Fisch aus Japan

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Vorläufige Entwarnung

Von Michael J.M. Lang

Die japanische Kernkraftwerkskatastrophe in Fukushima bereitet den deutschen Verbrauchern anhaltend Sorgen. Der Anteil an Lebensmitteln aus Japan ist – verglichen mit den Einfuhren aus dem Rest der Welt – zwar eher gering, aber vor allem japanische Fischprodukte er­freu­en sich in Deutschland großer Beliebtheit. Angesichts der Lage der havarierten Kraftwerke direkt an der japanischen Küste fragen sich deshalb viele, wie es um die Radioaktivität japanischer Fischpro­duk­te bestellt ist. Dazu nachfolgend eine Einschät­zung der Wissenschaftler des Heinrich von Thünen-Instituts (vTI).

Das Institut ist nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz von 1986 in Deutschland als Leitstelle für die Überwachung der Umweltradioaktivität in Fischen und Fischereiprodukten zuständig. In dieser Funktion beobachten die Wissenschaftler im vTI die Lage in Japan besonders aufmerksam.

Wichtig!
Die nachfolgenden Ausführungen des Instituts sind unter dem Aspekt zu betrachten, dass die hier eingeflossenen Informationen und Einschätzungen des Instituts dem Stand der Entwicklung vom Nachmittag des 14. März 2011 entsprechen.

Zerfall im Wasser

Zu den in Fukushima freigesetzten Radionukliden gehören hauptsächlich die leicht flüchtigen Edelgase Xenon (Xe-133, Xe-135) und Krypton (Kr-85) sowie radioaktives Iod (I-131). In der Nähe des Reaktors sollen zudem geringe Aktivitäten von radioaktivem Cäsium (Cs-134, Cs-137) gefunden worden sein.

Die Wissenschaftler des vTI gehen davon aus, dass durch die vorherrschende Windrichtung vor allem die Edelgase und das Iod auf den Pazifischen Ozean südöstlich von Japan verdriftet werden. Dort werden sie sich zunächst im Meerwasser niederschlagen. Über das Meerwasser können Meeresorganismen, so auch Fische und Wasserpflanzen, mit den Radionukliden in direkten Kontakt kommen. Hierbei wird aber nur Jod aufgenommen, da es sich bei den Xenon- und Krypton-Isotopen um wenig reaktive Edelgase handelt, die von Organismen nicht verstoffwechselt werden. Zudem sind die aus dem Wasser in die Fische transferierten Jod-131-Aktivitäten aufgrund der starken Verdünnung im Pazifischen Ozean als sehr gering einzuschätzen.

Das Jod-Isotop I-131 ist ein Beta-Strahler mit einer Halbwertszeit von rund acht Tagen, was zur Folge hat, dass das freigesetzte Jod nach rund 80 Tagen in nicht radioaktives und inertes Xenon-131 zerfallen ist.

Eine Gefährdung der deutschen Verbraucher durch Fisch aus Japan, der mit radioaktivem Jod kontaminiert ist, kann daher zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden. Sollte jedoch noch zu einer Freisetzung von größeren Aktivitäten an radioaktivem Cäsium kommen, muss eine Neubewertung der Situation vorgenommen werden.

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