QR-Code

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Mobile Werbung im Quadrat

ferkelraggae

Von Oliver Schonschek

Sie sind inzwischen fast überall zu sehen, die kleinen Quadrate mit dem merkwürdigen schwarzweißen Muster: auf Plakaten, in Werbeprospekten, als Aufkleber auf dem Schaufenster, auf Weinflaschen und auf Visitenkarten. Im nordrhein-westfälischen Wetter an der Ruhr stehen sogar schon die ersten Grabsteine mit eingemeißeltem QR-Code. Die Bezeichnung „Quick Response Code“ verspricht dem Nutzer schnelle Antworten. Die entscheidende Frage dazu ist aber: Was bringt das fürs Geschäft?

QR-Codes sind mittlerweile in einer kritischen Phase angekommen, in der sie immer noch anfänglicher Neugier begegnen und zugleich auf gewohnte Unser stoßen. Als die zweidimensionalen Strichcodes neu waren, stand der Reiz der puren Technologie noch weit mehr im Vordergrund. Der Werbeprospekt konnte damals interessante Zusatzinformationen versprechen, z.B. ein Produktvideo zum aktuellen Angebot. Um diesen Mehrwert abzurufen, sollte der Smartphone-Besitzer eine meist kostenlose App installieren. Diese QR-Code-Anwendung startet die Smartphone-Kamera, mit der es auf den QR-Code zu zielen gilt. Mit etwas Geduld und Geschick klappt es dann auch – und im mobilen Browser startet das versprochene Produktvideo.

Ein Strichcode sagt mehr als tausend Worte

Keine Frage, das war und ist sicherlich beeindruckend. Doch in Wahrheit hätte man auch ganz anders an das Produktvideo kommen können – durch Eingabe einer Web-Adresse im mobilen Browser. Tatsächlich versteckt sich in einem QR-Code oft nur eine Internet-Adresse, die von der Code-App aus dem Strichcode gelesen und an den mobilen Browser übergeben wird. Anstatt die Internet-Adresse abzutippen, erfassen Sie ein Bildchen mit der Smartphone-Kamera. Das klingt an sich unspektakulär, doch der Smartphone- und Internet-Nutzer mag nun einmal solche Vereinfachungen und Abkürzungen. Er mag aber bald etwas mehr als nur eine technisch neue Art von Verlinkung aus dem Leben ins mobile Web.

Der QR-Markt boomt
Das Marktforschungsunternehmen comScore hat ermittelt, dass innerhalb eines Monats 20 Mio. US-Bürger QR-Codes genutzt haben, viele davon in einem Geschäft oder an ihrer Arbeitsstelle. NeoMedia Technologies berichtet von 25 Mio. Installationen ihrer NeoReader-App für QR-Codes; die Zahl der gescannten QR-Codes soll innerhalb eines Jahres um 119 % gestiegen sein. Laut einer Studie von eBay würden fast die Hälfte (48 %) aller Nutzer einen angebotenen QR-Code zum Bestellen eines Produktes verwenden.

Per Fotoklick einkaufen und bezahlen

Da verwundert es nicht, dass es bereits zahlreiche Business-Anwendungen für QR-Codes gibt, die über die Verlinkung eines Produktvideos hinausgehen:

  • Mobile Shopping: Auf Plakaten abgebildete Produktregale werden zu virtuellen Geschäften, die Artikel via QR-Code direkt zum Kauf anbieten. Nach dem Einscannen wird das Produkt im angeschlossenen Online-Marktplatz bestellt und an die Wunschadresse geliefert. (Die ersten Tests am Frankfurter Hauptbahnhof ergaben 700 Kundenkontakte innerhalb von vier Tagen. Etwa 25 % der Nutzer haben sich registriert und insgesamt 47 Bestellungen ausgelöst.)
  • Mobile Payment: Auch das mobile Bezahlen funktioniert bereits. Die PayPal-QRShopping-Lösung ermöglicht den sofortigen Kaufabschluss aus einem digitalen Warenkorb. Das mobile Bezahlen wird via Smartphone durch das Scannen eines QR-Codes sowie einer PIN-Code-Eingabe abgewickelt. Der Code enthält alle für den Verkaufsvorgang nötigen Informationen.

Praktische Tipps für die QR-Kampagne

Ob QR-Codes auch etwas für Ihr Business sein könnten? Die Antwort ist klar: Durchaus. Aber Sie sollten es richtig angehen und vor allem die Fehler derjenigen vermeiden, die als QR-Pioniere im Marketing bereits Lehrgeld bezahlen mussten:

  • Überlegen Sie sich zuerst, ob Ihre Zielgruppe überhaupt schon zu den Smartphone-Nutzern zählt!
  • Bieten Sie brauchbaren Mehrwert! Wie eine Studie von eMarketer zeigt, reicht es den Kunden inzwischen nicht mehr, wenn sie nach dem Einscannen von QR-Codes reine Produktinformationen erhalten. Ein Rabattgutschein trifft schon eher die Erwartungen. Und: Je genauer der Smartphone-Besitzer weiß, was ihn hinter dem Code erwartet, desto eher fährt er die App hoch.
  • Überlegen Sie deshalb genau, was Sie mit den QR-Codes erreichen wollen. Geht es nur darum, Leute auf die Website zu lenken? Geht es um den Vertrieb?
  • Wenn Sie QR-Codes einsetzen, dann am besten genauso umfassend wie Ihre Internet-Adresse, also z.B. auf Anzeigenwerbung, in Ihren Produktbroschüren und auf Ihrer Visitenkarte. (Ersetzen Sie aber nie die Internet-Adresse komplett durch einen QR-Code, denn nicht jeder kann und will solche Strichcodes einscannen!)
  • Machen Sie die Zieladresse, die im QR-Code steckt, Smartphone-tauglich! Verlinken Sie also auf eine für mobile Endgeräte optimierte Webseite.
  • Testen Sie immer Ihre OR-Codes, am besten mit verschiedenen Scanner-Apps! Fehlerhafte QR-Codes ergeben verärgerte Kunden.
  • Nutzen und empfehlen Sie QR-Code-Scanner mit eingebauter Sicherheit, wie z.B. den Norton Snap QR Code Reader. Denn leider missbrauchen Internet-Kriminelle auch QR-Codes, um ihre Opfer auf verseuchte Webseiten zu locken – Ihren Kunden sollte das besser nicht passieren.

Fazit: Überlegt ausprobieren

QR-Codes kosten nicht die Welt. Momentan besteht das größte Risiko in der vertanen Zeit und darin, dass man unbeabsichtigt Kunden vergrämt, wenn die Technik nicht klappt – etwa weil am Plakatstandort gar kein mobiles Internet verfügbar ist.

Günstige Angebote zur Erstellung von QR-Codes gibt es genug, z.B. den QR-Code Generator, die QR-Code Druckerei, GOQR.me oder den QR-Code Kampagnen Manager.

Und falls Sie lieber Ihr Logo anstelle eines zweidimensionalen Strichcodes verwenden wollen, um Ihre Kunden über Smartphones anzusprechen – auch dafür gibt es bereits Anbieter, die sich als Alternative zu den QR-Codes sehen. Man darf eben das Marketing nicht nur schwarzweiß sehen.

News Analyst Oliver Schonschek.JPG

Oliver Schonschek bewertet als News Analyst auf MittelstandsWiki.de aktuelle Vorfälle und Entwicklungen. Der Fokus liegt auf den wirtschaftlichen Aspekten von Datenschutz und IT-Sicherheit aus dem Blickwinkel des Mittelstands. Er ist Herausgeber und Fachautor zahlreicher Fachpublikationen, insbesondere in seinem Spezialgebiet Datenschutz und Datensicherheit.


Oliver Schonschek, Tel.: 02603-936116, www.schonschek.de

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