Pessimistisches Gründungsklima hemmt Dynamik

Die Gründungsaktivitäten in Deutschland sind im vergangenen Jahr deutlich zurück- gegangen: Während sich 2005 noch 1,3 Millionen Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren mit einer Neugründung, Unternehmensübernahme oder -beteiligung selbstständig gemacht haben, sank diese Zahl 2006 auf 1,1 Millionen. Der KfW- Gründungsmonitor beschreibt die Ursachen: einerseits ein Rückgang der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit, andererseits ziehen viele Menschen eine abhängige Beschäftigung der Selbstständigkeit vor, sobald die Konjunktur das zuläßt.

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„Es gibt aber Hoffnung auf eine Trendwende im laufenden Jahr: Die Zahl der Gründungsplanungen ist außergewöhnlich hoch. Der stabile Aufschwung könnte dazu führen, dass im Jahr 2007 bedeutend mehr Menschen den Schritt in die Selbständigkeit wagen“, sagte Ingrid Matthäus-Maier anlässlich der Präsentation des KfW-Gründungsmonitors 2007 in der KfW-Zentrale Frankfurt a/M. „Das ist auch dringend notwendig, denn ohne eine starke Gründungsintensität und die durch sie geschaffenen Arbeitsplätze und Innovationen könnte die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands Schaden nehmen.“

Hemmschuh des deutschen Gründungsgeschehens ist, so ein wichtiges Ergebnis des Gründungsmonitors, auch das im Vergleich zu anderen hoch entwickelten Volkswirtschaften (wie z. B. den USA) pessimistische Gründungsklima hierzulande. So hat die persönliche positive Einstellung des Gründers zu seiner Eignung zum Unternehmertum, zur Vereinbarkeit einer Selbständigkeit mit der persönlichen Lebenssituation und zur finanziellen Realisierbarkeit sehr hohen Einfluss darauf, dass eine Gründung tatsächlich vorgenommen und die problematische Frühphase erfolgreich überstanden wird.

Weitere wesentliche Ergebnisse des KfW-Gründungsmonitors:

  • Im Jahr 2007 wurden brutto (d. h. ohne Berücksichtigung etwaiger Verdrängungseffekte) rund 510.000 Vollzeitstellen im Bereich von Neugründungen geschaffen. Dies ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um rund 300.000 Stellen.
  • Das Gründungsgeschehen ist von kleinen und kleinsten Gründungsprojekten dominiert. Jeder zehnte Gründer setzt für seine Gründungen keine nennenswerten Sach- oder Finanzmittel ein. 40% der Gründer mit Mittelbedarf haben einen Bedarf von unter 5000 Euro. 76% der Gründer haben keine Mitarbeiter und auch keine Teampartner.
  • Personen mit besseren formalen Qualifikationen oder mit einer positiven Sicht der eigenen Eignung zum Unternehmerturm neigen überdurchschnittlich stark zu Gründungen.
  • In Deutschland gründen Männer (60%) häufiger als Frauen (40%). Dies liegt daran, dass Frauen eine signifikant negativere Einstellung zum Gründen haben als Männer und ihre eigenen Lebensumstände als weniger geeignet für eine selbständige Tätigkeit einschätzen.

Das diesjährige Schwerpunktthema untersucht den Fortbestand von Gründungen innerhalb der ersten zwei Jahre. Die Ergebnisse:

  • Nach einem Jahr sind noch maximal 86% aller Gründer aktiv. Nach zwei Jahren liegt dieser Anteil nur noch bei maximal drei Vierteln (76%).
  • Positiv auf den Fortbestand von Gründungen wirken sich das Humankapital des Gründers, die Gründungsmotivation, eine positive Einstellung zur eigenen Selbständigkeit sowie die Größe des Gründungsprojekts aus.

Der KfW-Gründungsmonitor ist eine seit dem Jahr 2000 durchgeführte repräsentative Erhebung des Gründungsgeschehens bei jährlich 40.000 zufällig ausgewählten in Deutschland ansässigen Personen. Eine Kurz- und eine Langfassung stehen als Download kostenlos zur Verfügung. (KfW/ml)