Gastbeitrag: Breitbandausbau 2012

Aus MittelstandsWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kommunen müssen selbst anpacken

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Thema verpasst?

In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine gute Breitbandversorgung ein wichtiger Standortfaktor ist. Unternehmen entscheiden sich nur dann zugunsten eines Standortes, wenn die verfügbare Bandbreite zumindest ausreichend ist. In einzelnen Fällen müssen Unternehmen sogar von einem Standort wegziehen, wenn der Produktionsfaktor Breitband nicht hinreichend leistungsfähig ist.

Was für Unternehmen gilt, trifft auch für private Haushalte zu. Die Internet-Nutzung hat mittlerweile fast alle Lebensbereiche durchdrungen und geht weit über den Bereich des Entertainments hinaus. Für viele Berufstätige ist ein funktionierendes Home Office schon längst kein Luxus mehr, sondern wird vom Arbeitgeber vorausgesetzt.

So muss sich mancher Arbeitnehmer bei der Wahl seines Wohnortes nicht zuletzt aufgrund der gegebenen Bandbreite entscheiden. Auch Familien mit schulpflichtigen Kindern benötigen einen schnellen Internet-Zugang. Wohnungsvermieter spüren den Bedarf ebenso deutlich – Immobilien mit schlechter Breitbandversorgung lassen sich entweder gar nicht oder nur mit Abschlägen auf den Mietzins vermarkten.

Der Regelausbau ist abgeschlossen

Vorhaben zum Gastbeitrag:Breitbandausbau laufen auch 2012 mit ungebremster Dynamik. Entsprechend dem weiter steigenden Bandbreitenbedarf wird die Situation insbesondere in unterversorgten Gebieten im ländlichen Raum immer weniger akzeptabel. Während in den Ballungsgebieten in der Regel mehrere Netzbetreiber im Wettbewerb immer höhere Bandbreiten anbieten und auch in steigendem Maße Glasfaserhausanschlüsse gebaut werden, stagniert der Ausbau in vielen ländlichen Regionen selbst bei der Sicherstellung der Grundversorgung. Trotz des auch in den nächsten Jahren weiter steigenden Bedarfs an Übertragungskapazitäten wird alleine durch die Netzbetreiber nur in wenigen Fällen ein weiterer Ausbau der Infrastrukturen erfolgen.

Regionen, die heute schlecht versorgt sind, können die im Wettbewerb arbeitenden TK-Netzbetreiber in den meisten Fällen tatsächlich nicht wirtschaftlich ausbauen. Sofern sich „nur“ aufgrund der Investitions- und Betriebskosten eine Deckungslücke im Vergleich zu den zu erwartenden Mehreinnahmen ergibt, kann ein Ausbau gegen Zahlung einer einmaligen Zuwendung erfolgen (hierfür gibt es aufgrund des europäischen Beihilferechts allerdings enge und im Einzelfall zu prüfende Grenzen).

Fördermittel nur für unterversorgte Gebiete

Bislang erfolgt(e) der Ausbau unterversorgter Gebiete in vielen Fällen unter Nutzung von Fördermitteln aus dem Konjunkturpaket II (bis Ende 2011) sowie dem GAK- und GRW-Programm (bis Ende 2013). In dünner besiedelten Gebieten kann aber schon der laufende Betrieb einer ADSL- oder VDSL-Infrastruktur unwirtschaftlich sein. Dann wird kaum ein Betreiber einen Ausbau vornehmen, selbst bei Zahlung einer einmaligen Zuwendung. In diesen Fällen ist langfristig nur mit alternativen Anschlusstechnologien eine Lösung zu schaffen, z.B. mittels eines Glasfaserhausanschlussnetzes (FttH oder FttB).

Die EU-Kommission hat Gebiete mit mehrheitlich weniger als 2 MBit/s als „unterversorgt“ definiert und stellt Fördermittel für den Breitbandausbau bereit. Allerdings müssen je nach Förderprogramm unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt sein, und das betroffene Gebiet muss in der definierten Förderkulisse liegen. 2010 und 2011 haben bereits zahlreiche Kommunen Projekte zur Verbesserung der Versorgungssituation durchgeführt und die vorhandenen Fördermittel genutzt.

Thema: Breitbandausbau
Dr. Jürgen Kaack hat eine Reihe gelungener Projekte als Berater begleitet. Etliche aus der Region Nordrhein-Westfalen stellt er als Best-Practice-Beispiele vor: Arnsberg, Ennepetal, Erftstadt, Erkelenz und Wegberg sowie die Lage im gesamten Kreis Heinsberg, ferner Geilenkirchen, Haltern am See, Kaarst, Nettetal und Rheurdt. Außerdem berichtet er von der T-City Friedrichshafen, skizziert das Vorgehen beim Aufbau von Glasfasernetzen, erläutert die möglichen Geschäftsmodelle im kommunalen Breitbandausbau sowie die Optionen der NGA-Rahmenregelung und setzt auseinander, wo Vectoring seine Haken hat. Nicht zuletzt skizziert er die Prinzipien einer Breitbandstrategie NRW und macht handfeste Vorschläge für eine umfassende Breitbandstrategie.

Die Förderprojekte sind generell nur auf die Absicherung der Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s ausgerichtet. Oft gelingt es allerdings, mit FttC-Konzepten deutlich höhere Bandbreiten zu realisieren. Obwohl es nach Schätzung von STZ-Consulting außerhalb der Ballungsgebiete immer noch bis zu 20 % unterversorgte Haushalte gibt, ist es unsicher, in welchem Ausmaß 2012 Fördermittel bereitgestellt werden. In Hessen hat man das Vorhaben einer Förderung des Breitbandausbaus für die Grundversorgung z.B. schon für abgeschlossen erklärt und konzentriert sich auf die Begleitung von NGA-Netzen (Next Generation Access). Es ist nicht absehbar, ob die für NRW im Haushalt 2012 vorgesehenen Mittel tatsächlich beschlossen und zur Finanzierung aller für 2012 geplanten Vorhaben ausreichen werden.

Ausbau nicht ohne Eigeninitiative

Wie gesagt: Ein Breitbandausbau mit Fördermitteln ist derzeit nur in unterversorgten Gebieten innerhalb der jeweiligen Förderkulisse möglich. Gebiete, die heute mehrheitlich mit mehr als 2 MBit/s, aber weniger als 16 MBit/s versorgt sind und in denen nur ein Anbieter mit eigener Infrastruktur tätig ist, werden daher zunehmend benachteiligt. Denn ein weiterer Regelausbau der Betreiber ist unwahrscheinlich und die heute vielleicht noch für die Mehrzahl der Nutzer ausreichende Versorgung wird schon in wenigen Jahren unzureichend sein. In diesen Regionen wird zukünftig nur durch eigene Initiativen der betroffenen Kommunen und Kreise für den Aufbau passiver Infrastrukturen (Leerrohre als Kabelschutzrohre für Glasfaserleitungen) zwischen den Netzknoten und den einzelnen Hausanschlüssen eine Verbesserung der Versorgungssituation möglich sein.

Die Breitbandversorgung sollte als ein Element der Daseinsvorsorge erkannt und behandelt werden. Hierfür müssen eindeutige Zuständigkeiten für den Netzaufbau in den Kreisen und Kommunen geschaffen werden, die über eine zeitlich befristete Projektverantwortung weit hinausgehen. In Zeiten knapper Haushaltsmittel ist dies keine einfache Aufgabe, da die erforderlichen Budgets auch für andere wichtige Aufgaben der öffentlichen Verwaltung benötigt werden. Trotzdem müssen Prioritäten neu bewertet werden, da andernfalls die Attraktivität des Standortes gefährdet ist. Nach Schätzung von STZ-Consulting sind mit bis zu 40 % aller Haushalte in Deutschland erhebliche Teile der Bevölkerung betroffen (und natürlich auch der Unternehmen).

Neue Hausanschlussnetze zu errichten ist teuer, die Tiefbauarbeiten bilden mit 70–80 % an den Gesamtkosten den größten Kostenblock. Reduzieren lassen sich diese Kosten nur durch Nutzung von Synergien mit anderen Baumaßnahmen im Straßenraum, d.h. durch eine Verlegung der benötigten Leerrohre im Beilauf. Wenn diese Verlegung nicht mit anteiligen Kosten für die Öffnung des Grabens belastet wird, lassen sich die Kosten von 70–90 Euro/m auf ca. 6 Euro/m senken.

Allerdings ist vor Beginn der ersten Verlegungsarbeiten die Erstellung eines Masterplans erforderlich, der die genaue Trassenführung, die Standorte der Netzknoten und die Dimensionierung der aus Bündeln von einzelnen Minischutzrohren bestehenden Leerrohre festschreibt.

Da der Aufbau von passiven Anschlussnetzen im Beilauf mit anderen Tiefbauvorhaben einen langen Zeitraum benötigt, sollten parallel in den unterversorgten Gebieten Projekte zu einem Ausbau mit einer der zur Verfügung stehenden Technologie vorangetrieben werden, die als Überbrückung möglichst nachhaltig gestaltet werden, z.B. mit Fiber-to-the-Curb-Ansätzen oder mit Funklösungen.

Fazit: Netzaufbau ist eine Langfristaufgabe

Sowohl für die Umsetzung von Überbrückungslösungen, als auch für den neuen Aufbau eines Hausanschlussnetzes sind Eigenmittel der jeweiligen Kommune oder des Kreises unverzichtbar. Sofern Fördermittel genutzt werden können, sind die Eigenmittel zwar in der Regel niedrig, müssen aber im Falle von Haushaltssicherungskommunen durch die Kommunalaufsicht genehmigt werden.

Die Kosten für den Aufbau von passiven Hausanschlussnetzen sind in ihrer Höhe im Vergleich zu den anderen Versorgungsleitungen bei Nutzung von Synergien wirtschaftlich vertretbar. Allerdings entstehen z.B. mit der Erstellung des Masterplans zusätzliche Kosten, und wenn einzelne Straßenzüge vorzeitig zu geschlossenen Glasfaseranschluss-„Inseln“ zusammengefügt werden sollen, in denen gemeinsam mit einem Netzbetreiber schnelle Zugänge realisiert werden können, reicht eine Verlegung von Leerrohren im Beilauf alleine nicht aus. Die Planung und der Ausbau einer zukunftssicheren Breitbandinfrastruktur werden daher Kreise und Kommunen mit zusätzlichen Kosten belasten. Nur in den Kernstädten sind bei funktionierendem Wettbewerb keine öffentlichen Investitionen erforderlich.

Dr Juergen Kaack.JPG
Die STZ-Consulting Group ist eine Unternehmens­beratung, die Unternehmen und Kommunen bei der Bewältigung von Veränderungs­prozessen unterstützt, von der Entwicklung trag­fähiger Konzepte bis zur Um­setzung. Die Partner der STZ-Consulting Group haben lang­jährige Erfah­rungen aus eigener operativer Führungs­tätigkeit in Unter­nehmen, aus der Gründung und dem Aufbau von Unter­nehmen sowie in der Beratung. Ein Branchen­schwerpunkt liegt in der Tele­kommunikation.

Dr. Jürgen Kaack – STZ-Consulting Group, Kolibristr. 37, 50374 Erftstadt, Tel. 02235-988776, info@stz-consulting.de, www.stz-consulting.de.

Da sich Kommunen und Kreise auf den Bereich der passiven Infrastruktur beschränken sollten, wie dies auch in der Bundesrahmenregelung Leerrohre beschrieben wird, wird mindestens ein Partner benötigt, der die aktive Technik mit Beleuchtung der Glasfaser und Betrieb einer Diensteplattform übernimmt, Dienste (Telefonie, Internet-Zugang, Fernsehen, Anwendungen) bereitstellt und das Kundenmanagement von der Akquisition bis zur Abrechnung übernimmt. Die einzelnen Aufgaben können durchaus auch von unterschiedlichen Anbietern erbracht werden. Dabei bietet eine offene Diensteplattform („Open Access“) gerade regional tätigen mittelständischen Anbietern von Speziallösungen attraktive zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.

STZ-Consulting unterstützt Kommunen auch 2012 bei der Verbesserung der Breitbandversorgung, wenn möglich unter Nutzung von Fördermitteln. Dabei geht es teilweise um reine Wohn- oder Gewerbegebiete, teilweise um gemischte Siedlungsgebiete. Parallel zu diesen Vorhaben zur Beseitigung von Unterversorgungssituationen mit geeigneten Überbrückungslösungen begleitet STZ-Consulting Kreise und Kommunen bei der Konzeption und Umsetzung der langfristigen Vorhaben zum Aufbau von Glasfaseranschlussnetzen.

Nützliche Links

Anzeige
Buying|Butler

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>