Konjunktur der Logistikbranche im gebremsten Fall

Die Konjunktur im Logistikbereich wurde zwar im zweiten Quartal abermals schwächer, die Kurve verläuft aber flacher als noch im Winter. Der BVL/DIW Logistik-Indikator des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) gab im zweiten Quartal 2009 gegenüber dem ersten Quartal um gut 7 Punkte nach und liegt nunmehr bei 68 Punkten. Eine konjunkturelle Normalsituation entspräche einem Wert von 100.

Die Logistikwirtschaft beurteilt ihre Lage insgesamt erneut deutlich schlechter, so dass der Teilindex um 30 % fällt. Die Erwartungen haben sich jedoch wieder etwas aufgehellt und legten um knapp 9 % zu, wenngleich die Befragten den kommenden zwölf Monaten immer noch überwiegend pessimistisch entgegen sehen.

Die konjunkturpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung treffen auf ein geteiltes Echo in der Branche. „Während die befragten Logistikdienstleister, also beispielsweise Spediteure, die Konjunkturpakete überwiegend (57 %) als Hilfe ansehen, ist die Mehrheit der Logistikanwender in Industrie und Handel (59 %) deutlich skeptischer“, so die Einschätzung des Konjunkturexperten des DIW, Stefan Kooths.

Bei den Logistikanwendern in Industrie und Handel hat sich das Klima kräftig um 14 % eingetrübt und ihre Lageeinschätzung weiter rapide verschlechtert. Da sich auch die Erwartungen lediglich stabilisiert haben, kann von einem Umschwung keine Rede sein. Allerdings sind die eigenen Logistikkapazitäten immer noch hinreichend ausgelastet.

Demgegenüber konnte sich der entsprechende Wert für die Anbieterseite (Logistikdienstleister) auf einem deutlich niedrigeren Niveau nahezu stabilisieren. Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik (BVL) glaubt, die Talsohle sei zwar noch nicht erreicht, aber es sei Hoffnung angebracht.

Indes, die Schere zwischen Lage- und Zukunftseinschätzung hat sich bei den Logistikanbietern weiter geöffnet: Die Lage wird noch düsterer als im Vorquartal beurteilt, während sich die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate schon wieder leicht aufhellen. Allerdings hat der Absturz der Logistikkonjunktur binnen eines halben Jahres deutliche Spuren bei der Kapazitäts- und Beschäftigungsplanung der Logistikanbieter hinterlassen, die in beiden Bereichen ganz überwiegend Kürzungen planen.

Insgesamt tragen nach Meinung von Stefan Kooths die Logistikdienstleister im derzeitigen Abschwung die Hauptanpassungslast. „Kapazitätsverfügbarkeit im Markt und Preisentwicklung sprechen hier eine klare Sprache“, so Kooths. Trotz verstärkten Eigenleistungen planen auch die Anwender deshalb mehrheitlich einen Abbau der Personal- und Sachkapazitäten ihrer Logistiksparten.

(DIW/ml)