DSL-Alternativen

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Aus dem Abseits ins Internet

Von Sabine Philipp

Breitband ist in vielen Unternehmen ein Muss, aber noch längst nicht überall möglich. Ein Grund: Die Datenautobahn verläuft hierzulande zum größten Teil über die Telekom. Und die ist ein kommerzielles Unternehmen, das Gewinn machen möchte. Daher baut sie unlukrative Standorte in der Provinz nicht so gerne aus. So ist auf dem Lande oft nicht einmal DSL verfügbar.

Wenn Sie kein größerer Betrieb sind, der bereit ist, viel Geld für einen Glasfaseranschluss hinzulegen, wird man in ländlichen Regionen nicht viel für Sie tun. Aber auch als kleinerer Unternehmer müssen Sie nicht abwarten, bis die Task Force des Bundestags sich aufgerafft hat. Sie können sich durchaus selbst helfen.

Parallel per S-DSL

Sie haben eine zweite Leitung, die bis zum Vermittlungsknoten frei ist? Wunderbar. Dann können Sie mit symmetrischem DSL (SDSL) arbeiten. Das ist eine andere Form von DSL, bei der Sie im Grunde genommen die gesamte Bandbreite des Kabels nutzen können. Bei „normalem“ DSL wird durch das Telefon ein Teil des Frequenzbereichs belegt. Bei SDSL können Sie dagegen alle Bereiche nutzen. Logischerweise brauchen Sie dann aber eine zweite Leitung, da Sie sonst nicht mehr telefonieren können.

Der Vorteil dieser Lösung ist, dass Sie ein symmetrisches Produkt haben. Es herrscht also kein Ungleichgewicht beim Hoch- und Herunterladen. Allerdings ist diese Anbindung beträchtlich teurer, da es sich um ein Nischenprodukt handelt.

Thema: Breitbandausbau
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Dr. Jürgen Kaack hat eine Reihe von Projekten als Berater begleitet. Einige aus der Region Nordrhein-Westfalen stellt er ausführlicher als Best-Practice-Beispiele vor: Arnsberg, Ennepetal, Erftstadt, Erkelenz und Wegberg sowie die Lage im gesamten Kreis Heinsberg, ferner Geilenkirchen, Haltern am See, Kaarst, Nettetal und Rheurdt. Außerdem berichtet er von der T-City Friedrichshafen, erläutert die möglichen Geschäftsmodelle im kommunalen Breitbandausbau sowie die Optionen der NGA-Rahmenregelung und setzt auseinander, wo Vectoring seine Haken hat. Nicht zuletzt skizziert er die Prinzipien einer Breitbandstrategie NRW und macht handfeste Vorschläge für eine umfassende Breitbandstrategie. Seine gesammelten Erfahrungen sind 2016 in der Reihe MittelstandsWiki bei Books on Demand erschienen: „Schnelles Internet in Deutschland“ (Paperback, 220 Seiten, ISBN 978-3-946487-00-5, 9,99 Euro).

Mit der Antenne ins Netz

Dann können Sie es über Funk versuchen. Neben Mobilfunk gibt es den Standard Worldwide Interoperability for Microwave Access (WiMAX). Das funktioniert so, dass ein Betreiber eine Anbindung zur nächsten Vermittlungsstelle herstellt und dann die Teilnehmer über Funk anbindet. Dazu brauchen Sie aber eine gute Funkverbindung.

Das System ist unabhängig vom Mobilfunk; die Telekom hat sich hier zurückgezogen. So mieten kleine, private Betreiber Standleitungen, z.B. vom magentafarbenen Riesen, und binden Ihr Unternehmen per Funk an. Der Nachteil: Da auch dies ein Nischenprodukt ist, bekommen Sie es nicht gerade günstig. Außerdem müssen Sie die Ihnen zur Verfügung stehende Bandbreite mit allen anderen Nutzern teilen. Sprich: Je mehr Leute surfen, desto weniger Daten können Sie übertragen.

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Schwarz auf Weiß
Eine aus­führliche Dar­stellung zum Thema Daten­funk gibt Dr. Jürgen Kaack im Rat­geber „WiMAX, WLAN, UMTS – Funk als Alternative zu DSL“, den Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki bekommen.

Nach UMTS umsehen

Günstiger und effektiver ist UMTS bzw. der Folgestandard HSDPA (High Speed Downlink Packet Access), denn es hat eine höhere Bandbreite. Allerdings benötigen Sie auch eine höhere Dichte an Basisstationen – und daran hapert es auf dem Land. Außerdem brauchen Sie eine UMTS-fähige Basisstation in Ihrer Nähe.

Ausbau erkunden
Da viele Menschen Mobilfunk kritisch gegenüberstehen, werden Sie von einem möglichen Ausbau meist nichts in der Zeitung lesen. Informieren Sie sich daher auf den Webseiten von Vodafone und T-Mobile, den Anbietern für HSDPA, ob es eine Abdeckung für Ihren Standort gibt. Bei den Betreibern können Sie erfahren, ob und wann ein Ausbau geplant ist.

Noch ist der Bereich, der mit UMTS und HSDPA abgedeckt ist, kleiner als bei dem klassischen GSM-Netz. Wenn es sich aber lohnt, werden sie ausgebaut. Vorerst kann das allerdings noch dauern. Es ist also kein gangbarer Weg für sofort. Für Unternehmen mit hundert Mitarbeitern ist die Funklösung ohnehin ungeeignet. Firmen dieser Größenordnung, die auch bereit sind, sich am Glasfaserausbau zu beteiligen, kommt die Telekom auch beim Breitband entgegen.

Verbundlösungen finden

Wenn diese Beispiele auf den ersten Blick nicht für Sie in Frage kommen, könnten Sie sich immer noch mit anderen Unternehmen zusammenschließen bzw. eine Initiative bilden. Denn gemeinsam ist man nicht nur stärker, sondern verspricht auch mehr Gewinn für die Unternehmen, die dann eher bereit sind, etwas in der Region zu investieren. Vielleicht liegen sogar schon Leerrohre, etwa vom lokalen Stromversorger. Das macht den Glasfaserausbau günstiger, da nicht alles aufgegraben werden muss. Am besten setzen Sie sich mit anderen Betroffenen zusammen und überlegen gemeinsam, was zu tun ist.

Serie: Digitale Infrastruktur
Die Einführung beginnt in Berlin und klärt die Rahmenbedingungen in Deutschland. Ein erster Regionalschwerpunkt widmet sich dann dem Westen und Nordrhein-Westfalen. Weitere Regionalreports konzentrieren sich auf den deutschen Südwesten und auf Bayern. Ein Extra-Beitrag berichtet außerdem über den Stand der NGA-Netze in Österreich.

Fazit: Argument für den Standort

Das Problem ist offenbar: Wo es keine Standardlösung gibt, kann es kompliziert und teuer werden. Das gilt es z.B. bei einer Betriebsverlegung zu bedenken. Wenn Sie sich also einen neuen Standort suchen, dann sollte auch die Internet-Anbindung ein wichtiges Entscheidungskriterium sein. Gerade beim besonders schnellen VDSL können bereits hundert Meter mehr Distanz zur Verbindungsstelle (bzw. Outdoor-DSLAM) über den Superanschluss entscheiden.

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