Breitband im Mittelstand

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Moderne Prozesse erfordern starke Anschlüsse

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Für internationale Konzerne ist eine weltweite Arbeitsteilung mit Partnern rund um den Globus längst Wirklichkeit. Ein globales Breitbandnetz ist dabei ein wichtiges Steuerungsmedium zum Austausch von Ergebnissen und zur Sicherstellung einer verzahnten Zusammenarbeit. Auf diese Weise können hohe Datenmengen sicher und schnell weitergeleitet werden.

Die technische Basis für diese Dienste sind digitale Netze auf der Basis des IP-Standards. Aus Gründen der Sicherheit vor Abhören und zur Realisierung eigener Dienste werden Leitungen von anderen Netzbetreibern zu einem privaten Netz (Virtual Private Network) aufgebaut.

Wettbewerbsfähigkeit

Warum ist aber die Nutzung von Breitbandapplikationen ein Wettbewerbsvorteil? Mit den älteren schmalbandigen Technologien auf der Basis von ISDN mit 64 kBit/s oder gar mittels Faxkommunikation funktionierte das Geschäft doch auch. Ist Breitband ab 1 MBit/s nicht nur für bunte und flimmernde Darstellungen auf der Homepage oder zum Herunterladen von Musik und Filmen erforderlich?

Breitband-Anschlüsse1.PNG Breitbandanschlüsse wachsen in Deutschland immer noch mit fast 50 % p.a.

Der Download von Musik und Filmen aus dem WWW hat im Privatbereich die Verbreitung und das nach wie vor schnelle Wachstum der Breitbandanschlüsse beflügelt. Außer für die Medienunternehmen hat dies aber nichts mit einer kommerziellen Breitbandnutzung zu tun. Vielmehr geht es um Effizienzsteigerungen im Geschäftsablauf und um Wettbewerbsvorteile. Die bunte Gestaltung der Homepage – vielleicht sogar angereichert um bewegte Bilder (Videostreamings) – als Erweiterung der bisherigen Werbeaktivitäten ist daher auch nur ein Teilaspekt der Antwort auf die Frage nach der Anwendung.

Umsatz mit Online-Inhalten.png Die Umsätze mit Online-Inhalten steigen signifikant.

Die Zahl der Transaktionen über das Internet nimmt stetig zu, der Online-Vertrieb wird immer wichtiger, und in den Webshops klingelt die Kasse. Beliebt sind natürlich Musikdownloads, CDs, Filme, Bücher und Klingeltöne, es sind aber auch Auktionen (nicht nur bei eBay), Reisebuchungen, Veranstaltungen und in zunehmendem Maße Einkäufe von Konsumgütern. Selbst Medikamente, Kleidung und Pflanzen werden über das Internet gehandelt. Die durchschnittliche tägliche Nutzungszeit wächst seit Jahren stetig mit ca. 10 bis 15 %! Kann ein Unternehmen es sich leisten, diese Potenziale auf der Kundenseite außer Acht zu lassen? Selbst als Fachhändler kann man so seinen Einzugsradius erweitern und durch höhere Absatzzahlen niedrigere Einkaufspreise aushandeln.

Transaktionen via Internet.png Über 30 % der Nutzer tätigen Transaktionen über das Internet.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Einsatzfelder für Breitbanddienste:

  • die Anbindung von unterschiedlichen eigenen Standorten oder von Geschäftspartnern (auch über Ländergrenzen hinweg),
  • die Automatisierung von Abläufen,
  • die Durchgängigkeit der Unternehmensnetze mit entsprechenden Übergängen,
  • die Sicherung und Auslagerung von wichtigen Daten,
  • das Auffinden und das Kooperieren mit entfernten Geschäftspartnern, z.B. für Entwicklung, Einkauf, Produktion, Veredelung oder Vertrieb,
  • das Einrichten von Heimarbeitsplätzen,
  • die schnelle und weltweite Informationsbeschaffung,
  • die Ansprache neuer Kundensegmente,
  • internationale Vergleiche beim Einkauf von Vorprodukten etc.

Bedarf an mobilen Applikationen.png IT-Entscheider sehen Bedarf an mobilen Applikationen.

Der Einsatz von funkgestützten Breitbandanschlüssen macht diese Anwendungen sogar portabel, so dass der Laptop auch an wechselnden Orten als Breitbandgerät eingesetzt werden kann. Dies ist nicht nur für Privatpersonen von Interesse, sondern auch für Unternehmen mit mobilen Mitarbeitern innerhalb und außerhalb des eigenen Geländes. Für Servicemitarbeiter im Außendienst besteht innerhalb des versorgten Gebietes die Möglichkeit, auf der Baustelle oder beim Kunden auf Internet-Informationen und Unternehmensserver zuzugreifen, z.B. auf Kundenakten, Konstruktionspläne, Lagerbestände, Funktionsbeschreibungen, Lieferfristen etc. Auf diese Weise entfallen unnötige Fahrten und telefonische Klärungsversuche.

Zugangstechnologien

Bei den meisten Anwendern ist der Breitbandzugang ins Internet ein Synonym für DSL, eine im wesentlichen von der Deutschen Telekom vermarktete Technik. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wird der deutsche Breitbandmarkt von DSL dominiert.

Thema: Breitbandausbau
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Dr. Jürgen Kaack hat eine Reihe von Projekten als Berater begleitet. Einige aus der Region Nordrhein-Westfalen stellt er ausführlicher als Best-Practice-Beispiele vor: Arnsberg, Ennepetal, Erftstadt, Erkelenz und Wegberg sowie die Lage im gesamten Kreis Heinsberg, ferner Geilenkirchen, Haltern am See, Kaarst, Nettetal und Rheurdt. Außerdem berichtet er von der T-City Friedrichshafen, erläutert die möglichen Geschäftsmodelle im kommunalen Breitbandausbau sowie die Optionen der NGA-Rahmenregelung und setzt auseinander, wo Vectoring seine Haken hat. Nicht zuletzt skizziert er die Prinzipien einer Breitbandstrategie NRW und macht handfeste Vorschläge für eine umfassende Breitbandstrategie. Seine gesammelten Erfahrungen sind 2016 in der Reihe MittelstandsWiki bei Books on Demand erschienen: „Schnelles Internet in Deutschland“ (Paperback, 220 Seiten, ISBN 978-3-946487-00-5, 9,99 Euro).

DSL wird im Bandbreitenbereich von 2 bis 16 MBit/s angeboten, die Deutsche Telekom bereitet die Einrichtung von ersten VDSL-Anschlüssen mit einer Bandbreite bis 50 MBit/s in Ballungsgebieten vor. Alternative Technologien wie z.B. die Nutzung des Fernsehkabelnetzes, Powerline über das Stromverteilnetz und funkgestützte Zugänge spielen bis heute kaum eine Rolle. Diese Situation ist eigentlich nicht verwunderlich, da DSL in den verschiedenen Ausprägungen (synchron oder asynchron) die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) als physischen Zugang zum Kunden nutzt und gleichzeitig ca. 97 % aller Teilnehmeranschlussleitungen der Deutschen Telekom gehören.

Neben den terrestrischen Breitbandzugängen gibt es schon seit längerem die Möglichkeit, über Funk ins Internet zu kommen. Dies ist sowohl mit Mobilfunk nach GSM-Standard (z.B. mittels GPRS) möglich, als auch nach UMTS-Standard. Diese Alternativen bieten allerdings eine deutlich niedrigere Bandbreite (unter 1 Mbit/s) als leitungsgebundene Technologien und sind im Durchschnitt erheblich teuerer. Mit dem neuen Übertragungsstandard nach HSDPA werden mobil im Download theoretisch Bandbreiten von bis zu 7 MBit/s möglich. Gerade in ländlichen Gegenden, in denen die DSL-Infrastruktur noch nicht ausgebaut ist, findet man derzeit noch deutliche Lücken im UMTS-Netzaufbau.

Der Satellit hat im Vergleich zur terrestrischen Infrastruktur den Vorteil, dass die Bandbreiten nicht standortabhängig sind und die Versorgung grundsätzlich in der gesamten Fläche gegeben ist. Allerdings bedeuten die im Verhältnis niedrige Bandbreite und die höheren Kosten für die Nutzung faktisch eine Einschränkung auf bestimmte Zielgruppen und spezielle Anwendungsbereiche.

Im Umfeld der Funksysteme gibt es einige konkurrierende Systeme für einen Breitbandzugang. Vor einigen Jahren wurde der Zugang über WLAN (Wireless Local Area Network) intensiv diskutiert und im Konkurrenzkampf der Anbieter, allen voran die Mobilfunknetzbetreiber, wurden viele Hotels, Flughäfen, Bahnhöfe, Messegelände und Innenstadtlagen mit WLAN-Hotspots ausgerüstet. Die Reichweite der WLAN-Hotspots ist allerdings mit Radien von kaum mehr als 100 m sehr gering.

Auf höhere Reichweiten bringen es die Technologien auf der Basis UMTS-TDD und WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access). Mit beiden Funktechnologien lassen sich Zellen mit Radien im Bereich von 1–5 km, theoretisch sogar bis zu 50 km, aufbauen. Es handelt sich allerdings auch um recht komplexe Funksysteme, die grundsätzlich mit den Technologien von GSM oder UMTS vergleichbar sind.

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Schwarz auf Weiß
Eine aus­führliche Dar­stellung zum Thema Daten­funk gibt Dr. Jürgen Kaack im Rat­geber „WiMAX, WLAN, UMTS – Funk als Alternative zu DSL“, den Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki bekommen.

Für geschlossene Nutzergruppen wie z.B. Polizei, Feuerwehr, Industrie- oder Versorgungsunternehmen gibt es mit Tetra einen internationalen Standard, der auch für Datenfunk geeignet ist und auf einem digitalen Funksystem basiert. Tetra-Netze sind als technologisches Nachfolgesystem für den analogen Betriebsfunk zu sehen.

Der optimale Zugang zu den Breitbanddiensten stellt der Glasfaseranschluss bis zum privaten oder gewerblichen Verbraucher dar. Hiermit können problemlos 100 MBit/s übertragen werden. Dies reicht für die heutigen und absehbaren Anwendungen einschließlich des Fernsehempfangs aus. Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis Glasfaseranschlüsse in größerem Umfang zur Verfügung stehen. Netcologne hat als einer der ersten Anbieter angekündigt, in den nächsten fünf Jahren 129.000 Häuser und Unternehmen umzurüsten.

Verfügbarkeit

Über den im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellten Breitbandatlas) lässt sich auf Postleitzahlebene feststellen, welche Zugangstechnologie derzeit verfügbar ist. In einigen Regionen wird sich ergeben, dass noch kein Breitbandzugang verfügbar ist. Dies sind u.a. solche Gebiete, in denen die Teilnehmeranschlussleitung in Lichtwellenleitertechnik (OPAL – optische Anschlussleitung) ausgeführt wurde. Dies trifft sogar noch auf eine Reihe von Städten zu (z.B. Karlsruhe, Mannheim, Teile von Berlin, Jena, Potsdam, Leipzig, Dresden u.a.), aber auch auf einzelne Stadtteile und Gewerbegebiete. Bis Ende 2006 sollten diese Regionen im Zuge einer Nachrüstung, die von der Deutschen Telekom mittlerweile aktiv vorangetrieben wird, auch in der Lage sein, den DSL-Dienst zu nutzen. Auch mithilfe von funkgestützten Lösungen können in den bislang nicht mit DSL erschlossenen Regionen schnell Alternativen geschaffen werden.

Deutschland-will.png Die „White Spots“ mit Problemen beim Breitbandzugang, hier als rote Flecken dargestellt. (Bild: Deutschland WILL!)

Wenn in der Zielregion heute noch kein Funknetz vorhanden ist, lohnt es sich, mit den verschiedenen Anbietern Kontakt aufzunehmen. Sollte man hierbei schon eine Reihe eigener Nutzer oder anderer Interessenten mitbringen, so kann es für einen der Access-Netzbetreiber durchaus interessant sein, eine neue Funkzelle aufzubauen. Je nach Anzahl der interessierten Nutzer kann man auch auf die Auslegung der Zelle Einfluss nehmen. Die Zahl der erforderlichen Interessenten hängt generell vom Aufwand beim Aufbau und laufenden Betrieb ab. Es ist durchaus möglich, eine Funkzelle schon mit ca. 500 Nutzern wirtschaftlich zu betreiben.

Kosten

Die Preise der einzelnen Anbieter schwanken natürlich je nach Strategie des Anbieters und ein Preis-Leistungsvergleich lohnt sich grundsätzlich immer. Generell gibt es keinen erkennbaren Unterschied in den Preisen für einen leitungsgebundenen oder funkgestützten Breitbandzugang. Zugänge auf der Basis von Mobilfunk oder Satellit sind in der Regel teuerer.

Spezielle Anforderungen an die Quality of Service, z.B. zur hochwertigen Sprachübertragung nach VoIP, zur Einrichtung privater Netze (Virtual Private Networks) oder zur Verfügbarkeit z.B. für Bewegtbildübertragung bei Videokonferenzen bzw. Telepresence sorgen für höhere Preise und müssen mit den Anbietern ausgehandelt werden.

Derzeit wird für die Portabilität funkgestützter Anschlüsse noch kein Zuschlag erhoben. Es ist allerdings zu erwarten, dass die Anbieter dann ein differenziertes Preissystem anbieten, wenn die Portabilität bei einer größeren Versorgungsdichte auch für den Anwender interessanter wird.

Während leitungsgebundene DSL-Modems in der Basisversion häufig subventioniert (teilweise sogar kostenlos) angeboten werden, sind die Funkmodems aufgrund der geringen Stückzahlen noch recht teuer und werden als separate Modems mit eigener Stromversorgung und Anbindung über USB oder als PCMCIA-Karten angeboten. Die Preise bewegen sich heute bei 250–500 Euro pro Gerät. Eine deutliche Preisreduktion ist erst dann zu erwarten, wenn die Modems ab 2008 in Form von Chipsets zur Verfügung stehen und von den Mobilgeräte-Hertsellern (Laptop, Palmtop, Smartphone etc.) direkt in das Gerät eingebaut werden, wie dies heute schon mit WLAN-Chipsets der Fall ist.

Vorgehen bei der Einführung

Der erste Schritt sollte generell darin bestehen, dass sich jeder Unternehmer und jede Führungskraft selber mit den Möglichkeiten der Breitbandtechnik auseinander setzt und zumindest für sich persönlich einen Breitbandzugang nutzt. Dies gibt ein erstes Gefühl für die Möglichkeiten der Technik.

E-Business via Breitband.png Im Beispiel kann mit E-Business über Breitband das Ergebnis bei 2 % Einsparungen um 10 % verbessert werden.

Breitband ist kein Selbstzweck, und vor der Entscheidung für den Einsatz im Unternehmen sollte eine auf die Applikation und den Geschäftprozess gerichtete sorgfältige Analyse stehen. Dabei sind u.a. folgende Fragen zu klären:

  • Für welche Anwendung werden schon Breitbanddienste eingesetzt?
  • Welche Geschäftsprozesse lassen sich unter Anwendung von breitbandigen Zugängen effizienter gestalten?
  • Können Standardanwendungen eingesetzt werden oder ist eine individuelle Programmierung erforderlich?
  • Welche Bandbreiten und Verfügbarkeiten werden heute und zukünftig benötigt?
  • Wie skalierbar müssen die Anschlüsse ausgelegt werden?
  • Sollen verschiedene Anwender zu einem VPN zusammen gefasst werden?
  • Gibt es Anwender, die mobil oder an häufig wechselnden Standorten Datenzugriff benötigen?
  • Welche Netze (Inhouse-Netze, externe Betreiber, WLAN-Hotspots etc.) sollen angeschlossen werden?
  • Ist eine Inhouse-Versorgung beim Einsatz von funkgestützten Diensten erforderlich und machbar; sind externe Antennen erforderlich?
  • Welcher Sicherheitsstandard ist für welche Daten erforderlich?
  • Wer darf auf Daten lesend zugreifen und darf Datenbestände ändern (Virtual Private Database)?

Für geschäftliche Anwender und Betreiber empfiehlt sich vor einer Entscheidung die Einholung neutraler Beratung bei der unabhängigen Analyse der Geschäftsprozesse und des Geschäftsmodells. Änderungen von Geschäftsprozessen und Systementscheidungen, die über den Vertrag über einen Standardbreitbandanschluss hinausgehen, haben längerfristige Konsequenzen und sollten abgesichert werden. Dabei darf insbesondere nicht an der entsprechenden Sicherheitstechnik gespart werden.

Fazit: Zugang zum globalen Wettwerb

Es gibt für kaum ein Unternehmen heute noch Gründe, Breitbanddienste nicht zu nutzen. Für nahezu jede Branche und jedes Unternehmen ergeben sich durch den Einsatz von Breitbandlösungen Wettbewerbsvorteile. Die Einsatzgebiete und die Integration in bestehende Netze und Applikationen müssen allerdings sorgfältig geplant und professionell umgesetzt werden. Dabei ist insbesondere dem Sicherheitsaspekt besondere Aufmerksamkeit zu geben.

Die Auseinandersetzung mit den Optimierungsmöglichkeiten im eigenen Geschäftsprozess kann dazu beitragen, dass sowohl das Bewusstsein für die wirtschaftliche Bedeutung von Breitbanddiensten als auch die Penetrationsrate weiter ansteigt. Dem Wirtschaftsstandort Deutschland und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nützt dies auf alle Fälle. Welche Zugangstechnologie dabei eingesetzt wird, ist eher sekundär.

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