Intersolar Europe 2012, Teil 1

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Die Branche stellt sich harten Zeiten

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Von Heiderose Witte

Internationale Vernetzung plus innovative Produkte markieren den Weg aus der Krise in der Photovoltaikbranche. Eindrucksvoll präsentiert – und ausgezeichnet – wurden Innovationen auf der internationalen Fachmesse Intersolar Europe, die Mitte Juni in München stattfand. Die Veranstaltung bot auch Raum für Expertengespräche. Die Spezialisten diskutierten u.a. darüber, wie sich deutsche Hersteller darauf vorbereiten können, wenn sie ihre privilegierte Stellung verlieren.

„Die Solarbranche befindet sich im steigenden globalen Wettbewerb und sollte auf dem weltweiten Markt stärker zusammenarbeiten“, so das Fazit einer Studie, die vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) auf der Intersolar präsentiert wurde. Der Wettbewerb im Solarmarkt sei intensiver als je. So habe sich die weltweite Kapazität laut Renewables 2012 Global Status Report von 9,5 GW (2007) auf 40 GW (2010) vervierfacht. Die Ausgaben für erneuerbare Energien sollen sich zudem bis 2030 noch verdoppeln. Durch die bis dahin voraussichtlich zu investierende Summe von sieben Billionen US$ wird der Wettbewerb laut „Bloomberg Global Renewable Energy Market Outlook“ noch weiter angefacht.

Die Zukunft braucht Erfinder und Netzwerke

Deutschland sei ein globaler Vorreiter der Technologieentwicklung für die Photovoltaik und „untermauert diese Rolle durch 44 % Marktanteil weltweit. Einer der Haupttreiber des Wachstums der deutschen Solarbranche war der festgelegte Strompreis. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie Regierungen die Branche unterstützen können“, sagte Marko Delimar, den Direktor des IEEE und Professor für Elektrotechnik und Computing an der Universität Zagreb. Der Experte weist jedoch auch auf einen gegenteiligen Effekt hin:

„Die Photovoltaik-Ausrüster sind keine Marktteilnehmer auf Augenhöhe. Daher müssen sie sich auf den Wettbewerb vorbereiten, der ihnen bevorsteht, sobald sie ihre privilegierte Stellung verlieren.“

Dies könne schneller als erwartet passieren, da Länder wie Spanien oder Griechenland die Unterstützung der Solarenergie durch die Regierung bereits reduziert oder sogar gestoppt hätten. Deshalb die Empfehlung:

„Während die Herstellung und der Vertrieb der Technologien auf lokaler Ebene konzentriert sind, muss eine weltweite Zusammenarbeit entstehen, um effektiv auf eine nachhaltige Energieversorgung hinzuarbeiten.“

Solarthermie auf der Intersolar Europe 2012.JPG Die Intersolar Europe präsentiert die neuesten Entwicklungen der Solarthermie. (Bild: Solar Promotion GmbH)

Intersolar Awards 2012

Stärkere internationale Vernetzung spiegelte sich auch bei der Preisverleihung des Intersolar Awards auf der weltweit größten Fachmesse der Solarwirtschaft in München wieder. Denn zum ersten Mal waren auch die Aussteller der Intersolar China eingeladen, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen – neben den Ausstellern der Intersolar Europe, der Intersolar North America und der Intersolar India.

Intersolar Award 2012.jpg Die Jury wählte jeweils bis zu drei Gewinner in den Bereichen Photovoltaik, Solarthermie und Solare Projekte. (Bild: Thorsten Jochim/Solar Promotion GmbH)

Der internationale Preis der Solarwirtschaft würdigt Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen aus den Bereichen Photovoltaik und Solarthermie sowie der Kategorie PV-Produktionstechnik. 93 Unternehmen aus 15 verschiedenen Ländern bewarben sich für die Auszeichnung, 26 Firmen zählten schließlich zu den Nominierten. Eine unabhängige Fachjury von Experten aus Forschung, Wissenschaft, Industrie und Fachmedien wählten jeweils drei Gewinner pro Sparte aus.

Thema: Intersolar Europe
Zur Intersolar Europe 2011 stellt ein Schwerpunkt die größte Fachmesse für Solartechnik vor und führt durch die Messehallen. Ein Zweiteiler zur Intersolar Europe 2012 macht in Teil 1 mit den Preisträgern des Jahres bekannt; Teil 2 wendet sich dann dem Thema Energiespeicher zu und sichtet brauchbare Lösungen.

MBJ Services: Testcenter

So gewann die Hamburger MBJ Services GmbH einen Award im Bereich Photovoltaik mit dem Mobile PV Testcenter zur Prüfung der Leistungsfähigkeit von PV-Modulen. Die Lösung kombiniere erstmals verschiedene Messmethoden für Solarmodule, wie die Aufnahme der Strom- und Spannungskennlinie, Elektrolumineszenz- und Infrarotaufnahmen.

Überzeugt hatte die Jury die hohe Testgeschwindigkeit des Geräts und seine flexible Anwendbarkeit vor Ort: „Das für den harten Feldeinsatz konzipierte Testcenter hat nur einen geringen Energiebedarf und kann bis zu 18 Solarmodule pro Stunde testen.“

SolarEdge Technologies: Leistungsoptimierer

Auf das Siegertreppchen schaffte es auch die Weiterentwicklung des Leistungsoptimierers für Solarmodule der SolarEdge Technologies GmbH aus Grasbrunn. Der 3rd Generation Power Optimizer soll den Energieertrag jedes einzelnen Moduls maximieren, indem er das Verhältnis von Spannung und Leistung auf das jeweils aktuelle Optimum regelt (MPPT/Maximum Power Point Tracking). Außerdem sei er nun mit allen marktgängigen Wechselrichtern kompatibel.

Und dank der innovativen IndOP-Technologie benötige der Leistungsoptimierer bei der Arbeit mit Wechselrichtern anderer Hersteller keine zusätzliche Schnittstelle mehr. Überzeugt hatten die Jury zudem der gesteigerte Wirkungsgrad des Optimierers und der geringe Leistungsverlust bei der Anwendung in älteren PV-Anlagen.

Solon Corporation: Flachdachmontagesystem

Einen Preis erhielt ferner die amerikanische Solon Corporation aus Tucson. Der international tätige Hersteller von Solarmodulen hat sich auf schlüsselfertige Lösungen spezialisiert. Bei seinem Flachdachmontagesystem Solon SOLquick verwendet das Unternehmen rahmenlose Module. Das materialsparende Verfahren ermögliche es, die Module gut geschützt zu transportieren und zu installieren.

Die Halterung ist bereits ab Werk in das Solarmodul integriert. Die Module eignen sich für die Montage auf verschiedenen Dacharten — selbststabilisierend, mit Ballast oder mit Durchdringung der Dachhaut. Sie erfordern keine Erdung, da kein Metall verwendet wird.

Soltigua: Paraboltechnik

Im Bereich Solarthermie wurde die Entwicklung des Parabolrinnenkollektors PTMx der italienischen Firma Soltigua – Laterizi Gambettola SRL ausgezeichnet. Die Begründung der Jury: Erstmals sei der Einsatz eines kostengünstigen und hocheffektiven Dünnglasspiegels gelungen. Das parabolisch gebogene Glas soll ein hohes Reflektionsvermögen sowie eine hohe Abrasions- und Wetterbeständigkeit aufweisen. Beeindruckt haben die Experten der besondere Wirkungsgrad und die hohe Wirtschaftlichkeit der Lösung.

Tigi: Überhitzungsschutz

Ein weiterer Award ging an das israelische Unternehmen Tigi Ltd. für den Honeycomb Collector – ein System für einen passiven Überhitzungsschutz auf Kollektorebene. Damit ließen sich eine maximale Absorbertemperatur und zugleich eine langfristige Sicherung der Kollektorstabilität erreichen. Auf Basis von Polycarbonat sorge eine transparente Abdeckung auf der Sonnenseite des Kollektors für geringe konvektive und Strahlungswärmeverluste. Nach Ansicht der Jury ist das „eine wegweisende Lösung, da mit dem neuen Überhitzungsschutzdesign auch der Einsatz kostengünstiger Kunststoffmaterialien möglich wird.“

TVP Solar: Flachkollektor

Einen Preis wert war den Experten außerdem der Flachkollektor MT-Power der TVP Solar SA; das Schweizer Unternehmen hat seinen Sitz in Genf. Die Lösung zeichne sich durch eine besonders hohe thermische Leistung aus. Die Technologie des Solar-Keymark-zertifizierten Kollektors basiere auf der Kombination aus einer Hochvakuumisolation mit ebener Geometrie. Dadurch werde der Fluss der Wärmeaustauschflüssigkeit vollständig unter Vakuum gehalten. Dies wiederum führe zu einer Steigerung der Effizienz und Langlebigkeit sowie zu einer höheren Wirtschaftlichkeit, da eine Wartung entfalle. Die Jury überzeugte auch das Preis-Leistungsverhältnis des Flachkollektors und die mögliche Erschließung neuer Anwendungsbereiche für die Solarthermie.

Isra Surface Vision: Fehlererkennung

In der Kategorie PV-Produktionstechnik ging ein Preis an das multispektrale Photoluminiszenzinspektionssystem „Multispectral Dual“ der Isra Surface Vision GmbH aus Darmstadt. Dass Solarzellen höchste Anforderungen erfüllen und fehlerfrei funktionieren, könne damit bereits während der Produktion getestet werden. Die innovative Fehlererkennung des auf optische Messverfahren spezialisierten Unternehmens soll mithilfe unterschiedlicher Filter zwei Spektren auswerten. Die Widerstandsmessung erfolge kontaktlos und mit hoher Geschwindigkeit. Das System sei inline-fähig und beinhalte eine integrierte Klassifizierung für verschiedene Defekttypen. Als besonders innovativ bewertete die Jury die Schnelligkeit der Auswertung und die hohe Präzision der Fehlererkennung.

Pasan: Zellentest

Auch die Schweizer Firma Pasan SA konnte einen Preis mit nach Hause nehmen. Der Solarzellentester SpotLIGHT 1sec zeichne sich durch hohe Messgeschwindigkeit bei größtmöglicher Messpräzision aus. Seine geringen Kosten sollen in Zukunft zur Erreichung der Netzparität beitragen. Die Jury lobte das patentierte Kontaktsystem für geringe Stillstandzeiten, vereinfachte Instandhaltung und eine Zykluszeit von – wie der Name schon sagt – einer Sekunde. Weitere Vorteile seien der wartungsfreundliche Aufbau, die lange Lebensdauer und die solarzellenschonenden Kontaktierungskräfte.

Gebr. Schmid: Materialeinsparung

Die Gebr. Schmid GmbH aus Freudenstadt schließlich wurde geehrt für das neue Metallisierungsverfahren TinPad, das in Zusammenarbeit mit der Schott Solar AG aus Mainz entwickelt wurde. Damit könne bei der Erstellung der Rückseitenkontakte der Solarzellen komplett auf Busbars aus teurem Silber verzichtet werden. Bisher waren diese erforderlich, um die Lötbändchen direkt auf die Aluminiumrückseite der Solarzelle aufzubringen.

Die neue Lösung entferne die störende Oxidschicht auf der Aluminiumrückseite und bringe Zinn auf die Oberfläche auf. Den entscheidenden Ausschlag für die Auszeichnung gaben vor allem die Kosteneinsparung beim Rohstoffeinsatz und die Reduzierung der Prozessschritte in der Zellproduktion.

Was sich unterdessen auf dem Gebiet der Energiespeicher getan hat, sagt Teil 2 dieser Serie.

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