Richtige Backups

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Die Sicherung muss sicher sein

Von Sabine Philipp

Leider garantiert auch das regelmäßige Überspielen der Firmendaten nicht immer, dass es nach einem Festplattencrash unverzüglich weitergeht. Denn allzu häufig werden die Informationen nicht richtig gesichert. Dabei ist ein effektives Backup kein Hexenwerk und die meisten Fehler sind vermeidbar.

„Noch immer ist das klassische Backup-to-Tape Standard, wenn es um das Backup von Informationen im geschäftlichen Umfeld geht“, sagt Bernd Weichelt, IT Consultant bei der Wiesbadener TIM AG. „Die Laufwerkstechnologie ist ausgereift und wird kontinuierlich weiter entwickelt. Und auch das Preis-Leistungsverhältnis aktueller Bandmedien ist sehr gut.“

Über Platte auf Band

Daneben ist auch Backup-to-Disk inzwischen im Mittelstand angekommen. Während früher nur hardwarebasierende Lösungen existierten, die nicht selten über 100.000 Euro kosteten, gibt es mittlerweile Backup-to-Disk-Lösungen, die bereits in die Backup-Software integriert sind. Die Kosten für ein derartiges Programm, etwa für Symantec Backup Exec liegen bei 857,10 Euro pro Server (Stand Anfang 2009). Hinzu kommen Agenten, die auf den jeweiligen Servern installiert werden und mit denen das System über einen zentralen Backupserver gesichert wird.

verweis=https://www.tim-vad.com www.tim-vad.com

Bernd Weichelt weiß als Con­sultant bei der TIM AG aus Er­fahrung, wie schwie­rig die steuer­recht­lichen An­for­derungen und Pflich­ten in Sachen Auf­be­wahrung sind. Mit Speicher­medien kennt er sich bes­tens aus, denn die Wies­bade­ner Fir­ma hat sich auf pass­genaue Storage-Lösungen spezialisiert.


TIM AG, Schoßbergstraße 21, 65201 Wiesbaden, Tel.:  0611-2709-0, tim@tim.de, www.tim-vad.com

Backup-to-Disk sei vor allem deswegen sinnvoll, erläutert der IT-Consultant, „weil die aktuellen Bandlaufwerke eine hohe Transferrate für den optimalen Betrieb benötigen.“ Außerdem reichen die nächtlichen Backup-Fenster wegen dem ständig steigenden Datenvolumen oft nicht mehr aus.“

Idealerweise kommen beide Verfahren gemeinsam zum Einsatz; man nennt das auch Staging oder Backup-to-Disk-to-Tape. „Hier wird während des nächtlichen Backup-Fensters zunächst auf Festplatten gesichert, um danach im Laufe des Tages eine Kopie davon auf Band zu erstellen“, so Weichelt. Zusätzlich erlaubt diese Methode eine schnelle Wiederherstellung der Daten vom Plattensystem.

Verderbliche Datenträger

Müssen die Daten länger auf den Medien bleiben, so haben Wechseldatenträger eindeutig die Nase vorn. Denn sie sind viel langlebiger als Festplatten, die nach höchstens fünf Jahren ausgetauscht werden sollten. „Was die Haltbarkeit der darauf gespeicherten Informationen betrifft, so gelten heute ca. 30 Jahre bei Magnetbändern als gesichert“, erklärt Weichelt und gibt zu bedenken: „Allerdings sollte ein Band, das täglich beschrieben wird, nach ca. einem Jahr aussortiert werden.“ Denn die permanente mechanische Beanspruchung führt zu Bandabrieb und Verschleiß.

Bei optischen Medien wie UDO oder HVD geht man von ca. 50 Jahren aus. UDO steht für Ultra Density Optical und wird als DVD-Nachfolgeformat gehandelt, kann allerdings nur einmal beschrieben werden (was wiederum für die revisionssichere Archivierung gut geeignet ist). HVD steht für Holographic Versatile Disc und arbeitet mit holografischer Speicherung. Die Speicherkapazität kann bis zu 3,9 TByte betragen. Weichelt erkennt auch hier die Werte für die Lebensdauer als theoretisch: „Leider können 50 Jahre nur dann erreicht werden, wenn das Medium lediglich einmal beschrieben und dann fachgerecht aufbewahrt wird.“ Absoluter Rekordhalter in der Disziplin Haltbarkeit dürften mit nachgewiesenen 170 Jahren (und errechneten 1000) übrigens die klassischen Mikrofiches sein.

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Schwarz auf weiß
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Es gibt daneben auch Medien, die sich im Laufe der Zeit als weniger gut herausgestellt haben. Der Backup-Profi formuliert es so: „Insbesondere bei den optischen Medien wie der CD-R oder DVD±R sind Zweifel angebracht, ob die von den Herstellern angegebene Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren erreicht werden kann.“ Ähnliches gelte auch für die in den USB-Sticks eingebauten Flash-Speicherbausteine. Als Datenträger für ein Backup im geschäftlichen Umfeld sind solche Medien also nur sehr bedingt einsetzbar.

Backups sind keine Archive
Die Verwechslung ist weit verbreitet. Dennoch: „Obwohl sie ähnliche Technologien benutzen, verfolgen Backup und Archivierung einen völlig gegensätzlichen Ansatz. Ein Archiv enthält diejenigen Daten, die sich nicht mehr ändern, sondern nur noch aufbewahrt werden. Hier geht es darum, die Daten über einen längeren Zeitraum geordnet abzulegen, um sie bei Bedarf gezielt wieder zu finden und darauf zugreifen zu können“, definiert Weichelt. „Ein Backup wird hingegen vor allem von aktuellen und sich ständig ändernden Daten gemacht. Hier ist das oberste Ziel, im Falle eines Desasters die Daten möglichst vollständig und vor allem aber möglichst schnell wieder herzustellen.“ Backups sind der Schutz gegen Produktionsausfall. Denn Zeit ist in solchen Fällen bares Geld.

Gut gelagert lebt länger

Woran erkenne ich also, ob meine Backups noch gut sind? „Leider gibt es keine eindeutigen Indikatoren, die auf Anhieb kenntlich machen, ob die Daten auf einem Sicherungsmedium noch in lesbarem Zustand sind“, bedauert Weichelt. Wenn aber z.B. die Software vermehrt Schreibfehler für das betreffende Medium ausweist, so ist dies ein eindeutiges Indiz dafür, dass das es ausgewechselt werden sollte.

Außerdem sind optimale Lagerbedingungen eine große Hilfe. „Für beschriebene Medien wie Magnetbänder geben die Hersteller eine Umgebungstemperatur von 5 bis 32° C bei 5 bis 80 % Luftfeuchtigkeit an“, meint der Fachmann – um abermals nachzusetzen: „Allerdings gelten diese Bedingungen nur für die kurzfristige Lagerung. Bei einer Langzeitaufbewahrung sollte die Temperatur 15 bis 25° C bei 30 bis 40 % Luftfeuchtigkeit betragen.“

Daneben hängt die Qualität von vielen weiteren Faktoren wie z.B. der Anzahl der Schreib-/Lesezyklen ab. Auch Umweltbedingungen wie Staub, Gase oder Chemikalien können sich negativ auf die Lebensdauer von Datenträgern auswirken.

Es muss aber nicht immer am Medium bzw. an den Lagerbedingungen liegen, wenn das Backup unbrauchbar wird. Allzu oft liegt die Schuld beim Menschen. „So ist es nicht sinnvoll, die Daten direkt vom Server über das Netzwerk auf das Band zu sichern“, erklärt Weichelt. „Wenn die dafür notwendigen Transferraten nicht erreicht werden, fällt das Laufwerk in einen so genannten Start-Stop-Betrieb. Das heißt: Werden die Daten über das Netzwerk nicht schnell genug geliefert, muss dass Bandlaufwerk anhalten (Stop) und warten, bis wieder genügend Daten im Puffer sind, und kann dann fortfahren (Start).“ So etwas kann die Lebensdauer von Laufwerk und Medien aber drastisch verkürzen. Hier helfen Verfahren wie die bereits genannten: Staging bzw. Backup-to-Disk-to-Tape.

Weitere häufige Fehler sind organisatorischer Natur, z.B. wenn die Backup-Medien ungeschützt oder gar am selben Ort gelagert werden. Im Falle eines Desasters sind dann Original und Kopie verloren. Eine wirksame Methode ist die Sicherung nach dem so genannten Generationenprinzip; dabei liegen die „Sohn“-Medien in einem Tresor und die „Vater“- bzw. „Großvater“-Medien lagert man an externe Standorte aus (z.B. in ein Bankschließfach).

Fazit: Test mit Katastrophenübung

Bei fahrlässigen Backups kennt Weichelt keine Gnade: „Da ein vollständiger Datenverlust den Fortbestand des Unternehmens gefährden kann, darf er einfach nicht passieren!“ Er rät daher zu regelmäßigen Notfallübungen, die sicherstellen, dass eine Sicherung auch wieder zurückgespielt werden kann.

Bei einem solchen Szenario könnte z.B. das aktuelle Backup auf ein Testsystem aufgespielt werden, das das Produktivsystem widerspiegelt. Beim anschließenden Restart kann dann kontrolliert werden, welche Daten noch existieren und wie lange die Wiederherstellung dauert. Das sei, so Weichelt, vollkommen praktikabel. „In kleineren Betrieben dauert eine solche Übung etwa zwei bis drei Stunden.“

Falls im Katastrophenfall weder die Originaldaten noch das Backup lesbar sind, bleibt ein professioneller Datenretter die letzte Chance. Er kann selbst dann noch Informationen wiederherstellen, wenn der Datenträger auf den ersten Blick vollständig zerstört ist. Aber darauf sollte man sich lieber nicht verlassen. Denn hoffnungslose Fälle gibt es auch hier, z.B. dann, wenn die magnetische Information physisch zerstört ist. Daher ist richtiges Vorsorgemanagement ein wichtiger Schritt. Schließlich geht es um nichts weniger als die Zukunft des Unternehmens.

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