Mittelstands-Barometer misst Stimmungshoch

Laut „Marburger Mittelstands-Barometer“ (MMB), einem Kooperationsprojekt zwischen dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Forschungsstelle mittelständische Wirtschaft (FMW) der Philipps-Universität Marburg, ist bei Arbeitsplätzen im Mittelstand trotz Bürokratie und Steuerbelastung eine positive Trendwende zu erkennen. Das MMB ermittelt einmal jährlich die Zusammenhänge zwischen der Schaffung von Arbeitsplätzen, der wahrgenommenen Geschäftslage und Freude am Unternehmertum sowie dem Gründungsklima und Unternehmerbild in der Öffentlichkeit. Der Studie liegt das „Eisbergmodell“ zugrunde (siehe Infografik).

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Nach diesem Modell wird die Bereitschaft, Arbeitsplätze zu schaffen, vor allem von der wahrgenommenen Geschäftslage der Unternehmer bestimmt und diese wiederum von der Freude am Unternehmertum. Die Freude hängt ihrerseits vom Gründungsklima und dem Unternehmerbild in der Öffentlichkeit ab. Nach Meinung der Experten der Universität bestimmen die psychischen Faktoren die wahrgenommene Geschäftslage zu 32%. Die Schaffung von Arbeitsplätzen lässt sich sogar zu 68% mit dem Eisbergmodell erklären. Möchte man auch in Zukunft die Situation am Arbeitsmarkt und die Geschäftslage verbessern, muss man ihrer Meinung nach bei diesen psychischen Faktoren ansetzen.

Das Marburger Mittelstands-Barometer 2006 stellt in Bezug auf die Stimmung im Mittelstand zum gleichen Ergebnis, wie bereits viele andere Studien: Sie ist so gut wie seit langem nicht mehr. Diese Entwicklung spiegele sich aber eben auch am Arbeitsmarkt wieder, so die Wissenschaftler. Im vergangenen Jahr habe jeder dritte Unternehmer neue Arbeitsplätze geschaffen. Sie gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch in den kommenden Monaten weiter fortsetzt.

Aktuell weist laut Studie die Freude am Unternehmertum die größte Steigerungsrate mit einem Anstieg um 15% gegenüber dem Vorjahr auf. Nach wie vor unbefriedigende Werte ergeben sich beim Unternehmerbild in der Öffentlichkeit und beim Gründungsklima, die sich gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verbessert haben.

Eingetrübt werden die positiven Tendenzen des Eisbergmodells hauptsächlich durch störende Rahmenbedingungen, wobei vor allem die überbordende Bürokratie und strangulierende Regulierungen sowie die hohe Belastung durch Steuern und Abgaben beklagt werden.

Die kaum spürbaren Veränderungen der Bewertung der Rahmenbedingungen legen nach Ansicht der Experten nahe, dass sich nach Meinung der Befragten trotz Regierungswechsel in den Bereichen Bürokratie und Regulierung nichts getan habe und die Steuerbelastung sogar als höher empfunden werde. Die tiefgreifendste Verbesserung zeige sich bei der Bewertung des Konjunkturklimas.

Die Ergebnisse des Marburger Mittelstand-Barometers 2006 belegen auch, dass kleine und mittlere Unternehmen nach wie vor die wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland sind und auch bleiben werden. Die Studie kann für knapp 15 Euro bei der BVMW Servicegesellschaft bezogen werden. (idw/ml)