BME-Barometer
Elektronische Beschaffungssysteme senken Kosten

Deutsche Unternehmen profitieren deutlich von elektronischen Beschaffungssystemen (E-Procurement-Tools). Internationale Konzerne, aber auch kleine und mittlere Unternehmen senken durch den Einsatz von Katalogsystemen mittlerweile bis zu 25 % ihrer Prozesskosten. Auf Ausschreibungslösungen entfallen 13 %, bei Auktionen sind es immerhin noch 5 %. Das geht aus dem jährlich erhobenen BME-Stimmungsbarometer Elektronische Beschaffung für 2010 hervor. „Die Lösungen erwirtschaften nach wie vor einen echten Mehrwert für die Unternehmen“, betont angesichts dieser Zahlen Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Das nach wie vor meistgenutzte Tool sind wegen des hohen geschäftspraktischen Nutzwerts Elektronische Katalogsysteme. 54 % der Befragten verfügen über eine Erfahrung von 3 und mehr Jahren mit solchen Katalogsystemen. 15 % sind gerade in Phasen der Einführung oder Planung solcher Systeme. Derzeit setzen rund 71 % Elektronische Kataloge ein, darunter 9 von 10 Großunternehmen (89 %). Bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind es knapp 60 %. Im Vorjahr waren es bei den KMU lediglich 54 %. Generell gilt: Die Zufriedenheit mit den E-Katalogen ist konstant auf hohem Niveau; die nachgewiesenen Nutzeffekte bestätigen sich jedes Jahr.

Elektronisch unterstützte Ausschreibungen nutzen 40 % aller befragten Unternehmen. 30 % setzen auf Auktionen. Hier gibt es ein deutliches Gefälle zwischen Großunternehmen und KMU. Während 61 % der Konzerne ausschreiben bzw. 51 % auktionieren, tun dies bei KMU nur 25 % bzw. 16 %. Bei den Mittelständlern hat sich dieser Wert gegenüber dem Vorjahr sogar weiter verschlechtert. Gründe: Die deutliche Konjunktureintrübung hielt vor allem kleine Betriebe davon ab, diese Tools intensiver zu nutzen. Auffällig: Knapp 27 % aller Befragten halten Ausschreibungssysteme und Elektronische Auktionen (43 %) für nicht relevant.

Noch im vergangenen Jahr war E-Sourcing (Ausschreibungen und Auktionen) aufgrund der kurzfristigen Sichtweise in der schlechten konjunkturellen Lage einseitig betont worden, um den Wettbewerb zu verschärfen. Generell gilt: Trotz einer gewissen Zurückhaltung bei der Nutzung von E-Sourcing haben die Unternehmen das darin schlummernde Einsparungspotenzial grundsätzlich erkannt. Es sind zumeist personelle Engpässe oder technische Schwierigkeiten, die insbesondere KMU noch davon abhalten, auf diese E-Lösungen zurückzugreifen.

Tools zur Lieferantenbewertung waren in der letztjährigen Befragung noch die Favoriten der Unternehmen. Aufgrund der Wirtschaftskrise galt kurzfristig ein besonderes Augenmerk den Lieferanten. Dies hat sich bei der diesjährigen Befragung etwas relativiert – eventuell dank einer gewisse Ernüchterung bei den Anwendern. So zeigte sich zum Beispiel, dass auch mit derartigen Tools Insolvenzen auf der Basis von Vergangenheitsdaten nur bedingt vorhersehbar sind. Immerhin 40 % der Unternehmen nutzen diese Tools, wobei KMU mit 27 % diese Instrumente deutlich zurückhaltender einsetzen als große Unternehmen (57 %). Immerhin sind Tools zur Lieferantenbewertung dabei, sich wie Katalogsysteme in der Breite zu etablieren.

Der internetbasierte Datenaustausch zwischen Einkäufern und Lieferanten zur besseren Abstimmung über Produktionspläne und Bedarfe usw. (E-Supply-Chain-Management bzw. E-SCM) wird noch am wenigsten praktiziert. Nur 30 % der Unternehmen verwenden entsprechende Lösungen, um ihr Lieferketten-Management zu verbessern. Nahezu alle Befragten haben weniger als die Hälfte der relevanten Lieferanten eingebunden. Der größte Teil liegt sogar unter 25 %. Bei E-SCM bestehen geringere Akzeptanzunterschiede zwischen KMU und Großunternehmen als bei allen anderen Tools. Immerhin bewerten die Unternehmen diese Tools etwas positiver als im Vorjahr – ein Indiz dafür, dass derartige E-Procurement-Tools wieder stärker zur Zusammenarbeit mit Lieferanten eingesetzt werden.

Die Befragung zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass die erzielbaren Effekte nachhaltig sind. Die Unternehmen senken ihre Einstandskosten und reduzieren ihre Prozesskosten. „E-Procurement-Lösungen sind freilich eine mittel- bis langfristige Investition, die sich nicht binnen Wochen bezahlt macht“, warnt Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

(BME/ml)