Finanzierungsalternativen im Mittelstand, Teil 1

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Damit das Kapital mitspielt

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Eine der Ursachen dafür, dass die Zahl der Insolvenzen – obwohl schwankend – auf meist unguter Höhe bleibt, ist darin zu suchen, dass der deutsche Mittelstand vielfach Probleme mit der Finanzierung von Umlauf- und Anlagevermögen und des weiteren Wachstums hat. Da in Deutschland die Eigenkapitalquote mit durchschnittlich 7 % im internationalen Vergleich sehr niedrig ist, fällt entsprechend die Rating-Bewertung nach Basel II ungünstig aus.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich viele Unternehmer immer noch schwer tun, die in den qualitativen Rating-Faktoren geforderten Prinzipien der marktorientierten Unternehmensführung zu erfüllen.

Die Konsequenz ist in zu vielen Fällen, dass die Hausbanken Fremdkapital nicht in dem Maße bewilligen, wie es für die Unternehmen notwendig wäre. Dies kann die Umsetzung von Wachstumsvorhaben verzögern oder schlimmstenfalls sogar unmöglich machen.

Das Finanzierungsproblem stellt sich nicht nur den etablierten Unternehmen, sondern auch Gründern, die ein neues Unternehmen aufbauen wollen, und Unternehmern, die das weitere Wachstum ihres Unternehmens finanzieren wollen. Auch im Bereich der Unternehmensnachfolge im Mittelstand ist die Finanzierung des Kaufpreises für den Nachfolger oft eine erhebliche Hürde.

Serie: Finanzierungsalternativen im Mittelstand

  • Teil 1 skizziert die Lage und stellt Werk­zeuge zur Liqui­ditäts­sicherung vor.
  • Teil 2 widmet sich der Be­schaf­fung von Eigen­kapital und taxiert die Typen­reihe der Investoren.
  • Teil 3 erläutert das konkrete Vor­gehen bei Kon­takt und Ver­handlung.

Für die unterschiedlichen Problembereiche gibt es dabei nicht die eine Finanzierungsalternative, wie es sich in der Vergangenheit durch die jeweilige Hausbank darstellte – heute ist es erforderlich, dass sich der Unternehmer nach den verschiedenen angebotenen Möglichkeiten umsieht und in der Regel auch mehrere Finanzierungslösungen unterschiedlicher Partner nutzt.

Flüssig bleiben

Für bestehende Unternehmen ist zunächst zu prüfen, was sich angesichts der operativen Geschäftslage in der Liquiditätsbeschaffung optimieren lässt, etwa durch die Aktivierung von immateriellen Vermögenswerten. Anders als in den angelsächsischen Ländern werden in Deutschland bislang noch in viel zu geringem Maße die Möglichkeiten alternativer Finanzierungsinstrumente genutzt.

Factoring

Es gibt mittlerweile Factor-Unternehmen, die sich auf den Mittelstand und seine spezifischen Anforderungen konzentrieren. Mit einfachen Prüfungsverfahren und teilweise hohen Auszahlungsquoten von über 80 % wird auch eine umsatzproportional mitwachsende Finanzierung angeboten.

Der anfallenden Factoring-Gebühr steht die schnelle Verfügbarkeit der Liquidität gegenüber, die es ermöglicht, Lieferantenskonti zu nutzen und die Kreditlinie zu reduzieren. Außerdem wird die Buchhaltung entlastet und die Bilanz kann verkürzt werden.

Diese Faktoren können wiederum die Bewertung im Rating-Prozess der Hausbank verbessern. Factoring steht also nicht im Wettbewerb zu anderen Finanzierungsformen, sondern ergänzt sie.

Serie: Finetrading

  • Teil 1 erklärt, wie Waren­einkaufs­finanzierung zu­sätz­liche Liqui­dität generiert.
  • Teil 2 rechnet Kon­ditio­nen und Limits durch.
  • Teil 3 prüft, wann und für wen Fine­trading Früchte trägt.

Finetrading

Der Kerngedanke des Finetrading-Konzepts besteht darin, durch eine Vorfinanzierung Lieferantenrechnungen umgehend zu begleichen, dadurch den Skonto zu erhalten und mit diesem Betrag wiederum die Kosten der Vorfinanzierung – je nach Dauer der Vorfinanzierung teilweise oder ganz – abzudecken. Unterm Strich entsteht so zusätzliche Liquidität.

Forderungsmanagement

In Zeiten einer generell verschlechterten Zahlungsmoral mit längeren Zahlungsfristen und einem steigenden Forderungsausfallrisiko ist die laufende und zeitnahe Überwachung der Forderungen unabdingbar.

Unternehmen, bei denen zahlreiche Rechnungen mit eher niedrigen Durchschnittsbeträgen ausstehen, sollten den Einsatz von professionellen Inkasso-Unternehmen prüfen, um das Forderungsmanagement effizient zu gestalten. Dies ist in der Regel nicht mit wesentlichen Kosten verbunden, da das Inkasso-Unternehmen zusätzliche Beitreibungskosten erheben kann, die den Aufwand decken. Auf jeden Fall ist so sichergestellt, dass Mahnungen rechtzeitig erstellt werden und die Gläubiger zeitnah und professionell angesprochen werden.

Selbst wenn das Unternehmen nicht zahlreiche Forderungen hat, kann z.B. in der Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt eine effiziente Beitreibung offener Posten betrieben werden.

Leasing-Varianten

In etlichen Fällen sind auch Leasing-Modelle nicht zu verachten. Allerdings sollten Sie die Leasing-Verträge im Einzelfall von Steuerprofis durchkalkulieren lassen, denn oft spielt neben der Liquiditätssicherung auch der Abschreibungsaspekt eine wichtige Rolle. Die Sonderform von Sale-and-Lease-Back ermöglicht z.B. eine mitunter recht attraktive Sorte von Anlagenfinanzierung.

Thema: Leasing

Jeder Hebel bewegt

Die genannten Instrumente zur Liquiditätssicherung sollten Sie keinesfalls unterschätzen – auch dann nicht, wenn Ihnen bereits klar ist, dass Sie sich handfest um Investoren bemühen müssen und die Eigenkapitalquote verbessern.

Freilich gilt: Die mit Abstand beste Methode zur Erhöhung des Eigenkapitals ist die Thesaurierung von Unternehmensgewinnen. (Dies sollte grundsätzlich für jeden Unternehmer die erste und bevorzugte Methode sein.) Allerdings gibt es durchaus Fälle, in denen das aus dem operativen Geschäft nicht möglich oder nicht schnell genug möglich ist.

In diesen Fällen wird der nächste Weg die Kapitalsuche im Kreise der heutigen Gesellschafter sein. Erst wenn dies nicht funktioniert, wird sich der Unternehmer nach außen wenden und versuchen, externe Investoren zu finden.

Ob dabei Mittel für eine offene oder stille Beteiligung gesucht werden, hängt von der jeweiligen Situation und den Interessen der Gesellschafter abhängen. Welche Möglichkeiten sich konkret bieten, legt Teil 2 dieser Serie dar.

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