802.11ac Wave 2

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Schaumkrone bei 983,08 MBit/s

© Dr. Harald Karcher

Von Dr. Harald Karcher

Beim jüngsten WLAN-Routermodell aus Berlin, der Fritz!Box 7580, sticht vor allem der WiFi-Speed-Sprung auf 4×4-WLAN-ac-2 ins Auge: 4×4-Dualband-WLAN-AC-Wave 2 mit Multi-User-MIMO bis 1733 MBit/s brutto, 4×4-Dualband-WLAN-n bis 800 MBit/s brutto. Die Fritz!Box 7580 kostet um die 300 Euro; sie ist eine komfortable All-in-one-Komplettlösung für Internet-Zugang und Inhouse-Vernetzung inklusive DECT-Telefonanlage. Hoffen wir, dass auch bald viele Laptops, Smartphones, WLAN-Sticks, Repeater und andere WLAN-Clients folgen werden, die den satten Speed-Sprung auf 4×4-ac-2 mitmachen. Das wird allerdings noch Monate oder Jahre dauern, je nach Geräte- und Preisklasse.

Wer schon Anfang 2017 den vollen Speed aus der Fritz!Box 7580 herauskitzeln will, muss seinen PC mit einer martialischen WLAN-Karte zum würdigen Testpartner hochrüsten. Und da gibt es momentan noch nicht viel Auswahl.

Fritz!Box 7580 und Asus PCE-AC88

Die Asus PCE-AC88 Dualband AC3100 ist ein Wireless-PCIe-Adapter mit 4×4-Stream-Dualband-WLAN-ac-Wave-2-Multi-User-MIMO. Im 2,4-GHz-Band verspricht diese Karte bis zu 1000 MBit/s, im 5-GHz-Band bis zu 2167 MBit/s, jeweils nominal brutto – natürlich nur, sofern der verbundene WLAN-Router diese nominalen Datenraten ebenfalls unterstützen kann. Möglich wird der WLAN-Speed-Sprung – laut Asus – unter anderem durch vier gleichzeitige Streams und durch 1024-QAM-Modulation, kurz: NitroQAM. Da sich die Datenraten von 1000 MBit/s @ 2,4 GHz und 2167 MBit/s @ 5 GHz rein rechnerisch auf nominale 3167 MBit/s addieren, führt die Karte den Namenszusatz AC3100.

Komm2.2016.ID08-Abb-2-FRITZ!Box 7580---Photo Harald Karcher---.JPG Die Fritz!Box 7580 glänzt mit reichlich Schnittstellen (von links nach rechts): 1 × Grau für den WAN-Internet-Zugang via DSL oder VDSL, 3 × Schwarz für 2 × analoges Telefon/Fax und 1 × digitales ISDN-Telefon oder digitale-ISDN-Telefonanlage, dann mittig 1 × Blau für 1-Gigabit-WAN-Zugang über externes DSL-, Kabel- oder Glasfasermodem, 4 × Gelb für 10/100/1000-MBit/s-Ethernet-LAN (jeweils bis 1 Gigabit), 1 × schwarze Rundbuchse für Stromversorgung über das externe Netzteil. Darüber 1 × Blau: die USB-3.0-Schnittstelle sowie oben links und mittig, schlecht erkennbar: FON1 und FON2. Netzteil, 4 m graues DSL-Telefon-Anschlusskabel sowie 1,5 m gelbes CAT5e-LAN-Kabel werden bei der AVM Fritz!Box 7580 gleich mitgeliefert. Ist alles angesteckt, verdeckt den Kabelsalat eine weiße Klappe, die aber auch vier Bohrlöcher hat – so kann man die komplette Fritz!Box auch an die Wand hängen. Links außen am Gehäuse hat die Fritz!Box übrigens noch einen zweiten USB-3.0-Port. Rein theoretisch schafft USB 3.0 ja satte 6000 MBit/s – das wären sechs Mal mehr als am 1-Gigabit-Ethernet-LAN-Port. Netto kommt allerdings erheblich weniger. (Bild: Harald Karcher)

Diese zurzeit wohl schnellste WLAN-Client-Karte lässt sich aufgrund ihrer Größe und Bauart leider nicht in Laptops oder gar Smartphones installieren. Sie eignet sich aber zum Einbau in geräumige PCs. Potenzielle User für derart schnelle Extras sind Highend-Freaks, die aus Leistungsgründen sowieso lieber einen großen Tower-PC als einen dünnen Designer-Laptop nutzen.

Der WLAN-Adapter Asus PCE-AC88 Dualband AC3100 ist seit Mai 2016 in Deutschland ab circa 100 Euro aufwärts per Internet lieferbar. Die wichtigsten Daten: PCIe-Interface (PCI Express), vier RP-SMA-Antennenanschlüsse, SU-MIMO und MU-MIMO, 2,4 GHz und 5 GHz, dabei im 2,4-GHz-Band 11 Kanäle, 13 in Europa (ETSI), 802.11b/g/n/ac bis 1000 MBit/s im Download und Upload (20/40 MHz), 802.11a/n/ac bis 2167 MBit/s im Download und Upload (20/40/80 MHz), 1024-QAM-Modulation (NitroQAM). Die PCIe-Karte misst 103,3 × 68,9 × 21 mm und ist 125 g schwer (ohne Antennen und ohne Magnetfuß). Unterstützte Betriebssysteme: Windows 7 und Windows 10.

Und wie viel Speed lässt sich mit dieser Vier-Antennen-Karte nun tatsächlich aus einer Fritz!Box 7580 herausholen? In unserem Test kamen 983,08 MBit/s netto im 5-GHz-Band. Doch Vorsicht: Das war wirklich nur der allerbeste Peak in optimaler Sichtentfernung von 3 m. Die Durchschnittswerte liegen darunter und hängen von ganz vielen Einflussfaktoren ab.


Komm2.2016.ID08-Abb-1-FRITZBox-7580-Asus PCE-AC88---Photo Harald Karcher---.JPG Das neue WLAN-Flaggschiff AVM Fritz!Box 7580 liegt nicht mehr auf dem Tisch wie die Vorgänger 7390 und 7490, sondern steht aufrecht. Das wirkt noch eleganter – und spart sogar Stellfläche. Trotzdem steckt mehr Hightech-Power in der jüngsten Fritz!Box als je zuvor, was unter anderem an ihren acht verbauten WLAN-Multi-User-MIMO-Antennen liegt. Die vier schwarzen Antennen (Mitte) der roten WLAN-ac-2-Karte Asus PCE-AC88, welche für den Test in einen flotten Tower-PC mit Intel Core i7, SSD und Windows 7 eingebaut war, wurden auf den schwarzen Magnetfuß geschraubt und dann mit vier Antennenkabeln an die Karte gekoppelt. Die Fritz!Box 7580 (rechts) stand im Test natürlich nicht direkt neben den vier Asus-Antennen, sondern 3 m entfernt. Die Teile wurden nur für das Foto so dicht zusammengerückt. (Bild: Harald Karcher)

Messmethode (ohne Handbremse)

Wir jagen eine 1,0-GByte-Datei zwischen zwei schnellen Rechnern per WLAN hin und her: Im Windows-7-Rechner steckt die verbaute Asus-Karte im PCIe-Slot. Am anderen Ende der Teststrecke hängt die AVM 7580 per Ethernet-Kabel an einem Windows-10-Rechner. Die Asus-Karte (genauer gesagt: deren vier externe Antennen auf Magnetfuß) und die Fritz!Box 7580 haben bei allen Messungen 3 m Abstand, ohne Hindernisse in der Sichtlinie.

Komm2.2016.ID08-Abb-3-2020---Asus PCE-AC88---Photo Harald Karcher---.png Hier hat die Verbindung von PCIe-Karte und WLAN-Router im 5-GHz-Band gerade die vier Kanäle 36, 40, 44 und 48 belegt, sprich: 4 × 20 MHz = 80 MHz. Die Fritz!Box 7580 sucht sich im Automatikmodus immer die jeweils besten und störungsärmsten Kanäle selbst aus. (Bild: Harald Karcher)

Bevor die Dateien hin und her flitzen, schalten wir auf dem Windows-7-Rechner den NetMeterEvo.exe ein. Der zeichnet uns den Nettodurchsatz grafisch auf. Das spart die Stoppuhr und die Rechnerei. Ein Kästchen ist im NetMeter übrigens eine Minute lang. Somit kann man an der Breite des Durchsatzdiagramms sogar die Dauer des Uploads oder Downloads ablesen. Im NetMeter-Diagramm kann man auch die Schwankungen und die Tiefstwerte grafisch ablesen. Oder den durchschnittlichen Speed-Wert über die Länge der Übertragung selber ausrechnen. Wichtig: Bei allen Messungen sollte man – in allen Profilen der Asus-Karte und der Fritz!Box 7580 – alle nur vorstellbaren Energiespareinstellungen vor den Messungen abschalten!

Den LAN-Port der Fritz!Box sollte man, bei allen Speed-Messungen, vom Default-Energiesparmodus 100 MBit/s auf den Nicht-Energiesparmodus 1000 MBit/s umschalten. Ab Werk waren drei von vier LAN-Ports der Fritz!Box nämlich in den 100-MBit/s-Sparmodus heruntergedrosselt, weil man ja meistens ohnehin nicht mehr als 100 MBit/s braucht. Aber wenn die Asus-Karte alleine schon fast 1000 MBit/s netto per Funk durchzieht, dann muss man die 100-MBit/s-Sperre an der Fritz!Box vor der Messung eben herausnehmen, um den Funkspeed an dieser Stelle nicht extrem auszubremsen.

Komm2.2016.ID08-Abb-4-Asus PCE-AC88---Photo Harald Karcher---.png Netto brachten Asus-Karte und AVM-Router im 5-GHz-Band sehr schöne Download-Peaks (rot) bis 983,08 MBit/s. Der Upload (grün) lag netto allerdings nur bei 185,73 MBit/s. Dieser enorme Unterschied zwischen UL und DL zog sich durch alle Messungen. Ansonsten liegt der Funkspeed schon hart an der Grenze dessen, was die Gigabit-Ethernet-Kabelports an Laptop und Router überhaupt durchlassen können. (Bild: Harald Karcher)

Fritz!Box 7580 und Linksys WUSB6100M

Nicht jeder will sich gleich die schnellste Asus-AC88-WLAN-Karte mühsam in den Rechner basteln, nur um die vollen 1733 MBit/s brutto, sprich: 983 MBit/s netto aus der neuen AVM 7580 zu ziehen. Es geht auch bequemer: mit einem kurzen WiFi-USB-Stick. Der Linksys WUSB6100M Max-Stream AC600 Mini Wi-Fi USB-Adapter ist ein USB-2.0-WiFi-Stick mit 1×1-Stream-Dualband-WLAN-AC-Wave-2-Multi-User-MIMO für WLAN-n bis 150 MBit/s und WLAN-ac bis 433 MBit/s brutto. Also nicht (!) 4×4-Stream, wie bei der martialischen Asus-Karte.

Dieser 1×1-Wave-2-Stick ist seit Juni 2016 in Deutschland für circa 40 Euro lieferbar. Er lässt sich an den meisten Laptops seitlich in eine USB-2.0- oder -3.0-Buchse stecken, ist schön kurz und macht den Laptop nur um knapp 3 cm breiter. Installation und Betrieb liefen in unserem Test supereasy (was nicht bei allen inspizierten WLAN-Sticks der Fall ist).

3010---Linksys WUSB6100M---Photo Harald Karcher---.JPG Der Linksys WUSB6100M-EU Max-Stream AC600 Mini Wi-Fi USB-Adapter ist seit Juni 2016 in Deutschland für circa 40 Euro lieferbar. Der Hersteller verspricht 1×1-WLAN-ac-Wave-2 bis 433 MBit/s. (Bild: Harald Karcher)

Komm2.2016.ID08-Abb-6-Linksys WUSB6100M an FRITZ!Box 7580---Photo Harald Karcher---1010---1 GB---Linksys @ 5 GHz---633---2.png Hier zeigt sich das Testgespann AVM 7580 und Linksys WUSB6100M gerade im 5-GHZ-Band: Der rote Download-Balken meldet schöne Peaks bis 312,65 MBit/s. Der grüne Upload war circa ein Drittel langsamer. (Bild: Harald Karcher)

Wir installierten den Linksys-Stick am USB-2.0-Port eines Tower-PCs mit Intel Core i7, SSD und Windows 7 – und koppelten ihn dann mit der Fritz!Box 7580 per Funk: Im 5-GHz-Band erzielte das Testgespann AVM 7580 und Linksys WUSB6100M den besten Upload auf Kanal 36 mit einem Dateipaket von 10 × 1 = 10 GByte: 240 MBit/s netto. Den besten Download holte das Paar auf Kanal 100 mit einer 1 GByte großen Datei: 312 MBit/s netto. Im 2,4-GHz-Band schaffte das AVM-Linksys-Duo den besten Upload auf Kanal 11 mit einem Dateipaket von 10 × 1 = 10 GByte: 144 MBit/s netto. Den besten Download holten die beiden ebenfalls auf Kanal 11 und ebenfalls mit einem 10-GByte-Dateipaket: 151 MBit/s netto. Die Kombination aus AVM 7580 und Linksys WUSB6100M war somit im 5-GHz-Band grob gesagt doppelt so schnell wie im 2,4-GHz-Band. Da passt die theoretische Erwartung mit den praktischen Messergebnissen ja einmal sehr schön zusammen. Doch Vorsicht: Auch dies waren wirklich nur die allerbesten Peaks mit optimaler Sichtentfernung.

Ist das zu kompliziert? Es geht auch kürzer und pauschaler: Der Stick ist eine feine Lösung und holt für mindestens 98 % aller User mit einem schnellen VDSL-Internet-Anschluss mehr als genug Speed aus der neuen Fritz!Box 7580 heraus. Bei 40 Euro Kaufpreis kann man kaum etwas falsch machen.

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Dieser Bei­trag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe „Kom­munika­tion und Netze“. Einen Über­blick mit freien Links zu sämt­lichen Einzel­heften be­kommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

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