GDL lehnt auch neues Bahn-Angebot ab

Auch das heute von der Deutschen Bahn vorgelegte neue Angebot wurde von Manfred Schell, dem Chef der Lockführer-Gewerkschaft GDL abgelehnt. Die Deutsche Bahn hatte am Mittag der GDL einen eigenständigen Tarifvertrag angeboten, der sich im Wesentlichen am Tarif der beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA orientiert, aber die besonderen Schichtdienste der Lokführer berücksichtigt. Darüber hinaus wäre man seitens der Bahn zu einer Einmalzahlung von 2000 Euro für bereits geleistete Mehrarbeit bereit gewesen.

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Nach Meinung von Schell sei an diesem Angebot nichts Neues zu erkennen. Schon im Vorfeld hatte Schell für den Fall eines seiner Meinung nach unzureichenden Angebots weitere Streikmaßnahmen angedroht. Diese dürften deshalb in den nächsten Tagen anstehen. (ml)

MittelstandsWiki meint:

Man kann auch am falschen Ende sparen! Und die ganze Wirtschaft muss es dann ausbaden.

Unabhängig davon, ob die Forderungen der GDL berechtigt sind oder nicht (wir halten sie nur zu einem Teil für berechtigt), sollte dieser Arbeitskampf die Wirtschaft dazu anregen, über Strategien gegen die Erpressbarkeit durch einzelne kleine, aber in Schlüsselpositionen beschäftigte Berufsgruppen nachzudenken. Vor allem, wenn diese indirekt ganze Teile der Wirtschaft weit über den unmittelbaren Arbeitsbereich hinaus lahmlegen können.

Personalgeiz an solchen exponierten Arbeitsplätzen wie in den Führerständen der Bahn kann am Ende den Arbeitgeber und die Gesellschaft insgesamt mehr kosten, als ursprünglich eingespart wurde und bietet Klassenkämpfern nach Art eines Herrn Schell erst jenen medienwirksamen Boxring, den diese für ihre Auftritte brauchen.

Schon seit Jahren warnten Insider die Bahn davor, zu wenig Lokführernachwuchs auszubilden. Nun zeigen sich die Folgen in Form einer bedrohlichen Abhängigkeit von einigen wenigen Scharfmachern.

Eine großzügige Personalausstattung mit Reserven für ausufernde Streiks ist in solchen Fällen nicht nur auf Dauer billiger, sondern fördert darüber hinaus die Zufriedenheit der betroffenen Beschäftigten und die Qualität der Arbeit (im Falle der Bahn vor allem die Sicherheit). Also rundum eine Win-Win-Strategie. (ml)