Erholung im Mittelstand beschleunigt sich

Die Erholung des mittelständischen Geschäftsklimas hat sich im August nach Angaben der KfW Bankengruppe nicht nur fortgesetzt sondern sogar beschleunigt: Der zentrale Indikator, den die KfW und das Münchner ifo Institut im Rahmen des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers berechneten, verbesserte sich um 5,5 Zähler auf jetzt -6,8 Saldenpunkte. Dies ist der fünfte Anstieg in Folge und zugleich der kräftigste Zuwachs seit Beginn der Berechnung 1991. Dahinter steht ein neuer Rekordanstieg bei den Geschäftserwartungen des Mittelstands für die kommenden sechs Monate.

Mit einem Plus von 8,2 Zählern – fast viermal so viel, wie sonst üblich – machten die Geschäftserwartungen einen Sprung auf aktuell -1,4 Saldenpunkte. Dieser Wert entspricht nahezu dem langfristigen Durchschnittsniveau. Besonders erfreulich ist, dass im August zum Klimaanstieg neben den sich schon seit längerem wieder positiv entwickelnden Geschäftserwartungen zum zweiten Mal in Folge auch eine bessere Geschäftslage (plus 3,2 Zähler auf -11,9 Saldenpunkte) beitrug.

Auch das Geschäftsklima bei den Großunternehmen hat sich im August kräftig aufgehellt und liegt nun nach einem Anstieg um 4,5 Zähler bei -17,7 Saldenpunkten. Damit blieb der Zuwachs jedoch deutlich hinter dem Rekordwert der kleinen und mittleren Unternehmen zurück.

KfW-Chefvolkswirt Dr. Norbert Irsch warnt allerdings, man dürfe nicht vergessen, von welch niedrigem Niveau aus diese Anstiege stattfinden. Für die kommenden Monate sieht Irsch zwar eine positive konjunkturelle Entwicklung, die negativen Folgen der historischen Rezession – z. B. für Beschäftigung und Staatsfinanzen – stünden aber noch bevor. Auch Rückschläge seien möglich, vor allem, wenn die Stimuli aus den Konjunkturprogrammen auslaufen oder die globale Nachfrage sich nicht so durchgreifend erholt, dass sie die bislang noch von der Kurzarbeit getragene Stabilisierung auf dem Arbeitsmarkt auffangen kann. Gefährlich wären auch sich weiter verschlechternde Finanzierungsbedingungen für Unternehmen.

Betrachtet man die einzelnen Teilindikatoren des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers im August, so belegen die Branchenindikatoren laut KfW eine Erholung im Mittelstand auf breiter Front. Der Einzelhandel ist – wie bereits im Juli – der am besten gestimmte Zweig der mittelständischen Wirtschaft. Besonders bemerkenswert ist nach Angaben der KfW, dass die beiden besonders stark in die Weltwirtschaft integrierten Branchen Verarbeitendes Gewerbe und Großhandel infolge der globalen Nachfrageerholung wieder Tritt zu fassen beginnen: Das Klima in der mittelständischen Industrie verbesserte sich deutlich um 7,0 Zähler auf -14,8 Saldenpunkte, während das Großhandelsklima sogar um 10,2 Zähler auf nun -4,1 Saldenpunkte anstieg. In beiden Branchen bewegen sich die Klimaeinschätzungen damit wieder auf dem Niveau vom Oktober 2008, als der tiefe Fall begann.

Die allgemeine Klimaverbesserung bei Mittelstand wie Großunternehmen schlägt sich nicht nur in weniger pessimistischen Absatzpreiserwartungen nieder, auch der Druck zum Arbeitsplatzabbau scheint nach Meinung der KfW-Experten etwas nachzulassen. Sowohl die mittelständischen (plus 2,5 Zähler auf -5,6 Saldenpunkte) als auch die großen Unternehmen (plus 2,3 Zähler auf -12,0 Saldenpunkte) gingen im August weniger stark von Beschäftigungsverlusten aus als in den Monaten zuvor.

(KfW/ml)