Emissionsstandards in China

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Peking verschärft seine Klimaauflagen

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Von Isabelle Kraft, ECCS

Seit Ende 2016 ist bekannt, dass alle Leichtfahrzeuge bis zum 1. Juli 2020 dem Emissionsstandard China 6a und ab 1. Juli 2023 China 6b entsprechen müssen. Das zuständige MEP (Ministry of Environmental Protection of the People’s Republic of China) hat zusammen mit der AQSIQ (General Administration of Quality Supervision, Inspection and Quarantine) entsprechende Erneuerungen erlassen, sodass Fahrzeuge unter anderem zukünftig Abgaskatalysatoren, Kraftstoffeinspritzungen und Brennkammern der Motoren verbessern müssen. Des Weiteren wird neben N2O-Grenzwerten in China 6b die Zielsetzung formuliert, dass im Vergleich zu China 5 die einschlägigen Schadstoffe reduziert werden sollen: CO um weitere 50 %, THC um 50 %, NOx um 40 % und PM um 33 %. Auch wird eingeführt, dass Tests unter dem weltweit einheitlichen Testverfahren für leichtgewichtige Nutzfahrzeuge (WLTP) durchzuführen sind.

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Was bedeutet dies konkret für Fahrzeughersteller? Welche Grenzwerte müssen unter welchen Testbedingungen erfüllt werden? Und welche Regularien sind mit dem Emissionsstandard VI verbunden? Das Folgende gibt zuerst ein Überblick über China VI, anschließend wird auf die weiteren damit verbundenen Regularien mit den technischen Anforderungen eingegangen.

Emissionsstandards in China

Die chinesischen Emission Standards wurden vom MEP und der SAC (Standardization Administration of the People’s Republic of China) gemeinsam herausgegeben, richten sich nach den europäischen Emissionsstandards und sind für die folgenden Kategorien von Motorentypen in neuen Fahrzeugen verpflichtend: Pkw und Lkw, Motorräder, geländegängige Dieselmotoren, Busmotoren und Schiffsmotoren.

Seit der Einführung der Richtlinie „National Stage I Emission Standard“ 2001 haben Chinas Emission Standards sich in den letzten 15 Jahren rasant entwickelt. Der aktuelle Standard China IV wurde bereits landesweit implementiert, während der Standard China V schon in Schlüsselbereichen durchgesetzt wird. Ab 2018 wird China V landesweit implementiert und ab 2020 dann China VI. Die immer strengeren Vorgaben sollen die Kohlenstoffemissionen um über 90 % reduzieren und somit die technische Entwicklung in der Automobilindustrie vorantreiben.

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Isabelle Kraft ist Geschäftsführerin der ECCS GmbH & Co. KG. Das Unternehmen mit Beratern, Dolmetschern und einem breiten Partnernetzwerk unterstützt Hersteller beim Export ihrer Produkte nach China. Als Spezialist für den chinesischen Markt unterstützt und berät ECCS bei allen wichtigen China-Zertifizierungen und damit verbundenen Dienstleistungen – von der CCC-Zertifizierung über die SELO-Lizenz bis hin zur Hygienelizenz.


ECCS GmbH & Co. KG, Rüsselsheimer Straße 22, 60326 Frankfurt am Main, Tel.: 069-75009600, info@europe-to-china.de, www.europe-to-china.de

Bei China VI müssen alle folgenden Tests durchgeführt werden:

  1. Typprüfung I: Prüfung der Abgasemissionen nach einem Kaltstart bei normaler Umgebungstemperatur
  2. Typprüfung II: RDE-Prüfung
  3. Typprüfung III: Prüfung der Gasemissionen aus dem Kurbelgehäuse
  4. Typprüfung IV: Prüfung der Verdunstungsemissionen
  5. Typprüfung V: Prüfung der Dauerhaltbarkeit von emissionsmindernden Einrichtungen
  6. Typprüfung VI: Prüfung der Abgasemissionen von CO, THC und NOx nach einem Kaltstart bei niedriger Umgebungstemperatur
  7. Typprüfung VII: Prüfung der Verdunstungsemissionen beim Auftanken

Die Entwicklung der Typprüfung I (Prüfung der Abgasemissionen nach einem Kaltstart bei normaler Umgebungstemperatur)bei China 4, China 5 und China 6 lassen erkennen, wie die Emissionsstandards sich entwickelt haben und wie die Anforderungen immer strenger geworden sind:

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Gegenüber China IV ändern sich die Grenzwerte von CO und HC bei China V nicht, während die Grenzwerte von NOx und PM gesunken sind. Zusätzlich wird der Grenzwert von NMHC und PN eingeführt.

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Im Vergleich zu China V bleiben die Grenzwerte von HC, NMHC, NOx und PM bei China 6a unverändert, während der Grenzwert von CO sinkt und zusätzlich der Grenzwert von N2O eingeführt wird.

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Auf Basis von China 6a werden die Grenzwerte von CO, HC, NMHC, NOx und PM bei China 6b drastisch sinken müssen und lediglich die Grenzwerte von N2O und PN bleiben unverändert.

GB-Normen und weitere Richtlinien

Zu den Emission Standards gehören noch weitere nationale Regularien, GB-Normen genannt. Die folgenden GB-Normen beziehen sich auf die Standards China 4, China 5 und China 6:

GB-Normen.jpg

Die genannten fünf GB-Normen stellen die wichtigsten Teile von China 4, China 5 und China 6 zusammen. Das sind die wesentlichen Punkte bzw. Änderungen dieser GB-Normen:

  1. In GB 18176-2016 Limits and measurement methods for emissions of pollutants from mopeds (China 4) sowie in GB 14622-2016 Limits and measurement methods for emissions from motorcycles (China 4) werden Grenzwerte und Messverfahren von Abgas- und Verdunstungsschadstoffen bei Motorrädern sowie die Emissionsanforderungen, die Strapazierfähigkeit und technischen Spezifikationen des OBD-Systems festgelegt. Des Weiteren werden Anforderungen für die Produkttests sowie die Überprüfungsmethoden und Konformität der Produktion (Conformity of Production) bestimmt.
  2. Die Norm GB 18352.3-2005 Limits and measurement methods for emissions from light-duty vehicles (China 3, 4) bestimmt die Grenzwerte und Messverfahren von Gasemission aus dem Kurbelgehäuse, Verdunstungsschadstoffen bei normaler bzw. niedriger Temperatur und Dauerhaltbarkeit emissionsmindernder Einrichtung sowie technische Anforderungen und Messverfahren für OBD-Systeme von leichtgewichtigen Fahrzeugen. Darüber hinaus werden die Anforderungen für Zulassung, Produktionskonsistenz und Konformitätsprüfung und Identifikationsmethode für leichtgewichtige Fahrzeuge bestimmt und vor allem besondere Anforderungen für Autos, die LPG und Erdgas gebrauchen. Diese aktuelle Norm ist gültig für leichtgewichtige Autos, die von Fremdzündung und Kompressionszündung angetrieben werden, und ungültig für N1-Fahrzeuge, die gemäß GB 17691 zugelassen sind. Die GB 17691 Limits and measurement methods for exhaust pollutants from compression ignition and gas fuelled positive ignition engines of vehicles (China 3, 4, 5) wurde ab 1. Januar 2005 implementiert und eignet sich für Kraftfahrzeugtypen M2, M3, N1, N2 und N3, deren Geschwindigkeit höher als 25 km/h ist, M1-Kraftfahrzeug-CI-Motoren (einschließlich PI-Erdgasantrieb) und deren Typprüfung, CoP-Prüfung und In-use-Einhaltung.
  3. Die GB-Norm 18352.5-2013 Limits and measurement methods for emissions from light-duty vehicles (China 5) hat relevante technische Inhalte von EU-Regularien (Euro 5 und 6) angenommen sowie China IV von EU IV. Es wurden Anforderungen zur Typgenehmigung und Prüfung der Produktionskonformität sowie In-use-Einhaltung für Abgase von leichtgewichtigen Nutzfahrzeugen bei Phase V festgelegt. Die Norm wird ab 1. Januar 2018 in Kraft treten.
  4. Die neueste Norm GB 18352.6-2016 Limits and measurement methods for emissions from light-duty vehicles (China 6) wurde veröffentlicht, um die ineffiziente Produktionskapazität zu eliminieren, den Schutz und die Kontrolle für Autoabgase zu verstärken und die Emission Standards bei Phase VI/China VI zu erzielen. Mittels dieser Normen wird ein weltweit einheitliches Prüfverfahren für Kraftfahrzeuge sowie Emissionsprüfungen unter Fahrbedingungen (RDE) eingeführt. Des Weiteren wird das kraftstoffneutrale Prinzip angewendet, was ein strikteres Limit für Stickoxide und andere Schadstoffe zur Folge hat. Auch werden die Kontrolle der VOC-Emission, 48-Stunden-Evaporation-Tests und die Prüfung der VOC-Emissionen beim Tanken eingeführt. Das automatische Diagnosesystem (auto diagnostic system) und die Inspektionen (environmental consistency check and in-use conformity check) werden verbessert.

Die Emission-Standards und die dazu gehörenden GB-Regularien sind gleichzeitig eine Notwendigkeit für den Umweltschutz und eine große Herausforderung für die chinesischen Automobilhersteller. In den kommenden Jahren werden voraussichtlich weitere technische Reformen und Richtlinien veröffentlicht.

Förderung von Elektroautos

Zusätzlich zu den Emission Standards ist die Förderung von Elektroautos ein weiterer Schritt im Umweltschutz. China ist weltweit der Leitmarkt für Elektromobilität und bietet gesetzliche Zuschüsse für E-Autos, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge, die allerdings bis 2021 ablaufen.

Ab 2018 plant die chinesische Regierung, eine Quote für Elektroautos einzuführen. Ähnlich wie bei Emissionszertifikaten kann man dann Kreditpunkte für Elektrofahrzeuge sammeln. Für den Verkauf von umweltfreundlichen Fahrzeugen erhalten Hersteller dann diese Kreditpunkte, mit denen sie auch handeln dürfen. Erfüllen Hersteller nicht die Quote, dann müssen sie entweder ihre Produktion drosseln oder anderen Herstellern Kreditpunkte abkaufen.

Ab 2018 sollen für 8 % aller in China verkauften neuen Fahrzeuge Kreditpunkte gesammelt werden, ab 2019 für 10 % und ab 2020 für 12 %. Hierbei gibt es für verkaufte Elektrofahrzeuge vier Kreditpunkte und für Plug-in-Hybride zwei Kreditpunkte.

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