Industrie-Apps, Teil 1

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Produktion und Wartung setzen auf mobile Lösungen

Von Heiderose Witte

Die mobilen Anwendungen für Smartphones und Tablets sind beliebt: Anfang März 2012 wurde die 25-milliardste App aus dem Apple Store heruntergeladen. Und was Privatanwender nicht mehr missen möchten, hält auch bei der Industrie Einzug. Eindrucksvoll demonstriert wurden die Einsatzmöglichkeiten der mobilen Lösungen von im Rahmen der Hannover Messe auf der Digital Factory.

Es wurden z.B. Apps für das komplette Product Lifecycle Management (PLM) präsentiert. PLM steht für die Integration aller im Produktlebenszyklus entstehenden Daten: von der Entwicklung über Lieferung und Wartung bis zur Entsorgung. Diese Produktinformationen lassen sich nun mit mobilen PLM-Clients komfortabel und überall sammeln, verwalten und weiterverarbeiten – egal ob es sich um Daten aus der Maschinenhalle des Zulieferers, von Baustellen, Anlagen beim Kunden oder aus dem Lkw des Logistikdienstleisters handelt.

Siemens Teamcenter Mobility 2.0

Siemens z.B. bietet eigenen Angaben zufolge Im iTunes App Store 33 Apps für das iPad und 29 Apps für das iPhone. Auf der Hannover Messe in der Digital Factory präsentierte Siemens nun für seine PLM-Software Teamcenter die zugehörige App Teamcenter Mobility 2.0. Per WLAN oder Breitbandmobilfunkanbindung bietet sie den sofortigen Zugriff auf alle Produktinformationen, die mittels Teamcenter verwaltet werden. Das schließe auch 3D-Produktmodelle ein.

Mit der neuen App, die zunächst für das iPad von Apple lieferbar ist, „können Hersteller leichter und zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und im richtigen Kontext auf ihre Produktdaten und Workflows zugreifen“, erklärt Siemens. So sollen sich Entscheidungen über den Lebenszyklus eines Produkts hinweg schneller und präziser treffen lassen. Anwender können mit der erweiterten Version auch eigene Dateien hinzufügen, Relationen erzeugen und aktiv Prozesse anstoßen.

Erweiterungen im Bereich Produktstruktur ermöglichen darüber hinaus die Navigation der einzelnen Stücklistenebenen und offerieren zusätzlich Verwendungsnachweise von Objekten. Außerdem unterstütze das Release Markups, mit den sich Kommentare an Dokumente und Bilder anfügen lassen, um auf bestimmte Probleme hinzuweisen oder Anweisungen weiterzugeben. Laut Anbieter können mobile Mitarbeiter, vom Manager bis hin zum Wartungspersonal, schnell und direkt vor Ort auf aktuelle Ereignisse reagieren. Das aktuelle Release ist im Apple App Store verfügbar.

Siemens Industry Online Support

Eine weitere Siemens-App für Apples iPhone und für Android-Smartphones kommt im Bereich Support zum Einsatz: Industry Online Support. Ohne dafür großartig die Werbetrommel zu rühren, habe sich die Verfügbarkeit im Herbst letzten Jahres schnell herumgesprochen. „Innerhalb von wenigen Tagen ist sie mehr als 1000-mal heruntergeladen worden und erreichte Spitzenplätze in den Download-Charts“, erklärt Siemens. Die App liefert Informationen zu Produkten direkt an der Anlage oder Maschine.

Neu in der auf der Hannover Messe 2012 vorgestellten Version: Ein Scanner erkennt das jeweilige Produkt mittels der im Smartphone eingebauten Kamera anhand des Produktcodes auf dem Siemens-Gerät. Danach öffnet sich eine neue Sicht mit allen verfügbaren Daten zum Produkt. Diese sollen sich mit wenigen Klicks an den eigenen Rechner weiterleiten lassen – gebündelt als Links in einer E-Mail. Über diese Links wiederum können die Daten dann direkt in ein Planungsprogramm eingebunden werden.

Praktisch bei schlechter Verbindung: Bereits besuchte Seiten speichert die App offline. So stehen die Informationen in jeder Situation zur Verfügung. Wer möchte, könne sich darüber hinaus die Dokumente als PDFs der eigenen Bibliothek einverleiben. Handbücher z.B. lassen sich damit auf einem E-Book-Reader auf dem Weg zur Anlage ansehen. Und: Von unterwegs aus kann der Anwender eine Serviceanfrage an den technischen Support verschicken. Dem Text kann man zusätzlich ein Foto anhängen, um die Situation anschaulich zu beschreiben. Einmal in das Request-Formular eingegebene Adressdaten stehen dann dauernd zur Verfügung.

Fistec Smart Shopfloor & Scheduling

Auch das Saarbrückener SAP-Systemhaus Fistec setzt auf Apps. Premiere auf der Hannover Messe Industrie feierte dabei die App Smart Shopfloor & Scheduling, mit der sich offline oder online in Echtzeit sämtliche Fertigungsaufträge aus SAP feinplanen lassen. Das Scheduling im Shopfloor sei dabei über Windows-Mobile-, Android- oder iOS-Smartphones sowie Tablet-PCs möglich, die über WLAN mit dem Firmennetz verbunden sind. Ein zusätzliches System zur Betriebsdatenerfassung (BDE) sei nicht notwendig. Optional lasse es sich jedoch jederzeit einbinden, ebenso wie die Maschinendatenerfassung (MDE).

„Unsere SAP-App Smart Shopfloor & Scheduling ist ein schlankes Tool für den Produktionsbereich in allen Branchen, mit dem sich anhand der Scanning-Funktion einfach und flexibel Fertigungsrückmeldungen wie Zeiten und Mengen übermitteln lassen“, sagt Karl Friedrich Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Fistec AG. „Dadurch ist ein effizientes, sicheres und kostengünstiges ERP-Handling direkt im Shopfloor möglich. Viele Fertigungsbetriebe können so ohne Entwicklungsaufwand von der Plantafel oder Excel-Liste auf eine elegante Lösung umsteigen.“

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Schwarz auf Weiß
Was Apps fürs Business leisten können, erklärt Oliver Schonschek kompakt und genau im E-Book „Geschäfte mit mobilen Apps“, das es als freies PDF im Pressezentrum des Mittel­standsWiki gibt.

Fertigungssteuerung und -feinplanung sind dabei direkt integriert in SAP ERP, wo alle Aufträge pro Arbeitsplatz hinterlegt sind. Das Manufacturing Resource Planning (MRP) gehe mit der App sogar über das reine SAP-Start- und Ende-Datum hinaus. Denn die Arbeitsabfolge ganzer Prozesse sowie die Zeiteinheiten seien frei planbar, wobei die kleinste Zeiteinheit 15 Minuten betrage. Wenn die optimierte Fertigungsreihenfolge festgelegt wurde, melde die App die exakten Termine an das SAP ERP zurück.

Zu den Investitionskosten erklärt Fistec: Fertigungsbetrieben mit installiertem SAP ERP stehe Smart Shopfloor & Scheduling ohne zusätzlichen Programmieraufwand innerhalb weniger Tage für die Feinplanung von Fertigungsaufträgen im Shopfloor zur Verfügung. Die Ausgaben hierfür belaufen sich laut Fistec auf etwa die Hälfte der Investitionskosten für die bislang gebräuchlichen Funkscanner.

TruTopsFab2.jpg Mobilen Zugang zu Produktionsdaten erlaubt die App TruTopsFab des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf (Bild: Trumpf)

Trumpf TruTops Fab

Mobilen Zugang zu Produktionsdaten ermöglicht auch der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf aus Ditzingen. Er hat eine iPad-App für seine Fertigungssteuerungssoftware TruTops Fab im Programm. „Viele unserer Maschinenkunden sind so gut ausgelastet, dass sie jede Hilfe zur Steigerung der Durchlaufzeiten gebrauchen können“, sagt Reinhold Groß, Serviceleiter bei Trumpf. „Unser System hat hier – bei einer vergleichsweise geringen Investition – mehr Potenzial als eine etwas schnellere Maschine. Insofern passt das Produkt sehr gut in die aktuelle Zeit.“ Zumal es sich nun erstmals wirklich vollständig präsentiere – als komplette Auftragsabwicklung vom ersten bis zum letzten Schritt.

Mit der App wisse der Disponent z.B. zu jeder Zeit, wo der Auftrag steht und ob auch für den nächsten Schritt Material, Maschinenkapazitäten und weitere Ressourcen vorhanden sind. Ist im Lager ein Mindestbestand erreicht, ordert TruTops Fab automatisch nach. Den Maschinen weise die Software selbstständig das auftragsbezogene NC-Programm zu. Und aus dem Auftragspool heraus generiert sie Arbeitspläne, Werkstattlaufkarten und Materialbegleitscheine.

Von noch mehr neuen Apps für industrielle Einsätze berichtet Teil 2 dieser Serie.

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