Globaler Wettbewerb
Sind die USA besser gerüstet als Europa?

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Einen tiefgreifenden Strukturwandel der Wirtschaft als Folge der Finanz- und Konjunkturkrise prognostizieren Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Human-, Sach- und Finanzkapital werden aus Sektoren mit Überkapazitäten abgezogen und von neuen, ressourcenhungrigen Sektoren aufgesogen werden. Über das künftige Wachstum der Wirtschaft entscheide daher, ob dieser Strukturwandel möglichst reibungs- und verlustlos vonstattengehe. Eine Studie der IfW-Wissenschaftler kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass die USA bessere Chancen haben, nach der Krise auf einen höheren Wachstumspfad zurückzukehren als Europa.

Dafür gibt es nach Meinung der IfW-Ökonomen drei Gründe:

  1. Ein überdimensionierter amerikanischer Finanzsektor wird viele hoch qualifizierte Arbeitskräfte abstoßen und in andere Sektoren lenken, wo sie innovativ sein werden. Europas Finanzsektor ist weniger überdimensioniert und wird daher nicht soviel Humankapital abgeben.
  2. Die traditionell starke amerikanische Risikokapitalfinanzierung wird jungen Unternehmen helfen, die Chancen, die sich aus dem durch die Krise beschleunigten Strukturwandel ergeben, für innovative Geschäftsideen zu nutzen. In Europa steckt der private Risikokapitalmarkt dagegen immer noch vergleichsweise in den Kinderschuhen und die Unternehmen sind deutlich betagter.
  3. Das makroökonomische Umfeld ist in den USA günstiger als in Europa. Bei ähnlicher Ausprägung der Dollar/Euro-Wechselkursinstabilität auf beiden Seiten des Atlantiks wirkt die stärkere Exportorientierung europäischer im Vergleich zu amerikanischen Unternehmen wie ein Hemmschuh gegen Innovationen, wenn Unsicherheit über die Zukunft wichtiger Exportmärkte besteht. Dies gilt vor allem für Deutschland.

Für eine Post-Lissabon-Agenda bedeuten diese Ergebnisse nach Meinung der Experten ein Alarmzeichen. Europa werde sein Ziel, zur am stärksten wissensbasierten Region der Welt aufzusteigen, endgültig aus den Augen verlieren, wenn die Innovationsfähigkeit der europäischen Wirtschaft nach der Krise dank der drei Faktoren Schaden nimmt. Der Studie zufolge könne vor allem der zweite Faktor in seinen negativen Konsequenzen durch geeignete Politiken begrenzt werden. Dazu sei es aber erforderlich, dass die EU-Kommission die Kritik des privaten Risikokapitalsektors an beabsichtigten Regulierungen ernst nimmt und diesen Sektor nicht den gleichen restriktiven Vorschriften unterwirft wie Hedge Funds, Immobilienfonds oder Rohstofffonds, die deutlich mehr systemische Risiken bergen.

Die Studie der fünf IfW-Autoren Frank Bickenbach, Eckhardt Bode, Dirk Dohse, Aoife Henley und Rainer Schweickert ist jetzt als Kiel Policy Brief, Ausgabe 12/2009 mit dem Titel „Adjustment after the Crisis – Will the Financial Sector Shrink and Entrepreneurship Boom?“ erschienen. Sie steht (in englischer Sprache) als kostenloser Download online zur Verfügung.

(IfW/ml)