Cyberangriffe beschleunigen sich rasant: Wo Unternehmen früher 20 Tage Zeit hatten, auf eine Zero-Day-Lücke zu reagieren, schlagen KI-Bots heute binnen 30 Minuten zu. Geschäftsführer müssen ihre digitale Lieferkette deshalb genauso konsequent steuern wie die physische.

Datenschutz: Unternehmen unterschätzen ihre digitale Lieferkette
Im „heise meets …“-Podcast erklärt Ari Albertini, CEO des Münchner Software-Unternehmens FTAPI, warum Sicherheit nicht mehr beim einzelnen Mitarbeiter liegen darf und wie Unternehmen ihre sensiblen Daten systematisch absichern. FTAPI schützt nach eigenen Angaben bei über 2.000 Organisationen in Europa den Datenaustausch auf sämtlichen Kanälen.
Digitale Lieferkette: Geschäftsführer stehen vor klaren Entscheidungen
Albertini rät Geschäftsführern, zunächst den konkreten Wert ihrer Daten zu beziffern und das Schadensrisiko realistisch einzuschätzen. Aus dieser Einschätzung ergebe sich eine Kette von Entscheidungen: Selbst absichern oder auslagern? Und falls auslagern – an wen? Eigenentwicklungen seien „zu 99 Prozent keine gute Idee“. Entscheidend sei die Bereitschaft, für Service, Support und Vertrauen zu bezahlen.
Ein konkretes Rechenbeispiel verdeutlicht das Einsparpotenzial: In einem Maschinenbauunternehmen mit 200 Ingenieuren, die täglich 30 Minuten für den manuellen Austausch von CAD-Daten aufwenden, summieren sich die Kosten auf mehrere hunderttausend Euro pro Monat. Automatisierte Plattformen für den Datenaustausch sparen hier nicht nur Geld, sondern schützen gleichzeitig sensible Konstruktionsdaten.
Europas Technologiemarkt: Stärke erfordert mutige Investitionen
Beim Thema digitale Souveränität formuliert Albertini eine klare Definition: Souverän sei, wer am Verhandlungstisch aufstehen und den Anbieter wechseln könne. Europa verfüge über den größten Binnenmarkt der Welt mit 500 Millionen zahlungskräftigen Kunden sowie über erstklassige Universitäten und hervorragend ausgebildete Fachkräfte. Dennoch fehle es an Kapital und Mut, um globale Technologie-Player aufzubauen.
Auch bei der KI-Regulierung sieht Albertini Handlungsbedarf. Der EU AI Act sei ein guter erster Schritt, doch Europa müsse lernen, Gesetze schneller nachzujustieren. Andere Regionen kopierten bereits die besten europäischen Ansätze, ließen aber bremsende Elemente weg. Der vollständige Podcast liefert weitere Einblicke in die Themen Datenschutz-Automatisierung, Regulierung und die CPT-Konferenz 2027 in der Allianz Arena.