Domain-Driven Design: Rollenspiele sparen Kosten

Software scheitert selten an Technik, sondern häufig an unklarer Fachlichkeit. Wer Prozesse vorab im Team durchspielt, entdeckt Lücken in Minuten statt in Wochen – und spart dadurch erhebliche Entwicklungskosten.

Software Success Consultant Stefan Priebsch erklärt im „heise meets …“-Podcast, warum IT für ihn kein technisches, sondern ein Menschenthema ist. Sein Ansatz: Fachlichkeit vor Technologie, gemeinsames Verständnis vor schnellem Code.

Domain-Driven Design: Fachlichkeit treibt die Entwicklung

Der Begriff Domain-Driven Design geht auf das gleichnamige Buch von Eric Evans aus dem Jahr 2003 zurück. Statt Technologie an den Anfang zu stellen, beginnt domänengetriebene Entwicklung bei den fachlichen Abläufen. Priebsch nennt die Grundregel: „Diskutiere nie etwas Unsichtbares.“

Im Workshop entsteht nach und nach ein gemeinsames Bild bei allen Beteiligten – unterschiedliche Vorstellungen in den Köpfen einzelner Teilnehmer werden sichtbar gemacht. Erst dann lassen sich Lösungen entwickeln, die für Anwender wirklich passen und keine unnötige technische Komplexität erzeugen.

Rollenspiele decken versteckte Probleme auf

Priebsch lässt Teams Prozesse vorspielen – vom Restaurant bis zur Logistik. Wer als Gast hereinkommt, wer als Kellner agiert, welche Speisekarte vorliegt: Jeder Schritt provoziert Fragen, die in abstrakten Diagrammen unentdeckt blieben.

Zettel mit Rollen und Artefakten dienen als spontane Dokumentation. Nach einer Dreiviertelstunde liegen Erkenntnisse vor, die mit anderen Methoden Tage benötigen würden. Entwickler bauen zudem ein emotionales Verhältnis zum Prozess auf und liefern später bessere Lösungen.

Firmen sollten sich auf Wertschöpfung konzentrieren

Nicht jede Funktion muss in Eigenregie entstehen. Priebsch verweist auf die Unterscheidung zwischen Core Domain und generischen Bereichen wie der Buchhaltung. Dort liefern laut Evans fertige Lösungen meist mehr Wert als Eigenentwicklungen – gerade im Zeitalter generativer KI.

Auch KI-Werkzeuge finden Platz in Modellierungssessions. Fehlt ein Fachexperte, übernimmt ein Sprachmodell dessen Rolle und liefert Impulse. Das Ergebnis jeder Session ist ein Modell, das die Realität vereinfacht abbildet – und damit die Grundlage für die nächste Iteration bildet.

Wie Priebsch konservative Teams ins Rollenspiel führt, welche Rolle Moderation spielt und warum iteratives Arbeiten dem Stadtbau gleicht, erläutert er ausführlich im aktuellen „heise meets …“-Podcast.

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