Gastbeitrag: Fußball-WM 2014

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Kluges Projektmanagement erzielt Mannschaftssiege

Von Hans-Peter Machwürth, Machwürth Team International

© Coloures-pic – fotolia.com

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Es waren gute Spiele dabei und es gab grauenhafte Spiele – am Ergebnis ändert das nichts: Nun sind wir zum vierten Mal Fußballweltmeister. Wer in Deutschland Teamverantwortung trägt, kann sich von diesem erfolgreichen Projekt einiges abgucken. Was genau können Teams in Unternehmen von der deutschen Nationalmannschaft lernen? Ein Rückblick.

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier

Komplexe Projekte, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, entwickeln eine Eigendynamik, die meist kaum mehr zu kontrollieren ist. Dennoch regiert nicht der reine Zufall. Es gilt, sich die Faktoren vor Augen zu halten, die – zum Guten oder Schlechten – entscheidenden Einfluss auf das Ausgangsergebnis haben. Es stellt sich bei jedem Projekt die Frage: Was braucht das Team zum Erfolg?

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Hans-Peter Machwürth ist Geschäftsführer der international agierenden Unternehmensberatung Machwürth Team International (MTI Consultancy).


Machwürth Team GmbH, Dohrmanns Horst 19, 27374 Visselhövede, 04262-9312-0, Fax: 04262-3812, info@mwteam.com, www.mticonsultancy.com

Ziel und Herausforderung

„Wir wollen Weltmeister werden.“ Das sagte Nationaltrainer Jogi Löw im Vorfeld der WM in Brasilien immer wieder. Er wies jedoch zugleich darauf hin: „Ich kann nicht versprechen, dass wir dieses Ziel erreichen. Doch wir werden alle unser Bestes tun, um es zu erreichen.“ Dadurch nahm er seine Mannen in die Pflicht. Zugleich sorgte er aber dafür, dass im Umfeld kein zu großer Erwartungsdruck entstand – woran letztlich die Mannschaft von Brasilien zerbrach.

Hunger nach Erfolg

Wer Herausragendes leisten möchte, muss hungrig auf den Erfolg sein – denn hierfür muss man zuweilen auch an die Schmerzgrenze gehen. Das war bei der deutschen Mannschaft der Fall. Anders war dies beim spanischen Team, das weitgehend aus Spielern bestand, die schon einmal die Welt- und die Europameisterschaft gewonnen hatten. Es war satt. Entsprechend lethargisch war seine Spielweise.

Gute Spieler

Aus einem Ackergaul kann man kein Rennpferd machen. Das gilt auch für Fußballmannschaften. Auch ihre Spieler müssen eine Mindestqualität haben, um das große Ziel „WM-Titel“ zu erreichen. Das zeigt das Beispiel der algerischen Mannschaft. Sie wuchs im Spiel gegen Deutschland zwar über sich hinaus, doch letztendlich siegte die deutsche Mannschaft, obwohl sie an diesem Tag nicht in Topform war. Denn in ihr steckte mehr Substanz. Ähnlich erging es der Mannschaft des Zwergstaates Costa Rica. Auch sie leistete für ihre Verhältnisse Fantastisches und wurde deshalb in ihrer Gruppe Sieger vor Italien und England. Doch dann schied das Team im Viertelfinale im Elfmeterschießen gegen die Niederlande aus.

Teamspirit

Für einen Mannschaftssport gilt: Ohne Teamgeist kommt man nicht weit. Deshalb musste z.B. die Mannschaft von Kamerun schon nach der Gruppenphase die Koffer packen, obwohl sie bessere Einzelspieler als der Viertelfinalist Griechenland und mit Volker Finke auch nicht den schlechtesten Trainer hatte. Doch die Spieler waren unter sich und mit ihrem Verband so zerstritten, dass sie auch auf dem Platz wie elf Einzelspieler und nicht wie ein Team agierten.

Trainingslager

Um eine Topleistung zu erbringen, müssen Teams gewisse Abläufe so lange üben, bis sie diese verinnerlicht haben. Sonst klappt das Zusammenspiel nicht. Deshalb begab sich die deutsche Mannschaft vor der WM in ein Trainingslager. Und dort übte sie z.B. Standardsituationen – mit dem Ergebnis, dass sie bei der WM von allen Mannschaften die meisten Tore nach Eckbällen und Freistößen erzielte.

Unterstützendes Umfeld

Ohne ein funktionierendes Team im Hintergrund hätte die deutsche Mannschaft in Brasilien vermutlich nicht einmal den Weg ins Stadion gefunden. Und wenn doch? Dann hätten einige Spieler ihre Fußballschuhe im Hotel vergessen. Deshalb ist der WM-Titel zu einem großen Teil auch der Erfolg des Teams hinter dem Team. Denn dieses sorgte dafür, dass die Hauptprotagonisten, die Nationalspieler, sich voll auf ihre Aufgabe konzentrieren konnten. Deshalb hätte das Team hinter dem Team auch einen Pokal verdient.

Spielidee

Mit welcher Spielweise können wir Weltmeister werden? Hiervon hatte Jogi Löw eine klare Vorstellung. Deshalb scheute er sich nicht, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wie den Stürmer Stefan Kießling zu Hause zu lassen, und dies, obwohl alle Fußballexperten danach schrien: „Ohne einen zweiten echten Stürmer neben Miroslav Klose haben wir keine Chance, Weltmeister zu werden!“ Der Trainer bewies ihnen das Gegenteil.

Mut zur Korrektur

Das bedeutet keinesfalls, dass Jogi Löw alles richtig machte. Er hatte jedoch den Mut, getroffene (Vor-)Entscheidungen zu korrigieren. So entschied er z.B. nach den wenig souveränen Spielen gegen Ghana und Algerien, Philipp Lahm statt im Mittelfeld doch wieder als rechten Verteidiger einzusetzen – mit dem gewünschten Ergebnis.

Klare Aufgabenverteilung

Eine Fußballmannschaft ohne eine klare Aufgabenverteilung ist kein Team, sondern ein Hühnerhaufen. Sie kann keinen Erfolg haben. Entsprechend wichtig war auch im deutschen Team, dass jeder seine Aufgaben und die seiner Mitspieler kannte. Denn erst aus dieser Grundordnung erwuchs für den Einzelspieler die Möglichkeit, seine Kreativität zu entfalten – und zwar so, dass er keine brotlose Kunst vorführt, die primär der Selbstdarstellung dient, sondern dass sich hierdurch Chancen für die Mannschaft eröffnen.

Rückendeckung

Wie selbstbewusst die Offensivkräfte eines Teams agieren, hängt auch davon ab, wie viel Gastbeitrag:Vertrauen sie in die Männer hinter sich haben. Denn was nützt ein Torerfolg, wenn man im Gegenzug ein, zwei Gegentore kassiert? Nichts! Entsprechend wichtig waren solche zuverlässigen Bollwerke wie Jérôme Boateng und Mats Hummels für die deutsche Mannschaft. Und selbstverständlich ein Spieler wie Torwart Manuel Neuer, der in allen Spielen eine extreme Souveränität ausstrahlte – selbst wenn seine Ausflüge speziell im Algerien-Spiel teilweise schon den Charakter von Harakiri-Aktionen hatten. Sie waren jedoch nötig, um das 0:0 und damit die Basis des Erfolgs zu sichern.

Vertrauen

Auch Topspieler bringen manchmal keine Topleistungen – so z.B. Mario Götze in den ersten WM-Spielen. Dann dürfen die Trainer den Mann in der Krise nicht gleich wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Sie müssen ihm vielmehr Mut zusprechen – so wie dies Jogi Löw angeblich vor der Einwechslung im Endspiel tat, indem er zu Götze sagte: „Zeig’, dass du besser als Lionel Messi bist!“ – woraufhin „Super-Mario“ den Siegtreffer schoss.

Einsatzbereitschaft

Wie oft wurde Sebastian Schweinsteiger im Finale gefoult? In der Verlängerung hatte man den Eindruck: Die argentinischen Spieler verwechseln ihn mit dem Ball, so oft wurde er getreten. Doch Schweinsteiger stand immer wieder auf. Und selbst als er unter dem Auge eine Platzwunde hatte, ließ er diese nur schnell zunähen. Dann spielte er mit der ihm eigenen Dynamik weiter. Solche Spieler sind die echten Leitwölfe in einem Team, denn an ihnen können sich die Mitspieler, wenn sie müde werden, aufrichten.

Kreative Geister

Mit einem Vorgehen nach Schema F kommt man sowohl im Fußball als auch bei der Projektarbeit oft nicht zum Ziel. Entsprechend wichtig sind im Team Spieler wie Thomas Müller, die immer wieder unkonventionelle Wege sehen und gehen und die nicht die Mühe scheuen, auch mal Wege auszuprobieren, die sich im Nachhinein vielleicht als überflüssig erweisen. Entscheidend ist, dass sie vermuten: Er könnte zum Erfolg führen.

Zufriedene Ergänzungsspieler

Es war bei der WM immer wieder faszinierend zu sehen, wie gutgelaunt auch solche Spieler wie Roman Weidenfeller und Lukas Podolski waren, obwohl sie bei den Spielen entweder die ganze oder doch die meiste Zeit auf der Ersatzbank saßen. Von Missgunst oder Neid keine Spur. Vielmehr hatte man nach dem Finale den Eindruck: Sie freuen sich ebenso über den WM-Titel wie die Protagonisten des Erfolgs. Diese Stimmung zu erzeugen und aufrechtzuerhalten, war vielleicht die größte Leistung der Führungskraft Jogi Löw, denn Grabenkämpfe hätten das Team schnell auseinanderbrechen lassen. Und diese Gefahr war nicht gering. Schließlich verbrachten die 23 Profikicker in Brasilien viel Zeit sozusagen in Quarantäne gemeinsam unter einem Dach.

Das Quäntchen Glück

Auch die deutsche Mannschaft hatte im Turnierverlauf Glück. So z.B., als in der ersten Halbzeit des WM-Finales nach einer völlig verunglückten Kopfballzurückgabe von Toni Kroos der argentinische Stürmer plötzlich allein vor Torwart Neuer stand. Doch Gonzalo Higuain schoss daneben. Dieses Quäntchen Glück brauchen auch Spitzenteams immer wieder, wenn sie den großen Erfolg anstreben. Doch das Sprichwort sagt auch: Das Glück gehört den Tüchtigen. Deshalb war der deutsche WM-Titel mehr als verdient.

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