Geschäftsklima im Mittelstand hellt weiter auf

Geschäftsklima im Mittelstand
Geschäftsklima im Mittelstand

Die wirtschaftliche Stimmung der Mittelständler hat sich nach gemeinsamen Angaben der KfW Bankengruppe und des ifo Instituts im September erneut aufgehellt, allerdings nur geringfügig. Der Indikator für das Geschäftsklima des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers legte gegenüber dem August lediglich um 0,6 Zähler auf -6,1 Saldenpunkte zu. Üblicherweise liegen die monatlichen Veränderungen beim Dreifachen.

Grund zur Besorgnis gebe es aber nach dem Rekordanstieg im Juli laut KfW nicht. Der seit März wieder erkennbare Aufwärtstrend sei weiterhin intakt. Zwar konnten weder die Erwartungen für das kommende Halbjahr (+0,5 Zähler auf -0,9 Saldenpunkte) noch die Urteile zur aktuellen Geschäftslage (+0,7 Zähler auf -11,1 Saldenpunkte) dem mittelständischen Geschäftsklima im September kräftige Impulse geben. Die dreimal aufeinanderfolgende Verbesserung der Lagebewertungen ist jedoch ein gutes Zeichen.

Die Teilindikatoren bestätigen laut KfW eine anhaltende Erholung in den gegenüber der Weltwirtschaft exponierten Branchen: So erhöhte sich das mittelständische Industrieklima nach dem Rekordsprung im Vormonat um weitere 0,8 Zähler auf -13,9 Saldenpunkte. Bei den großen Firmen des Verarbeitenden Gewerbes, die gegenüber den Mittelständlern noch einen deutlichen Nachholbedarf beim Geschäftsklima haben, war der Zuwachs mit einem Plus von 3,3 Zählern auf -23,5 Saldenpunkte dagegen ausgeprägter.

Besonders erfreulich ist nach Meinung der KfW-Experten, dass die Industrie ihre Zuversicht zurückgewinnt: Nach dem extremen Einbruch der Geschäftserwartungen im zurückliegenden Winterhalbjahr haben diese laut Mittelstandsbarometer inzwischen wieder das langfristige Normalniveau erreicht bzw. sogar etwas überschritten. Allein die Lagebeurteilungen der Industrie sind noch immer deutlich negativ. Ähnlich erweist sich die Entwicklung auch beim Bindeglied zwischen den nationalen und den internationalen Märkten, dem Großhandel, wenngleich hier die Normalisierung der Lagebeurteilung laut Barometer schon wesentlich weiter fortgeschritten ist.

Unter den beiden binnenorientierten Branchen konnte sich allein das Geschäftsklima der mittelständischen Einzelhändler weiter verbessern (+1,2 Zähler auf 9,5 Saldenpunkte), während es sich bei den großen Einzelhändlern sowie im Bauhauptgewerbe verschlechtert hat. Der Rückgang fiel aber nur bei den großen Baufirmen deutlich aus (-6,8 Zähler auf 3,3 Saldenpunkte). Nach dem überraschend heftigen Zuwachs im Vormonat halten die Analysten diese Entwicklung allerdings eher für eine Normalisierung. Der mittelfristige Aufwärtstrend habe auch bei den großen Baufirmen noch Bestand.

Während sich das Geschäftsklima insgesamt weiter verbessert hat, gab es bei den Absatzpreiserwartungen sowie den Beschäftigungserwartungen einen leichten Rückschlag. So gaben die Beschäftigungserwartungen in beiden Unternehmensgrößenklassen um rund einen Zähler nach. Die klar negativen Niveaus (-6,4 Saldenpunkte im Mittelstand und -13,0 Saldenpunkte bei den Großunternehmen) seien ein Indiz für die anhaltenden Belastungen am Arbeitsmarkt, warnen die ifo- und KfW-Experten. Die ebenfalls deutlich negativen Absatzpreiserwartungen zeigen zudem, dass Inflationsrisiken auf absehbare Zeit kein Thema werden dürften.

KfW-Chefvolkswirt Dr. Norbert Irsch ist zuversichtlich: „Die Verschnaufpause beim Geschäftsklima im September ist angesichts der klaren Aufwärtsbewegung in den Monaten davor kein Anlass zur Sorge.“ Kurzfristig sei die Erholung auch dank der weltweiten Konjunkturprogramme intakt. Allerdings sei die Entwicklung nach wie vor sehr fragil, wie der aktuelle Rückschlag bei den Beschäftigungsplänen sowohl im Mittelstand als auch bei den großen Unternehmen unterstreiche. Mittelfristig bestünden folglich Risiken, besonders wenn die wirtschaftspolitischen Stimuli im In- und Ausland zu rasch zurückgenommen werden oder sich die Finanzierungsbedingungen der Firmen weiter verschlechtern sollten.

(KfW/ml)