Kostenlose Selbstauskunft
Die Schufa gerät unter Zeitdruck

Scoring mit Big Data, © Jürgen Fälchle – Fotolia

Seit Anfang Oktober ermöglicht die Postbank bei 100 Filialen eine Schufa-Selbstauskunft „to go“: Nach Vorlage eines Ausweisdokuments kann man seine Bonitätsauskunft ausgedruckt mitnehmen. Kostenpunkt: 24,95 Euro. Das entspricht zwar genau dem Preis der Online-Auskunft ohne Schufa-Abo, allerdings gibt das Bundesdatenschutzgesetz (§ 34 BDSG) grundsätzlich jedem Bürger das Recht, einmal im Jahr die zu seiner Person gespeicherten Daten einzusehen, und zwar kostenfrei.

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Der Haken an der kostenlosen Selbstauskunft: Sie dauert. Man muss zuerst das „Bestellformular Datenübersicht nach § 34 BDSG“ ausfüllen, das es bei der Schufa online unter dem Punkt „Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz“ auf Deutsch, Englisch und Türkisch als PDF zum Download gibt. (Der abschließende „Hinweis zum SEPA-Lastschriftverfahren bei alternativer Bestellung“ ist nur dazu da, die Leute zu irritieren; tatsächlich ist diese Auskunft einmal jährlich kostenfrei.) Mit einer beidseitigen Kopie des Personalausweises schickt man das Formular dann per Post an die Schufa – und wartet ab.

Die Postbank-Sofortauskunft füllt genau diese Lücke; sie ist für zeitkritische Fälle gedacht, namentlich für Wohnungsuchende, die dem Vermieter schon morgen einen Nachweis der Zahlungsfähigkeit vorlegen müssen. Dabei ist die Schufa-Auskunft in vielen Fällen eher kurios als sinnvoll. Es genügt schon, dass bei der Schufa keine Einträge Vorliegen – keine negativen, aber auch keine positiven. Wer dann im Studentenalter ist und in der falschen Gegend wohnt, bekommt nicht einmal einen Handy-Vertrag bei Vodafone, wie Martin Wiens auf Medium berichtet.

Diesen Informationsmangel bekommt das Kreditgeschäft momentan deutlich zu spüren. Eine Lösung, die sich abzeichnet, ist die sehr viel schnellere Online-Bonitätsprüfung mithilfe von Big Data aus dem Social Web und anderen Online-Kanälen, die Anbieter wie Kreditech oder Vexcash bereits mit Erfolg praktizieren. Schließlich ist ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung der Online-Handel selbst, der z.B. bei Möbeln oder Elektronik auf eine schnelle Risikoprüfung angewiesen ist. (red)