Die Aufmerksamkeit verlagert sich von klassischen Bannern hin zu Chatbots und Sprachmodellen. Marken müssen Inhalte maschinenlesbar aufbereiten und gleichzeitig ihre Produktion beschleunigen, sonst verlieren sie den Anschluss an eine neue Konsumentenlogik.

Sichtbarkeit: Maschinenlesbare Inhalte entscheiden den Wettbewerb
Im Podcast „heise meets …“ erklärt Julian Kramer von Adobe, warum die Erwägungsphase zunehmend in Large Language Models stattfindet. Wer dort nicht als verifizierte Quelle auftaucht, überlässt anderen die Deutungshoheit über die eigene Marke – im schlimmsten Fall auf Basis fragwürdiger Reddit-Kommentare.
Sichtbarkeit: Maschinenlesbare Fakten sichern Reichweite
Kramer nennt drei Pflichtbausteine: Facts and Figures, Features und FAQs. Kofferraumgröße, Akkulaufzeit oder Druckseiten pro Minute müssen strukturiert vorliegen. Fehlen diese Angaben, taucht ein kleinerer Wettbewerber mit besserem Footprint in den Antworten der KI-Assistenten auf.
Technisch entscheidet nicht allein der Inhalt, sondern auch die Auslieferung. Seiten, die Inhalte erst per JavaScript nachladen, bleiben für Crawler oft unsichtbar. Vorab gerenderte Zusammenfassungen im Content Delivery Network erhöhen die Trefferquote spürbar. Der Traffic aus Sprachmodellen konvertiert laut Kramer rund 31 Prozent besser.
Produktionsstraße: Agentische KI entlastet Kreative
Die Halbwertszeit einzelner Assets sinkt unter die Produktionszeit. Kramer beschreibt drei Stufen: Klassische KI löst Big-Data-Probleme, generative KI erhöht den Output – und agentische KI baut komplette Produktionsstraßen. Kreative bewachen dann Templates, Brand-Governance und Datenqualität, statt Pixel zu verschieben.
Ein US-Versicherer nutzt KI-Videogeneratoren für die Marktforschung: Sechs Varianten eines Humor-Spots entstehen je in einer Rohfassung, Fokusgruppen bewerten die Pointen, erst danach folgt die klassische Produktion. Früher scheiterten solche Tests an den Kosten und holprigen Vorabvisualisierungen.
Arbeitsmarkt: Demografie zwingt zur Automatisierung
In den kommenden acht Jahren verlassen in Deutschland fast zehn Millionen Vollzeitkräfte den Arbeitsmarkt. Kramer verweist auf Japans IT-Minister: Der demografische Wandel bedrohe die Wirtschaft stärker als jede Automatisierung. KI schließt Capability Gaps, statt Personal zu verdrängen.
Bei Neueinstellungen zählen Meta-Skills wie Neugier, Resilienz und Beurteilungsvermögen mehr als reine Handwerkskenntnisse. Wer mehrere KI-Agenten steuert, coacht sie wie Junior-Kollegen. Transparenz zählt dabei stets zum Pflichtprogramm: Reasoning-Nachweise, Quellenangaben und Backtracking machen automatisierte Entscheidungen nachvollziehbar.
Das vollständige Gespräch mit Julian Kramer über Sichtbarkeit in Sprachmodellen, agentische Workflows und neue Geschäftsmodelle hören Sie im „heise meets …“-Podcast.