Coaching im Mittelstand, Teil 2

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Alles zum Vorteil des Unternehmens

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Typischerweise wird der Coach nicht selber Inhalte erarbeiten, Konzepte erstellen und umsetzen. Sollte dies im Rahmen des Coachings erforderlich sein, müsste ein Beratungsprojekt initiiert werden. Da der Coach nicht gleichzeitig inhaltlich tätig und kritischer Unterstützer bei der Entscheidungsfindung sein kann, sollten beide Bereiche sauber voneinander getrennt bleiben.

In den meisten Fällen empfiehlt sich sogar die Einschaltung eines anderen Beraters mit einem genau definierten Beratungsauftrag. Hierbei bleibt die Rolle des Coaches eindeutig auf Seiten des Unternehmers.

Voraussetzungen, Ablauf und Ziele

Vertrauen ohne Misstöne

Die Grundlage der Zusammenarbeit mit einem Coach ist ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis, aber keine zu enge Beziehung. Neben dem Unternehmercoaching sollte es keine weiteren Geschäftsbeziehungen geben, die zu einem Interessenkonflikt führen könnten. Auch ist eine abgeschlossene frühere Geschäftsbeziehung nicht in jedem Falle förderlich, da sich frühere Rollenverteilungen oft in die Zukunft fortsetzen, ohne dass dies den Partnern bewusst wäre. In jedem Fall sollte aber sichergestellt sein, dass der Coach seine Aufgabe neutral und unvorbelastet wahrnehmen kann. Der Fokus der Empfehlungen muss ausschließlich auf den Vorteil des Unternehmens bzw. die Ziele des Unternehmers ausgerichtet sein.

Aus eigener Erfahrung

Ein Unternehmercoach sollte selber Erfahrungen als Unternehmer mitbringen. Theoretisches Wissen ist zwar oft hilfreich, ersetzt aber auf keinen Fall die Erfahrungen aus der Führung eines Unternehmens. Ob eigene Erfahrungen in der Branche helfen, ist offen und hängt stark vom jeweiligen Einzelfall ab. Oft ist eine nicht zu tief gehende Branchenkenntnis von Vorteil, da so auch eingefahrene Denkmuster infrage gestellt und Probleme aus einer neuen Perspektive angegangen werden können.

Serie: Coaching im Mittelstand
Teil 1 beginnt mit einer Systematik der Einsatzszenarien. Teil 2 sieht sich an, wann Coach und Unternehmer am besten miteinander können.

Direkt auf Führungsebene

Die Zusammenarbeit mit einem Unternehmercoach ist nur dann effizient, wenn sie unmittelbar mit dem Unternehmer erfolgt. Anders als bei klassischen Beratungsprojekten, die meistens in einer engen Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Unternehmens erfolgen, ist dies beim Coaching eher die Ausnahme. Eine Sonderform ist das Online-Coaching.

Keine Schnellschüsse

Ein weiterer Unterschied zum Beratungsprojekt liegt in der Dauer der Zusammenarbeit und in der Intensität. Coaching sollte als eine längerfristige Zusammenarbeit verstanden werden. Dafür sind meist wenige Stunden pro Woche für die gemeinsamen Gespräche anzusetzen, während das typische Beratungsprojekt in einem begrenzten Zeitraum eine höhere Anzahl von Manntagen benötigt.

Der konkrete Aufwand hängt aber natürlich vom Einzelfall und der jeweiligen Marktdynamik ab. Auch kann die Intensität der Betreuung im zeitlichen Ablauf schwanken.

Die Entscheidung liegt beim Chef

Eines kann und darf auch durch ein qualifiziertes Coaching nicht verändert werden: Die Entscheidung muss letztlich der Unternehmer treffen! Er ist dann auch derjenige, der für die Folge seiner Entscheidungen haftet.

Allerdings kann die Prüfung und Abwägung von wichtigen Entscheidungen mit einem neutralen und qualifizierten Coach als ein Teil im Risikomanagementprozess berücksichtigt werden. Durch ein dokumentiertes und nachweisbares Vorgehen für den Entscheidungsfindungsprozess kann der Geschäftsführer zumindest absichern, dass die persönliche Haftung mit seinem Privatvermögen begrenzt bleibt. Hierfür sind aber auf jeden Fall die Festschreibung im Risikomanagementprozess und die Dokumentation der eigentlichen Entscheidungsfindung und die Abwägung der Alternativen zu dokumentieren.

Fazit: Kein Coach kann zaubern

Die Zusammenarbeit mit einem Unternehmercoach macht für Geschäftsführer und Unternehmer auch im Mittelstand Sinn. Sie kann helfen, Entscheidungen aus einer neutralen Position zu überprüfen und gegebenenfalls neue Alternativen zu berücksichtigen. Natürlich ist auch die Hinzuziehung eines Coaches keine Garantie dafür, dass nicht doch Fehlentscheidungen vorkommen, und nicht alle Probleme oder Risiken lassen sich so lösen, dass sie in Chancen für das Unternehmen umgewandelt werden können.

Vieles hängt von der Auswahl des richtigen Coaches und der offenen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Geschäftsführer ab, wenn Unternehmercoaching zum Erfolg führen soll.

Nützliche Links

Eine Sonderform des Coachings stellt das Coaching per Telefon oder online dar, das in speziellen Situation ergänzend oder alternativ zum persönlichen Coaching vor Ort genutzt werden kann.