Energieeffizienz im Rechenzentrum

Aus MittelstandsWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

DIN EN 50600 macht erfinderisch

© Franz – Fotolia

Thomas Wermke, Schäfer IT-Systems

Die DIN EN 50600 bringt zum einen ein Umdenken, einen frischen Wind in die Rechenzentren. Zum anderen fördert sie auch die aktive Auseinandersetzung mit bestehenden Problemen. Denn eines ist gewiss: Das Energiemanagement gehört zu den Kernherausforderungen eines effizienten Datacenters. Das zeigt sich sehr deutlich in der Klimatisierung, die immer noch den größten Anteil in der Betriebskostenbetrachtung ausmacht. Ist sie zu schwach, überhitzt die IT. Ist sie zu stark, entstehen enorme Betriebskosten. Durch gezielte Produktoptimierung kann jedoch jeder RZ-Verantwortliche einen kühlen Kopf bewahren.

Anzeige

Selbstverständlich ist nicht jede Produktoptimierung der EN 50600 geschuldet. Jedoch schaffen die Normen ganz nebenbei die notwendigen Impulse für neue Innovationen und Produktideen. Nach dem Motto „Not macht erfinderisch“ nehmen Unternehmen, die Dienstleistungen und Produkte rund um Datacenter anbieten, die Anforderungen der EN 50600 zum Anlass, neue Lösungen kreativ umzusetzen. Bereits am vermeintlich kleinen Beispiel einer Seitenkühlerlösung zeigt sich, wie dessen Verbesserung die Effizienz der Klimatisierung und damit des gesamten Rechenzentrums steigern kann.

Praxisbeispiel: Seitenkühler

Voraussetzung sind in erster Linie intelligente Lösungen. Um den Energieverbrauch effizient zu regeln, muss der Seitenkühler beispielsweise in der Lage sein, die Auslastung der IT-Komponenten selbstständig zu erkennen. Ist sie gering, kann er die Kaltwasservorlauftemperatur gleitend nach oben anpassen. Dadurch können die Kaltwassersätze mit einer längeren Freikühlphase energieeffizienter betrieben werden. Das leistet wiederum einen signifikanten Beitrag zur Betriebskostensenkung und hat damit deutlichen Einfluss auf die Power Usage Effectiveness (PUE).

Thomas-Wermke.jpg

Thomas Wermke ist Vertriebsleiter bei Schäfer IT-Systems, das zu den Schäfer-Werken gehört. Das Tochterunternehmen entwickelt und produziert am Standort Betzdorf/Sieg innovative Server- und Netzwerkschränke sowie kundenspezifische Rechenzentrumslösungen. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei auf messbaren Kosten- und Energieeinsparungen.


Schäfer IT-Systems – Schäfer Ausstattungs-Systeme GmbH, Industriestraße 41, 57518 Betzdorf, Tel.: 02741-283-770, sales@schaefer-it-systems.de, www.schaefer-it-systems.de

Neben neuen Lösungen kann auch die Neuanordnung bestehender Module eines Racks einen markanten Unterschied ausmachen, zum Beispiel durch zwei statt einen Wärmeübertrager. Durch eine scheinbar simple V-förmige Anordnung entsteht eine sehr hohe Wärmeübertragungsfläche bei gleichzeitig sehr geringem luftseitigen Druckverlust. Dadurch können Seitenkühler die Wärme ohne zusätzliche Luftventilatoren über die Wärmeübertrager fördern. Das gilt für geschlossene Architekturen ebenso wie für hybride. Da man die Ventilatoren in bestimmten Fällen komplett einsparen kann, steigt die Energieeffizienz, und die Lärmbelästigung sinkt. Versuche in unserem eigenen Testraum bestätigen, dass bei einer Vorlauftemperatur von 18° C und einer Zulufttemperatur von 25° C eine Kühlleistung von 28 kW abgeführt werden kann.

Im hauseigenen Testlabor kann Schäfer IT-Systems RZ-Umgebungen von Kunden simulieren und umfangreiche Effizienzanalysen durchführen. (Bild: Schäfer IT-Systems)

RZ-Verantwortliche sollten bei der Auslegung eines Seitenkühlers darauf achten, dass die Ventilatoren stufenlos regelbar sind. Das hat drei große Vorteile: geringere Geräuschentwicklung, mehr Leistung, vielfältigere Einsatzmöglichkeiten. Durch die stufenlose Einstellung kann derselbe Seitenkühler sowohl in Rechenzentren, in denen weniger Leistung erforderlich ist, als auch in einem Umfeld mit hoher Leistung eingesetzt werden: von Datacentern in mittelständischen Unternehmen bis zu Rechenzentren im Bereich Forschung und Lehre.

Des Weiteren ist darauf zu achten, dass einzelne Module, zum Beispiel Ventilatorenmodule oder die Steuerungsbox als Herzstück eines Seitenkühlers, im laufenden Betrieb getauscht bzw. nachgerüstet werden können. Das Stichwort ist hier Zugänglichkeit. Je zugänglicher die Komponenten vom Hersteller verbaut werden, desto wartungsfreundlicher der Seitenkühler. Das wiederum steigert die Investitionssicherheit für RZ-Betreiber. Denn bei einer durchschnittlichen Datacenter-Lebensdauer von 15 Jahren sind die Service- und Betriebskosten im Schnitt viermal höher als die Investitionskosten. Diese Kosten lassen sich mit durchdachten Produkten reduzieren.

Vorgesorgt und normkonform

Schließlich gilt: Die EN 50600 wird unter einem EU-Normungsmandat erstellt. Das bedeutet, dass sie Vertragspartnern im Konsens festgelegte Richtlinien zu allen wesentlichen Aspekten an die Hand gibt: von der Planung mit der Risikoanalyse über den Bau bis hin zum Betrieb mit vollständigem Monitoring und Kapazitätsmanagementkontrolle. Sie füllt somit eine schmerzliche Lücke im formalen Normenwerk. Bei einem neuen Projekt sollten Planer daher ausnahmslos nach den Vorgaben der EN 50600 arbeiten. Zum einen deshalb, weil die Norm derzeit bearbeitet wird und künftig auch dort greift, wo sie es aktuell nicht tut; vor allem aber, da in Zusammenhang mit der EN 50600 eine vorgezogene Risikoanalyse empfohlen wird. Sie stellt fest, ob die Vorgaben der Normen eingehalten werden können. Das hilft, Ausfälle der Verfügbarkeit der Infrastrukturen sowie unvorhergesehene Kosten von vornherein zu vermeiden.

Rechenzentren 2017-03.jpg
Schwarz auf weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe „Rechen­zentren und Infra­struktur“. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Nützliche Links