Viele Unternehmen wissen nicht, was sie wissen, weil Verträge, Pläne und Fachdaten verteilt in Silos liegen. Ein zentraler Content-Layer hebt in Kombination mit künstlicher Intelligenz dieses brachliegende Wissen.

Content-Management: KI erschließt verborgenes Unternehmenswissen
Im „heise meets …“-Podcast spricht Michael Pietsch, Vice President DACH und Eastern Europe bei Box, über die Rolle von Content als unterschätztem Rohstoff. Er erläutert, warum reine Speicherorte nicht mehr ausreichen.
Pietsch beschreibt den Ansatz als Brücke zwischen bestehenden Anwendungen wie Salesforce, ServiceNow, SAP oder Teams. Über 1.500 native Integrationen sollen verstreute Inhalte zusammenführen, ohne die IT-Landschaft zu ersetzen. Das Ziel: Wissen dort nutzbar machen, wo Arbeit tatsächlich passiert.
Datenschutz: Granulare Rechte schützen sensible Inhalte
Ein zentrales Thema bleibt die Sicherheit – sieben Security-Layer erlauben eine Steuerung bis auf die einzelne Datei. Anbindungen an Okta oder Active Directory übernehmen vorhandene Rollen in Echtzeit und ermöglichen eine fein granulierte Steuerung des internen wie externen Teilens.
Pietsch warnt vor einem typischen Risiko: Beschäftigte laden Dokumente bei externen KI-Diensten hoch, um schneller zu arbeiten. Sein Grundsatz lautet, die KI zum Content zu bringen und nicht umgekehrt. So bleibt das Sprachmodell auf freigegebene Inhalte beschränkt.
Workflows: Automatisierte Prozesse entlasten Fachabteilungen
Konkrete Anwendungsfälle reichen von NDA-Prozessen mit digitaler Unterschrift bis zur Schadensregulierung. Bei der Rechnungsprüfung extrahiert das System Metadaten und automatisiert Freigaben bis zur Buchung im SAP-System anhand definierter Schwellenwerte.
Profitieren sollen nicht nur Großkonzerne, sondern auch kleinere Betriebe. Pietsch nennt als Beispiel eine kleine Immobilienfirma mit vier Beschäftigten, die hunderte Mietverträge verwaltet. KI könne hier dabei helfen, Sondervereinbarungen aufzufinden und Fristen zu überwachen, ohne zusätzliches Personal zu benötigen.
Für die nahe Zukunft erwartet Pietsch eine Welt der Agenten, die Silos weiter aufweichen. Auf der Hannover Messe beeindruckte ihn vor allem die Verlagerung von KI ins Edge-Computing, etwa in autonom arbeitende Roboter. Den deutschen Markt empfindet er als zu zurückhaltend: Mehr Mut, Spaß und Vertrauen seien nötig, damit Unternehmen den Anschluss halten. Das gesamte Gespräch mit Michael Pietsch hören Sie im aktuellen „heise meets …“-Podcast.