter Letzt wird auch Mobilität – zuvorderst die individuelle Mobilität per Automobil – einen bedeutenden Platz in den Messethemen einnehmen. Am Messedienstag wird das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie den 1. Lightweighting Summit abhalten. Insgesamt zeigen mehr als 150 Unternehmen auf der Hannover Messe Leichtbaulösungen. Deren Hauptabnehmer ist, wie nicht anders zu erwarten, die Automobilindustrie.

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Dirk Bongardt hat vor Beginn seiner journalistischen Laufbahn zehn Jahre Erfahrung in verschiedenen Funktionen in Vertriebsabteilungen industrieller und mittelständischer Unternehmen gesammelt. Seit 2000 arbeitet er als freier Autor. Sein thematischer Schwerpunkt liegt auf praxisnahen Informationen rund um Gegenwarts- und Zukunftstechnologien, vorwiegend in den Bereichen Mobile und IT.


Dirk Bongardt, Tel.: 05262-6400216, mail@dirk-bongardt.de, netknowhow.de

Nützliche Links

Die Hannover Messe findet jedes Jahr im April statt und dauert fünf Tage. 2019 sind es der 1.–5. April. Aktuelle Nachrichten und Videos gibt es in der Rubrik Hannover Messe.