Mittelstand

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Aus Tradition erfinderisch

Von Sabine Philipp

Während Großkonzerne durch Stellenstreichungen Schlagzeilen machen, sorgen mittelständische Unternehmen für Lohn und Brot: Über 70 % aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze macht der Mittelstand. Und noch mehr: Von den exportierenden Unternehmen aus Deutschland gehören 98 % dem Mittelstand an. Außerdem ist er ungekrönter Ausbildungskönig: Über vier Fünftel aller Lehrstellen befinden sich in kleinen und mittleren Betrieben.

Was genau ist aber der Mittelstand? „Das lässt sich schwer sagen. Eine saubere Definition gibt es nicht“, sagt Prof. Dr. Frank Wallau, Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. „Der freie Journalist gehört ebenso dazu wie der Handwerksbetrieb oder das Familienunternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern.“ Das IfM erforscht die Lage, die Entwicklung und die Probleme des Mittelstandes.

Auf einen Blick

Nach Zahlen bemessen

Um die verschiedenen Unternehmen auf einen Nenner zu bringen, hat das IfM zum einen eine quantitative Definition aufgestellt, die im Prinzip alle kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit dem Mittelstand gleichsetzt. Dem Bonner Institut zufolge ergeben Einzelkämpfer und Firmen mit bis zu neun Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von bis unter 1 Mio. Euro (kleine Unternehmen) und Firmen mit bis zu 499 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz bis unter 50 Mio. Euro (mittelgroße Unternehmen) gemeinsam den Mittelstand.

Mittelstand und KMU
Nicht nur das IfM interessiert sich für den Mittelstand. Wenn es um Fördermittel oder KfW-Programme geht, gilt die EU-Definition für KMU, an der sich unter anderem auch das Statistische Bundesamt orientiert.

Nach dieser quantitativen Definition sind laut IfM 99,7 % aller Firmen in Deutschland Mittelständler. Obwohl sie nur etwa zwei Fünftel des Umsatzes generieren, sind 70 % aller Arbeitnehmer und über 82 % aller Auszubildenden bei einem kleinen oder mittleren Unternehmen beschäftigt.

Familienunternehmen ohne Limit

„Neben der quantitativen existiert eine qualitative Definition. Dabei ist die Einheit von Besitz/Haftung und Leitung maßgeblich“, erläutert Prof. Wallau. Somit zählen laut IfM auch Familienunternehmen zum Mittelstand. Das Besondere daran: Als „Familienunternehmen“ gelten eigentümergeführte Unternehmen ohne Größenbeschränkung. Die Eigentümerführung wird als gegeben angesehen, wenn bis zu zwei natürliche Personen oder ihre Familienangehörigen nicht nur mindestens 50 % der Anteile halten, sondern auch der Geschäftsführung angehören. So kommt es, dass sich auch Dr. Oetker als Mittelständler bezeichnet, obwohl Umsatz und Mitarbeiterzahl (allein in Deutschland um die 3600) die quantitative Grenze sprengen.

Von allen der beste
Bereits vor über 2300 Jahren sprach der griechische Philosoph Aristoteles, dessen Gedanken unsere Welt bis heute prägen, vom Mittelstand und seiner tragenden Rolle: Ein Staat, in dem der Mittelstand herrsche, sei der glücklichste, beste und sittlichste. Der Grund: „Ein solcher Vermögensstand gehorcht am leichtesten der Vernunft.“

Hierzulande stellen historisch gewachsene Familienunternehmen einen Großteil des Mittelstands – laut IfM-Erhebungen 95,1 % aller Firmen in Deutschland. Sie halten traditionell wichtiges Know-how und Patente, machen allein 41,5 % des Umsatzes aus und beschäftigen mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen. „Eine genaue Erfassung ist aber schwierig, da Sie diese drei Kriterien, also die Mitarbeiterzahl, den Umsatz und die Eigentümerführung in so gut wie keiner Statistik abgebildet bekommen“, erklärt Prof. Wallau. „Aber egal, welche Definition Sie heranziehen. Der Mittelstand ist eindeutig das Rückgrat Deutschlands.“

Fazit: Weit mehr als die Mitte

Die Aufregerdebatten um Heuschrecken und Konzernskandale verstellen den Blick auf diejenigen, die Deutschland in der Welt groß gemacht haben und weiter groß machen. Der Mittelstand, das sind die Menschen, die anpacken, etwas schaffen und ihr Land positiv verändern. Es sind die Betriebe mit Tradition und Stolz. Es sind die Freiberufler, die Handwerker, die ortsbekannten Unternehmer, die sich mit ihrem Land, ihren Produkten und ihren Mitarbeitern identifizieren. Es sind die jährlich etwa 425.000 Existenzgründer, die durch ihren Mut und ihre Innovationskraft die Volkswirtschaft immer wieder neu beleben. Die dafür sorgen, dass „Made in Germany“ selbst im fernen China einen guten Klang hat. Kurz: Es sind die Menschen, die Deutschland zu dem machen, was es ist.

Nützliche Links

Die Mittelstandsseiten des Bundeswirtschaftsministeriums zählen zu den wichtigsten Webseiten für Unternehmer.

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