Noch immer Nachfragekrise bei Werkzeugmaschinen

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie könne noch kein Ende des dramatischen Auftragsmangels erkennen, klagt der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW). Wie die aktuellen Zahlen des VDW zeigen, lag die Nachfrage auch im zweiten Quartal um 65 % unter dem Niveau des zweiten Quartals 2008. Besonders stark gingen die Bestellungen aus dem Inland zurück. Sie unterschritten das Vorjahresniveau um 71 %. Die Auslandsaufträge gaben um 61 % nach.Betrachtet man das gesamte erste Halbjahr, sehen die Ergebnisse ähnlich düster aus: Insgesamt gingen die Bestellungen in den ersten sechs Monaten um 67 % zurück. Dabei verloren die Inlandsnachfrage 71 % und die Auslandsbestellungen 65 %.

„Innerhalb eines Jahres ist das Auftragsniveau quasi auf ein Drittel zusammengeschmolzen“, kommentiert Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW, die Zahlen. Das habe nichts mit der technologischen oder preislichen Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu tun, die im internationalen Vergleich bestens aufgestellt sei. Vielmehr seien deutsche Werkzeugmaschinen als Schlüsselbranche für die Industrieproduktion Garant für effiziente Produktionsabläufe und hohe Produktivität. Die mit Neumaschinen in aller Regel verbundene zusätzliche Kapazität brauche der Kunde aber derzeit einfach nicht, so Schäfer.

Insbesondere die international tätigen Großanwender hatten in den vergangenen Boomjahren stattliche Kapazitätsreserven aufgebaut, so dass durch die geringeren Produktionsmengen bei diesen Anwendern viele Maschinen stillstehen. Das beeinträchtigt laut VDW bei zahlreichen Werkzeugmaschinenanbietern auch das Servicegeschäft, das weniger konjunktursensibel ist.

Die starke Investitionszurückhaltung der internationalen Abnehmer wirkt sich auch negativ auf den Auftragsbestand aus, der im Juni 2009 auf knapp sechs Monate gesunken ist. Die Kapazitätsauslastung ist um 8 Prozentpunkte auf rund 66 % zurückgegangen.

Einzig die Beschäftigung zeige sich noch vergleichsweise robust, freut sich der Verband. Viele Unternehmen fahren derzeit Kurzarbeit und warten die zweite Jahreshälfte ab, in der Hoffnung, ohne Personalabbau auszukommen. Zeige sich dann immer noch kein Licht am Ende des Tunnels, werde es aber wohl auch hier zu Einschnitten kommen müssen, warnt der VDW.

„Zuwächse, die in diesen Tagen für die Industrieproduktion gemeldet werden, kommen noch lange nicht in unserer Branche an“, bedauert Schäfer. Zwar laufen Einzelprojekte im Schienenfahrzeugbau oder der Energietechnik noch recht gut. In größerem Umfang werde in Werkzeugmaschinen jedoch erst wieder investiert, wenn die Kapazitäten der Kunden ausgelastet sind, neue Produkte auf den Markt gebracht werden und sie sich gute Geschäfte für die Zukunft versprechen. Insofern müsse sich die Branche zunächst auf eine weiter andauernde Durststrecke einstellen, warnt der Geschäftsführer des VDW.

(VDMA/ml)