Ausbildungsberufe mit Holz

Aus MittelstandsWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Bedarf an Fachleuten steigt

Kzenon

Von Michael J. M. Lang

Holz ist wieder „in“: Immer mehr Wirtschaftsbereiche entdecken in diesen Tagen die Ressource Holz neu – sei es als ökologischen und gesunden Baustoff, als nachwachsenden Energieträger oder als Werkstoff für edles Ambiente. Das Besondere an dieser Entwicklung: Holz ist plötzlich auch in Bereichen gefragt, in denen es bisher keine Rolle oder nur eine Nebenrolle spielte, so z.B im Energiebereich. Dieser vielfältige Ansturm auf das Holz aus vielen unterschiedlichen Branchen bietet Berufsgruppen rund um das Holz derzeit auch abseits der ausgetretenen Wege völlig neue Chancen.

Noch aber dominieren bei den Lehrstellenbewerbern einige wenige Berufe das Bild. Das ist schade, denn nicht jeder vom Holz Begeisterte ist gleich ein talentierter Tischler oder ein den Anstrengungen am Bau gewachsener Zimmerer. Mancher hat andere Talente oder Neigungen, möchte nicht ausschließlich mit Holz arbeiten oder findet in seinem regionalen Umfeld in diesen beiden Berufen gerade keinen Ausbildungsplatz.

Sieht man sich einmal um, welche Handwerksberufe außer dem des Schreiners und Zimmerers noch mit Holz zu tun haben, stößt man auf eine große Zahl interessanter Alternativberufe. Für die folgende Aufstellung wurden diejenigen Berufe ausgewählt, in denen der besondere Charakter des Materials eine zentrale Rolle spielt und die deshalb jungen Menschen mit Gespür für Holz über eine normale berufliche Karriere hinaus Verdienstchancen bieten.

Die wohlbekannten Holzberufe

Der Beruf des Tischlers/der Tischlerin ist von biblischem Alter und gehört wohl mit zu den ältesten Handwerksberufen überhaupt. In einigen deutschsprachigen Regionen ist für diesen Beruf auch die Bezeichnung Schreiner üblich.

Anmerkung
Alle genannten Ausbildungsberufe stehen Frauen ebenso wie Männern offen. Wir haben aus sprachästhetischen Gründen jedoch lediglich zu Beginn eines jeden Berufsbildes einmalig die geschlechterneutrale Form der Doppelnennung gebraucht. Der darüber hinausgehende ausschließliche Gebrauch der männlichen Berufsbezeichnung dient lediglich der leichteren Lesbarkeit.

Tischler

Beim Tischler handelt es sich um einen dualen Ausbildungsberuf, der in einer dreijährigen Ausbildung erlernt werden kann. Schulische Voraussetzungen gibt es theoretisch keine, in der Praxis ist ein Hauptschulabschluss nahezu Mindestvoraussetzung. Rund die Hälfte der Auszubildenden besitzt einen Hauptschulabschluss, die andere Hälfte hat das Abschlusszeugnis einer Realschule in der Tasche. Frauen sind in diesem Beruf mit einem Anteil von rund 10 % (Stand 2009) vertreten.

Der Kern des Tischlerberufs besteht in der händischen Fertigung von Möbelstücken, Türen und Fenstern aus Holz und Holzwerkstoffen sowie dem Innenausbau mit Holz. Weil Tischler meistens individuell gestaltete Einzelstücke fertigen müssen, brauchen sie nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch räumliches Vorstellungsvermögen sowie ein ausgeprägtes Gespür für Form und Ästhetik. Tischler müssen darüber hinaus in der Lage sein, millimetergenau zu arbeiten und gut rechnen können. Für Tischler mit Kundenkontakt ist der verbindliche und freundliche Umgang mit Kunden ausgesprochen wichtig.

Neben der selbständigen Tätigkeit, der Anstellung in einer Tischlerei/Schreinerei und dem Betreiben einer eigenen Tischlerei/Schreinerei finden Tischler aber auch häufig eine Anstellung in Baumärkten und Möbelhäusern, bei Möbelherstellern und Messebauunternehmen sowie in Theatern. Wer in einem solchen Betrieb arbeitet, braucht neben den klassischen Fähigkeiten eines Tischlers auch Fähigkeiten zur Teamarbeit und oft auch Führungsfähigkeiten, denn ausgebildete Tischler oder gar Tischlermeister werden in vielen Betrieben als Führungskräfte im Werkstatt- und Fertigungsbereich eingesetzt.

Zimmerer

Der Beruf des Zimmerers ist ebenfalls ein dualer Ausbildungsberuf mit einer dreijährigen Ausbildungsdauer. Bei den Auszubildenden überwiegen solche mit Hauptschulabschluss vor Auszubildenden mit Realschulabschluss. Eine Ausbildung ohne Hauptschulabschluss ist möglich, aber selten. Der Beruf des Zimmerers ist noch immer eine Männerdomäne. Der Frauenanteil liegt nahezu bei null.

Während der Tischler überwiegend Holzprodukte für den täglichen Gebrauch und Innenräume herstellt, fertigt ein Zimmerer überwiegend Holzkonstruktionen im Gebäudebereich und auf Baustellen. Ein typisches Beispiel sind Decken, Dächer, Fachwerk und Holzrahmenbau, aber auch Türen, Tore, Treppen und Außenwandbekleidungen.

Der Zimmerer muss nicht nur mit Holz umgehen, sondern im großen Umfang auch mit holzfremden Materialien, darunter Bau- und Dämmstoffen.

Angesichts der überwiegenden Arbeit auf Baustellen müssen Zimmerer mit einem erheblich größeren Sicherheitsrisiko klarkommen. Deshalb sind ein hohes Verantwortungsgefühl und große Umsichtigkeit unbedingte Voraussetzung. Der Zimmerer muss sich darüber hinaus in schwierigen Situationen schnell mit anderen abstimmen können. Der Beruf setzt außerdem eine hohe körperliche Belastbarkeit voraus. Kreativität und millimetergenaues Arbeiten sind hingegen nicht ganz so wichtig wie für den Tischlerberuf.

Die weniger bekannten Holzberufe

Drechsler/Elfenbeinschnitzer

Wenig bekannt und aus der Mode gekommen ist der Ausbildungsberuf des Drechslers/Elfenbeinschnitzers bzw. der Drechslerin/Elfenbeinschnitzerin. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre, wobei nach dem zweiten Ausbildungsjahr der/die Auszubildende eine der beiden Fachrichtungen wählen muss.

Wie die Berufsbezeichnung schon andeutet, liegt der Schwerpunkt beider Berufe in der Gestaltung. Drechsler bearbeiten Holz und andere Werkstoffe mit Hilfe der Drehbank. Die erzeugten Produkte sind entweder Einzelstücke oder Kleinserien. Der Elfenbeinschnitzer arbeitet in der Regel nicht mit Holz.

Der Drechsler braucht für seinen Beruf ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, damit er von der zweidimensionalen Schablone auf die dreidimensionale gedrechselte Form schließen kann.

Arbeitsplätze und Aufträge für Drechsler sind selten, da gedrechselte Produkte wenig gefragt sind und zudem maschinell weitaus billiger auch von angelernten Kräften produziert oder aus Billiglohnländern importiert werden können.

Holzbildhauer

Der Holzbildhauer/die Holzbildhauerin genießen besonders hohes Ansehen. Und das zu Recht, denn ihre Arbeit ist mit künstlerischen Berufen eng verwandt. Die Übergänge sind fließend. Die Ausbildung zu diesem dualen Ausbildungsberuf dauert drei Jahre.

Das Produktspektrum eines Holzbildhauers reicht von plastischen und flächigen Schnitzereien bis zu Bildhauerarbeiten in handwerklicher und künstlerischer Ausführung. Der Holzbildhauer fertigt nicht nur Plastiken, Möbel, Inneneinrichtungen, Grabmale, Spielzeuge und Spielgeräte, er hält sie auch instand und restauriert sie. Mit seinen Plastiken betreibt er häufig sogar Landschaftsgestaltung.

An Talenten benötigt der Holzbildhauer natürlich sehr viel künstlerische Kreativität, figürliche Fantasie und Gespür für Ästhetik. Er muss außerdem mit anderen Materialien wie Stein, Kunststoff und Metall umgehen können. Auch die Handhabung mit verschiedenen Maschinen und Hebeeinrichtungen gehört zum täglichen Brot. Soweit ein Holzbildhauer als Restaurator tätig ist, gehören das Wissen um alte Techniken und Stilkunde zu den Arbeitsgrundlagen.

Holzspielzeugmacher

Der Holzspielzeugmacher/die Holzspielzeugmacherin leiden unter einem verstaubten Image. Das ändert sich aber seit einigen Jahren, nachdem Holzspielzeuge im Zuge der Ökobewegung wieder an Beliebtheit gewinnen. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Anders als die anderen hier erwähnten Berufe handelt es sich beim Holzspielzeugmacher um einen stark regional beschränkten Beruf mit dem Zentrum Erzgebirge. Die Zahl der Arbeitsplätze ist daher sehr gering.

Von den Tätigkeiten und den Fähigkeiten her finden sich im Beruf des Holzspielzeugmachers Elemente des Holzbildhauers, des Drechslers und des Tischlers wieder.

Holzblasinstrumentenmacher

Der Beruf des Holzblasinstrumentenmachers/der Holzblasinstrumentenmacherin ist ein dualer Ausbildungsberuf von dreijähriger Dauer. Holzblasinstrumentenmacher arbeiten sowohl in Handwerksbetrieben, als auch in Industriebetrieben. Sie produzieren und reparieren Holzblasinstrumente, darunter Block- und Querflöten, Oboen, Saxofone, Klarinetten, Fagotte.

Natürlich benötigen Holzblasinstrumentenmacher neben den Fähigkeiten für die feinhandwerkliche Holzbearbeitung auch musikalisches Wissen und ein gutes Gehör für die Beurteilung und das Stimmen der Instrumente. Wer schon einmal ein Holzblasinstrument gespielt hat, weiß, dass es meist eine Menge feinmechanischer Elemente aus Metall und Kunststoff enthält. Auch diese muss der Holzblasinstrumentenmacher verarbeiten können.

Bootsbauer

Kein künstlerisches Talent braucht der Bootsbauer/die Bootsbauerin, sehr wohl aber einen ausgeprägten Sinn für Design. Gerade die Käufer von Booten mit Edelholzausstattung haben meist hohe Ansprüche an die Qualität und das Design. Die duale Ausbildung dauert mit 3,5 Jahren etwas länger als die bisher genannten Ausbildungsgänge.

Zum Aufgabenbereich eines Bootsbauers gehören der Neubau, Umbau, Ausbau und die Reparatur von Jachten und Booten. Hinzu kommen branchenübliche Servicedienste.

Da bei heutigen Jachten und anderen Bootstypen neben Holz immer auch Kunststoff, Stahl und Aluminium verwendet werden, ist der Bootsbauer kein reinrassiger Holzberuf. Dennoch wird das Erscheinungsbild eines hochwertigen Boots – vor allem einer Jacht – vom Holz geprägt.

Jobs für Bootsbauer – soweit sie nicht einen eigenen Betrieb besitzen oder auf selbständiger Basis arbeiten – gibt es u.a. in Werkstätten, Werften, Bootscentern und Wassersportvereinen.

Technische Modellbauer

Mit einem ähnlichen Materialmix wie der Bootsbauer und der Instrumentenmacher muss der Technische Modellbauer/die Technische Modellbauerin zurechtkommen. Dabei handelt es sich um einen dualen Ausbildungsberuf mit 3,5-jähriger Dauer.

Technische Modellbauer stellen Modelle aus ganz unterschiedlichen Materialien her, darunter auch aus Holz. Diese Modelle dienen entweder der Designentwicklung (z.B. von Automobilen) oder zur Demonstration. Dementsprechend benötigen Technische Modellbauer neben feinmechanischem Geschick auch ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Ebenso wichtig ist eine ausgesprochen gute Kommunikationsfähigkeit im Umgang mit den Kunden, da Modelle häufig zu einem Entwicklungsprozess gehören und begleitend verändert werden müssen.

Jobs für Technische Modellbauer gibt es derzeit viele. Mögliche Arbeitgeber sind sowohl große Automobilkonzerne und die produzierende Industrie allgemein, als auch Museen und Lehreinrichtungen.

Parkettleger

Der Beruf des Parkettlegers/der Parkettlegerin scheint auf den ersten Blick für Laien wenig anspruchsvoll zu sein. Aber das täuscht, denn Parkett ist ein wesentlicher Bestandteil des Raumdesigns. Nicht alle Parkettleger sind sich dessen bewusst und wissen das zu nutzen. Tatsache ist: Ein gekonnt verlegter Parkettboden kann einen Raum enorm aufwerten und in den optischen Dimensionen ausbalancieren, wenn er behutsam auf den Rest der Einrichtung, den Lichteinfall und die Raummaße abgestimmt wird.

Beim Beruf des Parkettlegers handelt es sich um einen dualen Ausbildungsberuf von dreijähriger Dauer. Die meisten Parkettleger arbeiten in Parkettlegebetrieben. Es gibt aber auch Jobs in Fachgeschäften für Bodenbeläge.

Nicht zu unterschätzen sind übrigens die körperlichen Belastungen durch die Arbeit am Boden. Knieschäden sind branchentypisch und treten oft schon nach wenigen Berufsjahren auf.

Böttcher

Der Beruf des Böttchers/der Böttcherin ist selten geworden. Je nach Region ist die Bezeichnung Scheffler, Schäffler oder Küfer üblich. Zu den Aufgaben gehört die Produktion von Bottichen, Kübeln, Eimern und Ziergefäßen. Der duale Ausbildungsberuf kann in einer dreijährigen Ausbildung erlernt werden.

Viele Böttcher arbeiten heute in kleinen Handwerksbetrieben und stellen Ziergefäße für Heim und Garten her. Die Produktion von großen Holzfässern und Bottichen ist in Deutschland nahezu ausgestorben. Selbst im Weinbau kommen – soweit überhaupt – weitgehend Holzfässer aus dem Ausland zum Einsatz.

Holz- und Bautenschützer

Die duale Ausbildung zum Holz- und Bautenschützer/zur Holz- und Bautenschützerin dauert drei Jahre. Neben Wissen über Holz benötigen Holz- und Bautenschützer auch Biologiewissen, denn sie müssen – wie der Name schon sagt – Holzbestandteile von Gebäuden gegen die Zerstörung durch Insekten und Pilze schützen. Zum Fachwissen dieses Berufs gehört zudem noch das Wissen über die Risiken der eingesetzten Schädlings- und Pilzbekämpfungsmittel. Im Umgang mit diesen Mitteln liegt auch ein branchenspezifisches Gesundheitsrisiko.

Arbeitsplätze für Holz- und Bautenschützer bieten Betriebe des Ausbaugewerbes, Zimmereibetriebe, Hochbauunternehmen, Fachbetriebe für Gebäudetrocknung sowie Dienstleistungsbetriebe für Desinfektion und Schädlingsbekämpfung. Auch eine selbständige Ausübung dieses Berufs bietet sich an. Der Bedarf für Holz- und Bautenschützer dürfte in den nächsten Jahren kräftig steigen.

Fazit: Offen für Alternativen bleiben

Wer noch mehr Berufe rund um das Holz kennen lernen will oder tiefer gehende Informationen zu den hier genannten benötigt, dem sei zum Besuch des Internet-Portals des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) geraten. Dort wartet eine eine Fülle von Material darauf, gelesen zu werden. So gibt es zu einigen der hier genannten Berufe neben der handwerklichen Version auch eine Version für Industrie und Handel mit abweichenden Ausbildungswegen und Vergütungen.

Nützliche Links