Der Bau von Rechenzentren erlebt einen großen Umbruch. Hochleistungschips für KI-Anwendungen zwingen Betreiber, von Luft- auf Flüssigkeitskühlung umzustellen und die gesamte Rack-Infrastruktur neu zu denken.

Rechenzentren: Flüssigkeitskühlung ersetzt die klassische Luftkühlung
Im „heise meets …“-Podcast schildert Thomas Schreiner vom hessischen Schaltschrankhersteller Rittal, wie sich die Anforderungen an Serverschränke derzeit grundlegend verändern. Zu den Auslösern zählen der Boom von KI-Anwendungen und der Wettlauf der Hyperscaler.
Leistungsdichte: KI-Schränke sprengen bisherige Grenzen
Ein klassischer Serverschrank verbrauchte lange 12 bis 15 Kilowatt. Aktuelle KI-Schränke erreichen laut Schreiner bereits 220 Kilowatt pro Rack. Für die kommende Chip-Generation rechnet er mit 500 Kilowatt, bis 2028 oder 2029 sogar mit einem Megawatt pro Schrank.
Diese Leistungsdichte lässt sich nicht mehr mit Luftkühlung bewältigen. Ein moderner Chip gibt rund 112 Watt pro Quadratzentimeter ab – mehr als zwölfmal so viel wie ein Bügeleisen. Flüssigkeitskühlung über Edelstahlrohre und direkte Chip-Anbindung wird damit zum Standard.
Datacenter-Bau: Hyperscaler setzen auf hohes Tempo
Weltweit fließen im Jahr 2026 rund 725 Milliarden Dollar in Rechenzentren. Hyperscaler wie Meta und Google treiben den Ausbau voran, teils über Container-Lösungen oder sogar in Zeltbauten, etwa bei einem Meta-Projekt in Iowa. In Deutschland dauert ein klassischer Datacenter-Bau drei bis fünf Jahre.
Der wirtschaftliche Druck ist enorm: Ein Datacenter mit 100 Megawatt Leistung kann laut Schreiner täglich vier bis fünf Millionen Dollar Profit erwirtschaften. Wer die teuren Chips nicht zeitnah einsetzt, verliert Umsatz – und die Investition steht leer herum.
Modulare Systeme: Building Blocks beschleunigen Projekte
Rittal setzt auf modulare Bausteine für Kühlung und Stromverteilung. Schränke tragen inzwischen bis zu 4,7 Tonnen Last – das Gewicht eines mittelschweren Elefanten. Die Abwärme lässt sich zudem zur Speisung von Wärmepumpen und anderen Prozessen nutzen, geht also nicht verloren.
Trotz Diskussionen um eine mögliche KI-Blase rechnet Schreiner mit weiterem Wachstum. Die Chip-Generationen folgen im Jahrestakt, die Infrastruktur muss mithalten. Das vollständige Gespräch mit Thomas Schreiner über die Zukunft der Rechenzentrumsinfrastruktur gibt es in der aktuellen Folge des „heise meets …“-Podcasts.