Mittelstand betrachtet G-20-Vorschläge mit Sorge

Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand blickt mit Sorge auf die Vorschläge, die auf dem G-20-Gipfel in Pittsburgh von den Staats- und Regierungschefs zum Thema Eigen­ka­pi­tal­an­for­der­ung­en an Banken auf den Tisch gelegt werden sollen. Die im Kern geforderte Erhöhung des Eigenkapitals der Kreditinstitute werde – so die Befürchtung – zu einer Erschwerung mittelständischer Kredite führen.

Die AG Mittelstand appellierte deshalb heute an die deutsche Politik, beim Treffen in Pittsburgh dafür zu sorgen, dass nicht nur die Änderungen bei den bankaufsichtsrechtlichen Regelungen sorgfältig geprüft werden, sondern auch deren Auswirkungen auf die Finanzierungssituation des Mittelstands.

Punktekatalog der AG Mittelstand:

  1. Grundsätzlich ist das Anliegen, das weltweite Finanzsystem gegen zukünftige Krisen weitgehend zu immunisieren, zu unterstützen. Wichtig und richtig ist dabei das abgestimmte internationale Vorgehen.
  2. Bei der Abstimmung der internationalen Maßnahmen zur Qualität und Höhe des von Banken zu unterhaltenden Eigenkapitals ist sicherzustellen, dass veränderte Eigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute den Kreditvergabespielraum von Instituten, die in der Mittelstandsfinanzierung aktiv sind, nicht zum Nachteil der Unternehmen einengen. Dabei sollte insbesondere auf die Verlusttragungsfähigkeit und damit die betriebswirtschaftliche Hauptfunktion des Eigenkapitals Wert gelegt werden.
  3. Ausleihungen an mittelständische Unternehmen und Retailkunden sollen auch weiterhin im Kapitalstandard privilegiert werden. Auch vor dem Hintergrund der noch immer nicht hinreichend gefestigten Weltwirtschaft würde eine undifferenzierte Umsetzung der diskutierten Vorschläge die Kreditfinanzierung, insbesondere der kleinen mittleren Unternehmen deutlich schwieriger machen. Dies würde eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft erschweren und die Wachstumsmöglichkeiten beeinträchtigen.
  4. Selbst bei einer Umsetzung der Vorschläge zu einem späteren Zeitpunkt würde die Kreditwirtschaft bereits heute unter Zugzwang gesetzt. Denn veränderte Eigenkapitalanforderungen würden bereits aktuell beispielsweise durch Ratingagenturen abgefordert werden.
  5. Die AG Mittelstand unterstützt deshalb die Bundesregierung in ihrem Bestreben, sorgfältige Auswirkungsstudien durchzuführen und Änderungen des Regelwerkes erst im kommenden Aufschwung vorzulegen und anschließend umzusetzen. Aus unserer Sicht ist der Inhalt der Regelungen zu wichtig, als dass er dem Diktat einer überstürzten Umsetzung unterworfen werden dürfte.
(Wörtliches Zitat aus dem Pressetext des ZDH)

Die AG Mittelstand betonte, es gelte die bewährten kontinentaleuropäischen Finanzierungsstrukturen nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Man sei auch bereit, bei der Suche nach Lösungen zu helfen.

(ZDH/ml)