Leasing-Markt
Dramatischer Rückgang um 22,6 Prozent

Die Leasing-Branche wurde nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) von der Rezession mit voller Wucht getroffen. Die deutsche Leasing-Branche erlebte in den letzten Monaten den dramatischsten Rückgang in ihrer 47-jährigen Geschichte. Mit einem Minus von 22,6 % seit Januar erzielt sie ein Neugeschäftsvolumen von nur noch 42,1 Milliarden Euro. Das Mobilien-Leasing erreicht ein Volumen von 39,3 Milliarden Euro und schrumpft um 22,7 %. Das Immobilien-Leasing fällt um 21,9 % und erreicht ein Neugeschäftsvolumen von 2,8 Milliarden Euro.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Leasings sind alle Objektbereiche rückläufig. Der größte Objektbereich der Straßenfahrzeuge (darunter fallen Pkw und Nutzfahrzeuge) ging um 21 % zurück. Der Zulassungsboom von Fahrzeugen (laut Kraftfahrzeugbundesamt +25 % bis Ende Oktober) betraf in erster Linie Klein- und Kompaktklassewagen, die von Privathaushalten aufgrund der Abwrackprämie gekauft wurden. In der Mittel- und Oberklasse, dem klassischen Leasing-Segment, gingen die Neuzulassungen dagegen um bis zu 20 % zurück. Überdurchschnittlich verlor der Sektor Produktionsmaschinen (-30,2 %). Er spiegelt damit die allgemeine wirtschaftliche Lage im Maschinen- und Anlagenbau wider, der bis Ende September ein Minus von 33 % verzeichnete.

In bisherigen Krisensituationen hatte Leasing stets eine stützende bis investitionsfördernde Wirkung, was an den steigenden Leasing-Quoten, also am Leasing-Anteil an den Ausrüstungsinvestitionen, zu sehen war. In diesem Jahr verringert sich jedoch die Mobilien-Leasingquote leicht auf 21,1 %. Ursache hierfür sind laut Verband in erster Linie die schwierige Refinanzierungssituation und die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform 2008.

BDL-Präsident Martin Mudersbach klagt, die Leasing-Gesellschaften seien im Wettbewerb mit den Kreditinstituten benachteiligt. Die von der Politik zugesagte Gleichstellung bei der Gewerbesteuer sei de facto nicht vollzogen worden. Eine derartige Wettbewerbsverzerrung dürfe nicht hingenommen werden und müsse durch eine Gesetzesänderung beseitigt werden.

Laut BDL leiden die Leasing-Gesellschaften erstmals unter verschlechterten Finanzierungsbedingungen. Eine aktuelle Umfrage unter den BDL-Mitgliedern hat ergeben, dass rund zwei Drittel der unabhängigen Gesellschaften ihr für das zweite Halbjahr 2009 geplante Neugeschäft aufgrund von Refinanzierungsengpässen einschränken mussten. Dies gilt sogar für 36 % der bankenabhängigen Leasing-Unternehmen.

Eine partielle Entlastung sollte durch die Öffnung des KfW-Sonderkreditprogrammes für die banken- und herstellerunabhängigen Leasing-Unternehmen erreicht werden. „Diese von der Politik geplante Unterstützung der Leasing-Gesellschaften entpuppt sich als Rohrkrepierer“, kritisiert Mudersbach. Denn die technischen Details wie z. B. die dreijährige Zinsfestschreibung seien nicht Leasing-kompatibel. Schon die Beschränkung des Programms auf die unabhängigen Gesellschaften sei falsch. Er fordert, ein weiteres, praxisnäheres Projekt für die Leasing-Wirtschaft ins Leben zu rufen, zum Beispiel das Unternehmerkreditprogramm zu öffnen. „Damit die Leasing-Gesellschaften den Mittelstand wieder wirkungsvoll unterstützen können.“

(ots/ml)