Torschlusspanik bei Umweltprämie

Nein, es ist kein Aprilscherz, sondern nur noch mit Torschlusspanik zu erklären: Bliebe es beim ursprünglich geplanten Budget für 600.000 Umweltprämien, wäre der Topf jetzt bereits leer – schneller noch, als sogar wir vermuteten. Allein an den ersten beiden Tagen mit Onlinereservierungen sind nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) rund 150.000 Reservierungen bzw. Anmeldungen entgegengenommen worden – trotz 48-stündiger Überlastung der Behördenserver, dank der viele Interessenten die Einwahl stundenlang wiederholen mussten, bis sie ihren Antrag stellen konnten. Hinzu kommen rund 441.000 Anträge nach dem alten Verfahren. Vielen bleibt da nur die Hoffnung, dass der schon beschlossene Nachschlag der Regierung großzügig ausfällt.

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Wie groß das Chaos im BAFA sein muss, ist an den widersprüchlichen Angaben des Bundesamts zu erkennen: So ist mündlich von lediglich 150.000 Onlineanträgen bis Dienstag die Rede, die Fördermittelgrafik der Behörde weist aber bereits etwas über 407.000 (Stand 1. April vormittags) Onlineanträge aus. Während 150.000 in zwei Tagen durchaus vorstellbar sind, klingen über 400.000 Anträge im fast gleichen Zeitraum schon unter technischen Gesichtspunkten ausgesprochen unwahrscheinlich.

Aber egal, welche der beiden Zahlen realistisch ist – eines steht bereits jetzt fest: Nicht nur Geiz ist für viele Deutsche geil, auch Prämien scheinen so manchen erblinden zu lassen, besonders wenn Torschlusspanik aufkommt. Nach Meinung von Experten rechnet sich die Prämie für viele Antragsteller nämlich nicht wirklich. So wären zahlreiche der jetzt verschrotteten Altautos noch ein bis zwei Jahre fahrtüchtig gewesen. Rechnet man in allen diesen Fällen die Zinsen für einen meist nötigen Neuwagenkredit hinzu und berücksichtigt man den Wertverlust des neuen Wagens in der Zeit des vorgezogenen Kaufs, wird in vielen Fällen die Prämie mehr als aufgezehrt.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Prämie sogar mittelfristig eher schädlich. Sie entzieht nicht nur anderen Branchen dringend benötigte Kaufkraft, da die Bürger schließlich ihr Geld nur einmal ausgeben können, sie führt auch zwangsläufig nach dem Ende der Prämie zu einem Nachfrageloch in der Automobilbranche. Und das umso brutaler, je länger und je mehr Prämien gezahlt werden.

(ml)

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