Berufsbild SAP-Experte

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Die ERP-Planungsspezialisten

© kentoh – Fotolia

Von Nils Greinert, Gambit Consulting

Zumindest im deutschsprachigen Raum ist SAP das wohl verbreitetste Produkt im Bereich Enterprise Resource Planning (ERP). Mit SAP HANA steht zudem eine In-Memory-Datenbanktechnik zur Verfügung, die künftig zur Basis der Produktgeneration S/4HANA wird. Die betrieblichen Rahmenbedingungen stellen an das ERP-System permanent neue Anforderungen: Es kommen neue Geschäftsfelder hinzu, Prozesse erweitern sich, die Software selbst wird im Zuge der digitalen Transformation zum Treiber neuer Business-Modelle. All dies muss softwareseitig abgebildet werden. An der Schnittstelle zwischen betriebswirtschaftlichen Vorgängen und dieser IT-Landschaft agiert der SAP-Experte.

Von der Analyse bis zur Schulung

Das Customizing findet üblicherweise im Rahmen von Projekten statt, bei denen der SAP-Spezialist eng mit den Anwendern der Fachbereiche interagiert, um ihre Anforderungen aufzunehmen. SAP Consultants erstellen auf dieser Basis ein Konzept, das anschließend von den SAP-Entwicklern programmiertechnisch umgesetzt wird. Vor seinem Einsatz durchläuft das System umfangreiche Tests und wird in Pilotinstallationen von ausgewählten Usern auf Herz und Nieren geprüft. Auch diese Aufgaben gehören zum Jobprofil des SAP-Experten, ebenso wie Qualitätssicherung, Maintenance, weitere Anpassungen und Schulungen.

Technische Fähigkeiten, verbunden mit betriebswirtschaftlichem Know-how, sind also die Grundvoraussetzung für den SAP-Experten. Bei den Entwicklern liegen die Schwerpunkte auf der Beherrschung verschiedener Programmiersprachen, allen voran natürlich ABAP (Advanced Business Application Programming). Für SAP Consultants kommt es vor allem auf Prozess- und Branchenkenntnisse an. Weil das Themengebiet so breit ist, ist eine Spezialisierung hilfreich, sei es auf Finanzen und Controlling (SAP-Module FI/CO), Materialwirtschaft (MM), Business Intelligence (BI), Human Resources (HR) oder Customer Relationship Management (CRM). Häufig konzentrieren sich SAP-Experten zudem auf dezidierte Branchen wie Automobil- oder Chemieindustrie, den Handel, den Finanz- oder Energiesektor.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Magazin­reihe „IT & Karriere“ erschienen. Einen Über­blick mit Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften be­kommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Der Einsatz lohnt sich

Die Verdienstmöglichkeiten für SAP-Fachkräfte sind durchaus beachtlich. Etwa zwei Drittel sind hierzulande fest angestellt, der Rest arbeitet freiberuflich. Bei einer Festanstellung bemisst sich die Gehaltshöhe an verschiedenen Parametern: Bildungsabschluss, individueller Berufserfahrung, Branche und Einsatzfeld. Selbst zwischen den einzelnen SAP-Modulen kann es je nach Marktlage Unterschiede geben.

Die Tätigkeit als SAP-Experte verlangt dem Einzelnen aber auch einiges ab. Weil SAP-Projekte in der Regel direkt beim Kunden betreut werden, ist von einer hohen Reiseaktivität auszugehen. In den ersten Jahren ist man gut und gerne drei bis fünf Tage pro Woche unterwegs. Der SAP-Spezialist arbeitet dann über mehrere Wochen oder gar Monate mit einem Team aus Beschäftigten verschiedener Abteilungen eng zusammen. Deshalb sind Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie die Freude am Umgang mit anderen Menschen essenziell: Zwar geht es vorrangig um Software, doch der Arbeitsalltag eines erfolgreichen SAP Consultants hat mit dem eines Nerds im stillen (Programmier-)Kämmerlein nur wenig zu tun.

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Nils Greinert ist Head of Marketing & Communications bei Gambit Consulting. Die erfahrene IT- und SAP-Beratung unterstützt Firmen im digitalen Wandel bei der Konzeption und Anpassung ihres ERP-Systems – speziell auch mit Wechsel zu SAP S/4 HANA –, übernimmt auch selbst die Umsetzung/Betreuung und entwickelt auf Kundenwunsch ABAP-programmierte Sonderlösungen.


Gambit Consulting GmbH, Junkersring 35, 53844 Troisdorf, Tel.: (02241) 8845-455, info@gambit.de, www.gambit.de

Quereinsteiger sind willkommen

Wer nach dem BWL-Studium einen Berufseinstieg als SAP Junior Consultant oder SAP Trainee wählt, hat derzeit sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Denn die Nachfrage nach SAP-Spezialisten übersteigt die Zahl freier Kräfte bereits seit mehreren Jahren. Wer gut ist, kann sich die Jobs quasi auswählen. Eine Tendenz, die sich angesichts von S/4HANA noch verstärken wird.

Ein Studium mit wirtschaftlich-technischer Ausbildung ist sicherlich die beste Eintrittskarte in eine Karriere als SAP Consultant. Trotzdem ist auch hier der Quereinstieg möglich, unabhängig von Studienrichtung und erstem Job. Denn angesichts der Komplexität der Aufgaben kommt es vor allem auf IT-Know-how und die Fähigkeit, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge analytisch zu erfassen, an – das Grundgerüst eines jeden SAP Consultants, gleich welcher Herkunft. Dies gilt gerade für das Thema S/4HANA. Sich zertifizieren zu lassen und dafür einen Kursplatz bei SAP zu ergattern, ist allerdings schwieriger, als so mancher denkt, denn die Schulungen sind über lange Zeit ausgebucht. Auch hier ist also die berufsbegleitende Beschäftigung mit der neuen Technologie umso wichtiger, um für kommende Migrationsprojekte gerüstet zu sein.

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