Erfolgsbeteiligung

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Gute Geschäfte sind gut für alle

Von Dr. Hermann Vogt

Die Erfolgsbeteiligung ermöglicht in Ergänzung zum vertraglich vereinbarten Lohn bzw. Gehalt eine variable Vergütung, meist in Form einer Gewinnbeteiligung. Diese Form der Mitarbeiterbeteiligung bietet Unternehmen die Möglichkeit, flexibel auf Veränderungen des Marktes und der eigenen Beschäftigungslage zu reagieren. Auf diese Weise können sie aktuellen wirtschaftlichen Erfolg und Personalkosten optimal in Einklang bringen.

Als Berechnungsgrundlage für eine Erfolgsbeteiligung können unterschiedliche Kenngrößen des Unternehmens verwendet werden; in der Regel erfolgt die Berechnung jährlich. Meist wird nur eine Kenngröße zugrunde gelegt, manchmal werden aber auch verschiedene kombiniert. Es handelt sich aber immer um eine direkt tätigkeitsbezogene Vergütung.

Formen

Folgende drei Varianten finden sich in der Praxis:

Gewinnbeteiligung
Bilanzgewinn, Ausschüttungsgewinn
Ertragsbeteiligung
Umsatz, Nettoertrag oder Wertschöpfung
Leistungsbeteiligung
Produktionsergebnis, Produktivität, Kostenersparnis, persönliche Boni und Prämien gemäß von Zielvereinbarungen

Außerdem ist aber auch eine Erfolgsbeteiligung am Unternehmenswert in Form von Stock Options oder Phantom Stocks möglich.

Generell gilt: Je transparenter die Berechnungsform für eine Erfolgsbeteiligung gestaltet wird, umso mehr wirkt sich das Instrument einer Beteiligung auf die Motivation und Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen aus.

Berechnungsmethoden

Verteilungsschlüssel

Die Gewinnbeteiligung ermöglicht die einfachste Berechnungsmethode:

  Steuerbilanzgewinn
  minus spezielle Korrekturfaktoren (Schlüssel X)
= verteilungsfähiger Gewinn

Dieser wird aufgeteilt:

  (Schlüssel Y)
  Kapital ↔ Arbeit

Der Anteil für die Arbeitnehmer wird schließlich auf die einzelnen Mitarbeiter umgelegt:

  (Schlüssel Z)
  Gesamtsumme Anteil Arbeit ↔ Einzelanteil

Verwendung des Einzelanteils:

  (Schlüssel V)
  Anlage ↔ Ausschüttung

Mit vier Schlüsseln, die in schriftlichen Vereinbarungen (Betriebsvereinbarungen oder individuellen Vereinbarungen) festgeschrieben sind, lässt sich also eine Gewinnbeteiligung strukturieren.

Erläuterung

Schlüssel X (Korrekturfaktoren)
Darin sind alle Beträge enthalten, die steuerlich nicht abzugsfähig, aber dennoch notwendig sind (z.B. höhere Rücklagen für besondere Verwendungszwecke).
Schlüssel Y (Verhältnis Kapital zu Arbeit)
Dieser Schlüssel wird vom Unternehmer oder den Anteilseignern einseitig oder auch in Abstimmung mit den Arbeitnehmern festgelegt. Er hängt primär von der Höhe des Gewinns ab: Je höher der durchschnittliche Jahresgewinn ausfällt, desto besser kann eine durchschnittliche Kapitalrendite finanziert werden und umso größer ist dann auch Anteil für die Arbeitnehmer.
Schlüssel Z (Verhältnis von Verteilungsgewinn zu Individualanteil)
Die Aufteilung „nach Köpfen“ ist zwar sehr transparent und einfach, wird aber kaum als sinnvoll erachtet; die Aufteilung im Verhältnis von Gesamtlohnsumme zu Individuallohn drückt schon besser den Leistungsbetrag der einzelnen Mitarbeiter aus. Aber auch die Dauer der Betriebszugehörigkeit, Qualifikation oder Gruppenleistungen werden als Faktoren für die Gewinnverteilung herangezogen.
Schlüssel V (Verhältnis von Baranteil zu Investivanteil)
Dient die Erfolgsbeteiligung auch als Finanzierungsquelle für eine Kapitalbeteiligung, muss auch die Höhe des Investivanteils festgelegt sein. Diese Entscheidung kann entweder jeder Mitarbeiter individuell pro Jahr oder für einen Block von mehreren Jahren treffen oder aber es wird ein fester Prozentsatz z.B. des Ausschüttungsbetrags individuell vereinbart. Aber auch gesetzliche Bestimmungen im Rahmen der Vermögensbildung können Einfluss auf den Investivanteil haben.

Funktion und Nutzen

Der größte Vorteil einer Erfolgsbeteiligung liegt in der Flexibilität; sie funktioniert ohne tarifvertragliche Begrenzungen. Zusätzlich dient sie auch als Leistungsanreiz für die Mitarbeiter, da ein direkter Zusammenhang zwischen dem Erfolg des Unternehmens und der eigenen Tätigkeit besteht: Hier wirkt sich der Zusammenhang zwischen individueller Arbeitsleistung und Betriebsergebnis besonders stark aus.

Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) erschließt sich mit einer Erfolgsbeteiligung eine Finanzierungsquelle, die teure Bankkredite vermeiden kann.

Allerdings kann eine Gewinnbeteiligung für leistungsschwache Unternehmen zum zweischneidigen Schwert werden: Gibt es längere Zeit keine Gewinne zu verteilen, wird das Ganze für qualifizierte Mitarbeiter weniger attraktiv. Anderseits kann eine Gewinnbeteiligung stärker dazu motivieren, Gewinne zu erwirtschaften.

Fazit: Vergütung nach Auftragslage

Da eine Erfolgsbeteiligung im Unternehmen nach individuellen Bedürfnissen frei vereinbart werden kann und größere Flexibilität bei den konjunkturellen oder internen Schwankungen der Auftragslage ermöglicht, bringt sie große Wettbewerbsvorteile. Insofern ist ein Beteiligungssystem eines der wirkungsvollsten Instrumente zur Stärkung der Innovationsfähigkeit.

Nützliche Links

Der Verein Zukunft unserer Arbeit e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft e.V. (AGP) präsentieren das Internet-Portal www.mitarbeiterbeteiligung.info. Dort werden Best-Practice-Unternehmen vorgestellt; außerdem sind zu den verschiedensten Bereichen der Mitarbeiterbeteiligung Materialien zum Download und wichtige Weblinks zu finden. Neu ist das Internet-Portal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung speziell für den Mittelstand.