Rezession noch dieses Jahr zu Ende?

Optimistisch geben sich die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Noch in diesem Jahr könnte ihrer Meinung nach die Rezession – nach einem Minus des Bruttoinlandsprodukts von gut einem Prozent – wieder zu Ende gehen. Das sei dann zwar der stärkste jahresbezogene Rückgang in der Geschichte der Bundesrepublik, so die Berliner Ökonomen, aber 2010 sei bereits wieder ein Plus von etwas mehr als einem Prozent denkbar.

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Anders als in früheren Rezessionen werde sich der Arbeitsmarkt zudem vergleichsweise stabil entwickeln, glauben die DIW-Experten: So werde die Zahl der Arbeitslosen bis 2010 gegenüber 2008 jahresdurchschnittlich zwar um rund 450.000 steigen, aber deutlich unter den 1,5 Millionen zusätzlichen Jobs bleiben, die in den Jahren 2006 bis 2008 entstanden sind. Auch dank dieser Entwicklung könnte es deshalb Ende des Jahres 2009 konjunkturell bereits wieder bergauf gehen.

Anstöße für den erwarteten Aufwärtstrend kommen voraussichtlich vor allem vom privaten Konsum, der von der verringerten Teuerung profitiere. Stabilisierend wirke zudem der Staatsverbrauch. Auch die Exporte werden im Zuge der weltwirtschaftlichen Erholung Ende 2009 nach Meinung der Berliner Analysten wieder zulegen. Die Unternehmensinvestitionen hingegen seien weiter schwach. Insgesamt bleibe die deutsche Wirtschaft jedoch bis Ende 2010 unter ihren Produktionsmöglichkeiten.

Das von der Koalition geplante Konjunkturpaket II bewertete DIW-Präsident Klaus F. Zimmermann skeptisch. „Mit kurzatmigem Aktionismus laufen wir Gefahr, Milliarden zu verbrennen, die uns für dauerhafte Investitionen in Bildung, Forschung und ökologische Infrastruktur fehlen“, sagte Zimmermann bei der Vorstellung der DIW-Wintergrundlinien in Berlin. „Mit dem derzeitigen Konjunkturrettungswettlauf droht der teuerste Bundestagswahlkampf aller Zeiten.“

(DIW/ml)

MittelstandsWiki meint: Es gehört viel Optimismus dazu, dieser Prognose zu folgen. Auch wenn alle genannten Faktoren für sich gesehen durchaus eintreten könnten, scheint das Gesamtszenario eher fragwürdig zu sein. Zu viele Faktoren mit kaum absehbarer Wechselwirkung spielen in den nächsten Monaten eine Rolle, nicht zuletzt auch der Faktor Bauch: Anders als in den angelsächsischen Ländern herrscht in Deutschland eine skeptische Sichtweise vor, die zum Beispiele bei sinkenden Preisen in Krisenzeiten zu mehr Sparsamkeit führen wird, aber nicht zu mehr Konsum. Dennoch hoffen natürlich auch wir, dass das DIW Recht behalten wird. (ml)